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Tausende Arbeitsplätze weniger : Commerzbank und Betriebsrat besiegeln Stellenabbau

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Bei der Commerzbank geht es mit dem Stellenabbau voran. Bild: Reuters

Die Commerzbank ist bei dem geplanten Abbau Tausender Stellen einen wichtigen Schritt weiter. Die Bank hat sich mit den Arbeitnehmervertretern auf wichtige Rahmenbedingungen geeinigt.

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          Die Commerzbank will bei ihrem großen Stellenabbau möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Sie seien „nur als letztes Mittel der personalwirtschaftlichen Umsetzung“ möglich, erklärte die viertgrößte deutsche Bank nach Abschluss der Verhandlungen mit den Betriebsräten am Donnerstag in Frankfurt.

          Davor müssen zahlreiche andere Möglichkeiten ausgeschöpft sein, etwa Versetzungen in andere Teile der Bank oder Altersteilzeit-Regelungen, die die Bank schon im April angeboten hatte. Das Frankfurter Geldhaus will die Zahl der Vollzeitstellen (ohne Auszubildende) bis 2020 auf 36.000 senken, das sind 5600 weniger als Ende März. Die Commerzbank-Aktie stieg um 2,6 Prozent.

          Insgesamt dürften aber mehr Beschäftigte von den Kürzungen betroffen sein. Denn die Commerzbank sucht gleichzeitig 2300 neue Mitarbeiter, die die Automatisierung vorantreiben sollen. Im Herbst hatte der neue Vorstandschef Martin Zielke den Abbau von netto 7300 Stellen angekündigt. Von der Zahl der Stellen, die insgesamt gestrichen werden, sei die Commerzbank nicht mehr abgerückt, sagte Gesamtbetriebsratschef Uwe Tschäge zu Reuters. „Darüber hat sie nicht mit sich verhandeln lassen.“ Doch haben seither mehr Mitarbeiter das Haus freiwillig verlassen als gedacht.

          „Für die Bank und die Betroffenen schmerzhaft“

          „Der Stellenabbau ist für die Bank und die Betroffenen schmerzhaft“, sagte Personalchefin Bettina Orlopp. „Er ist jedoch notwendig, um die Bank zukunftsfähig zu machen.“ Sie hofft Unternehmenskreisen zufolge, dass rund 1000 Mitarbeiter ein Altersteilzeit-Programm annehmen, das die Bank 3000 von ihnen vorab angeboten hatte. Tschäge äußerte „verhaltene Freude“. Die Arbeitnehmervertreter hätten für den Sozialplan erhebliche Verbesserungen erreicht. So sollen Mitarbeiter, die auf andere Stellen in der Bank wechseln, ihr bisheriges Gehalt in jedem Fall weiter bekommen. Als Abfindung sind mindestens sechs Monatsgehälter vorgeschrieben, wenigstens aber 20.000 Euro, wie aus einer Mitarbeiter-Information hervorgeht.

          Arbeitnehmervertreter bezweifeln, dass der Abbau so schnell vonstatten geht wie sich die Commerzbank das vorstellt. Die neue Technik, die viele Handgriffe überflüssig machen soll, muss nach der Vereinbarung erst funktionieren, ehe die entsprechenden Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Verhandlungen, wie der Abbau an den einzelnen Standorten umgesetzt wird, sollen bis Oktober oder November abgeschlossen sein. Als erstes ist die Zentrale in Frankfurt an der Reihe.

          Insgesamt kommt der Stellenabbau die Commerzbank weniger teuer zu stehen als befürchtet. Schon nach einer vorläufigen Einigung Ende Juni war klar, dass die Bank dafür nur rund 810 Millionen Euro zurückstellen muss statt der veranschlagten 1,1 Milliarden. Weil die Kosten nun aber vollständig in diesem Jahr in der Bilanz verarbeitet werden sollen, rechnet die Commerzbank im zweiten Quartal mit roten Zahlen. Zum Jahresende soll aber kein Verlust zu Buche stehen.

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