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Deutsche Standorte betroffen : Tausende Stellen bei Airbus Defence in Gefahr

Airbus will mit seinem Eurofighter bis zu 90 Tornado-Jets der Bundeswehr von 2025 an ersetzen Bild: dpa

Rückschläge im Militärgeschäft zwingen die Rüstungssparte des Airbus-Konzerns zu einem härteren Sparkurs. In Deutschland drohen Tausende Stellen wegzufallen.

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          In der Rüstungssparte des Airbus-Konzerns droht angesichts der schwachen Geschäftslage Stellenabbau. Man habe „im dritten Jahr in Folge weniger Aufträge als Auslieferung zu verzeichnen“, heißt es in einem internen Rundschreiben des Managements an die Mitarbeiter, das der F.A.Z. vorliegt. Konkrete Zahlen für einen Stellenabbau wurden am Mittwoch zwar nicht genannt. Doch Kenner des Konzerns gehen davon aus, dass mehrere Tausend der 12.000 Stellen in Deutschland von dem härteren Sparkus betroffen sein werden.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Obwohl die Geschäftsperspektiven im Kerngeschäft des Konzerns stabil sind, hat unsere Division seit 2016 mit unerwartetem Gegenwind zu kämpfen“, teilte Dirk Hoke, Airbus-Vorstand für die Sparte Defence and Space, in dem Schreiben an die Belegschaft mit. Gemeint ist damit der schwache Absatz von kommerziellen Satelliten sowie das Ausbleiben von Großaufträgen im militärischen Geschäft. Der deutsch-französische Rüstungshersteller von Kampfjets, Drohnen und elektronischen Bauteilen für Flugkörper ist einer der größten Ausrüster der Bundeswehr.

          Betriebsräte schlagen Alarm

          Wichtigster Hoffnungsträger von Airbus Defence ist bislang der Ersatz von 90 veralteten Tornado-Jets der Luftwaffe. Bis zu 90 Flugzeuge dieses Typs, von denen heute schon weniger als die Hälfte betriebsbereit sind, müssen die Militärs in Berlin von 2025 an austauschen. Doch um den lukrativen Großauftrag in Höhe von rund 10 Milliarden Euro steht das von Airbus geführte Eurofighter-Konsortium mit dem amerikanischen Hersteller Boeing in einem Bieterwettbewerb. Eine Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums über diesen Großauftrag wird bis spätestens März 2020 erwartet.

          Betriebsräte von Airbus Defence schlugen jetzt im Vorfeld dieser Entscheidung Alarm: „Die Zukunft der gesamten militärischen Luftfahrtindustrie in Deutschland entscheidet sich an der Frage, ob die Bundeswehr den Eurofighter oder die von Boeing hergestellte F 18 als Nachfolger für den Tornado kauft“, warnte Gesamtbetriebsratschef Thomas Pretzl in einem Zeitungsinterview.

          12.000 Beschäftigte an vier deutschen Standorten

          Airbus Defence und Space beschäftigt in seinen Werken in Manching bei Ingolstadt 5000 Mitarbeiter, in Ottobrunn bei München, Friedrichshafen am Bodensee sowie in Bremen je 2000 Mitarbeiter. Darüber hinaus sind weitere 23.000 Mitarbeiter für den Rüstungshersteller in Frankreich, Spanien und England tätig. Der mit Abstand wichtigster Kunde im Rüstungsgeschäft ist die Bundeswehr. Weil das Auftragsbuch in der Rüstungsparte seit drei Jahren schrumpft, verhandelt Airbus-Vorstand Hoke mit dem Betriebsrat weitere Sparmaßnahmen. Dabei seien Stellenabbau und betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen, heißt es.

          Betriebsratschef Pretzl sagte, wenn Berlin den Auftrag für die 90 Tornado-Nachfolgeflugzeuge an Boeing mit der F18 gebe, dann werde auch der deutsch-französische Eurofighter-Nachfolger FCAS nicht gebaut werden. Das würde aus seiner Sicht zum raschen Aus für den Standort Manching führen: „Wir wären dann nur noch eine Wartungsbude“, sagte er in dem Interview. Die Bundesregierung müsse jetzt die richtigen Entscheidungen für das deutsch-französische Projekt und für die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie treffen. „Keine Regierung in keinem anderen Land der Erde würde ein fremdes Kampfflugzeug kaufen, wenn es ein eigenes hat.“ Auch eigentlich erwartete Aufträge für den Ersatz der ältesten deutschen Eurofighter-Flugzeuge sowie für das Eurofighter-Radar wurden noch nicht abgeschlossen.

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