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Teamviewer-CEO Steil : „Wir liefern, was wir versprechen“

Teamviewer-CEO Oliver Steil Bild: dpa

Teamviewer legt gute Geschäftszahlen vor, doch die Börse straft das Unternehmen trotzdem ab. Ist die Euphorie um Deutschlands Tech-Börsenneuling schon wieder vorbei?

          2 Min.

          Es ist eine undankbare Aufgabe: Oliver Steil, Vorstandschef des jüngsten Technologieunternehmens an einer deutschen Börse, muss erklären, warum der Aktienkurs von Teamviewer nachgibt, obwohl sein Unternehmen den Ausblick sogar leicht übererfüllt hat. „Ich glaube, wir haben über die letzten Quartale die Reputation erworben, dass wir zuverlässig das liefern, was wir versprechen“, sagt er der F.A.Z. „Kann ja sein, dass der eine oder andere Investor dieses Mal noch höhere Erwartungen hatte – das wird sich über die Zeit bereinigen, denke ich.“

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wäre es nicht Teamviewer, jenes auf Fernwartung von Systemen spezialisierte Softwareunternehmen aus Göppingen in der Nähe von Stuttgart, das im September mit großen Erwartungen an die Frankfurter Börse ging, die Investoren hätten die am Montag vorgelegten Geschäftszahlen wahrscheinlich anders gedeutet. Sein Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 51 Prozent, von knapp 260 Millionen Euro auf etwas über 390 Millionen. Unter dem Strich steht für 2019 ein Gewinn von gut 110 Millionen Euro, während es im Vorjahr noch ein Verlust von 12 Millionen Euro war.

          Das ergibt eine Umsatzrendite von gut 28 Prozent. Und trotzdem rutsche der Aktienkurs am Montagvormittag ins Minus, bis zum Mittag verlor er rund 3 Prozent auf 30,70 Euro. Das reichte, um die Aktie an die Spitze der Verliererliste des M-Dax der mittelgroßen Werte zu setzen.

          Ausblick zu skeptisch?

          Es gibt zwei Erklärungsansätze für diese Kursbewegung. Der eine ist, dass die Anleger nach einem guten Lauf seit dem Börsengang nun schlicht Kasse machen wollten. Die Teamviewer-Aktie hat seit ihrer Erstnotierung Ende September um 17 Prozent zugelegt. Wichtiger Treiber dabei war, dass sie recht unmittelbar in M-Dax und Tec-Dax aufgenommen wurde. Diese Rendite wollten sich einige Aktionäre nun wohl nach Hause holen.

          Die zweite Erklärung lautet, dass Teamviewer einen zu skeptischen Ausblick vorgelegt habe. Der Umsatzausblick für 2020 sei etwas vorsichtig, die Aktie habe schon viel Positives vorweggenommen, hörte man von Händlern in Frankfurt: „Alles in allem kein Grund, sich um die Aktie zu reißen.“ Es gab aber durchaus auch abweichende Meinungen: Sowohl Commerzbank als auch Goldman Sachs bekräftigten ihre Kaufempfehlungen für die Teamviewer-Titel mit Kurszielen von 44 und 43 Euro.

          Der Ausblick, den die Schwaben vorgelegt haben, folgt unverändert dem Plan, den sie schon im vergangenen Jahr ausgegeben hatten. Er sieht Umsätze zwischen 420 und 430 Millionen Euro vor, das sind im Mittel immerhin noch knapp 9 Prozent Wachstum. Allerdings soll der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf 240 bis 250 Millionen Euro zulegen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr lag er bei 182 Millionen; er soll damit um fast 35 Prozent wachsen. Dieses bereinigte Ebitda hat Teamviewers Management als relevante Gewinngröße ausgewählt.

          Finanzchef Stefan Gaiser rechtfertigte den unveränderten Ausblick vor Investoren so: „Wir sehen keinen Grund, den zum jetzigen Zeitpunkt zu ändern. Das Jahr ist ja noch jung.“

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