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Fahrerstreik : Nutzloser Taxiprotest

Am Mittwoch protestierten Taxifahrer gegen Wundercar, Uber & Co. Bild: REUTERS

Gerade erst protestierten Taxifahrer in vielen europäischen Städten gegen die Konkurrenz aus dem Internet. Mit wenig Erfolg: Sie trieben der Konkurrenz die Kunden in die Wagen – und der Billig-Anbieter Wundercar expandiert fröhlich weiter.

          Ungeachtet der Protestaktionen in Berlin, Hamburg, Paris, London und weiteren europäischen Städten will das Hamburger Start-Up Wundercar sein Angebot von diesem Donnerstag an auf ganz Deutschland ausweiten. Wie Gründer und Geschäftsführer Gunnar Froh der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bestätigte, können sich Menschen aus ganz Deutschland als Fahrer anmelden. Nach einem Prüfprozess könnten voraussichtlich in zwei Wochen auch in kleineren Städten wie Bonn, Freiburg oder Hildesheim Fahrten angeboten werden.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Bislang ist Wundercar in Berlin, Hamburg und Dublin vertreten. Die Fahrer müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, dürfen maximal drei Punkte in Flensburg haben und müssen seit zwei Jahren im Besitz des Führerscheins sein. Für die Fahrten mit Wundercar zahlen Kunden ein „Trinkgeld“, das nach Unternehmensangaben in Höhe der Betriebskosten liegen soll.

          Genau darüber gibt es jedoch Streit mit der Hamburger Wirtschaftsbehörde. Sie verbot das Angebot von Wundercar und bezeichnete es als illegal, da die Fahrten kommerziell, aber ohne Genehmigung betrieben würden. Wundercar-Chef Froh entgegnete, es handele sich nicht um „geschäftsmäßige Fahrten“. In einem Brief habe die Stadt noch einmal dargelegt, dass nur Fahrten mit Gewinnerzielungsabsicht auch genehmigungspflichtig sein, sagte er der F.A.Z. Wie hoch das Entgelt genau sein darf, dazu machte die Hamburger Wirtschaftsbehörde laut Froh jedoch keine konkreten Angaben: „Wir bräuchten eine klare Grenze.“ Bis es soweit ist, richtet  sich Wundercar nun nach der ADAC-Statistik zu den Betriebskosten für einen Golf VII und empfiehlt den Fahrern, 35 Cent pro gefahrenem Kilometer zu nehmen.

          Am Mittwoch hatten Taxifahrer in vielen europäischen Städten, darunter in Berlin, Paris, London, Mailand und Madrid gegen die neue Konkurrenz aus dem Internet protestiert. In Hamburg versammelten sich die Taxifahrer vor dem Firmensitz von Wundercar, ihr Hauptgegner ist jedoch das amerikanische Start-Up Uber, das private Wagen mit Fahrern vermittelt. Die Taxifahrer sehen einen unfairen Wettbewerb, weil die Konkurrenz aus dem Internet die strikten Regeln und zum Teil hohen Lizenzkosten für das Taxi-Gewerbe umgehe.

          Nach Angaben von Uber profitierte das Unternehmen aber sogar von den Protesten. „Wir arbeiten rund um die Uhr“, sagte Europachef Pierre-Dimitri Gore-Coty dem  Wirtschaftssender Bloomberg TV. Quer durch Europa habe es sechs bis achtmal mehr neue Kunden als an gewöhnlichen Tagen gegeben, in Barcelona seien es sogar elfmal mehr gewesen.

          Und auch Wundercar erlebte einen wahren Zulauf: Während sich an einem normalen Tag durchschnittlich 100 Fahrgäste neu registrierten, seien es am Mittwoch 40 bis 50 in der Minute gewesen, sagte Gründer Froh der F.A.Z. So seien an einem einzigen Tag mehrere Tausend potentielle Gäste hinzugekommen. Zudem hätten sich am Mittwoch 300 Fahrer neu angemeldet, mehr als im gesamten Monat Mai zusammen.

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