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Nachfrage eingebrochen : Siemens-Konzern steht vor der Zerreißprobe

Rund 5000 Stellen müssen im Konzern in Deutschland jährlich aufgrund von Fluktuation oder neu geschaffenen Stellen besetzt werden. Auf diese setzt anscheinend das Management. Sie könnten durch betroffene Mitarbeiter im Bereich Power and Gas besetzt werden, wenn diese in andere Divisonen, vor allem aber in andere Regionen wechselten. Genauso wird wohl überlegt, Aufgaben unter den neun deutschen Werken und Standorten von großen zu kleineren zu verschieben. Am größten Standort Mülheim (4500 Mitarbeiter) könnte eher auf Arbeitsplätze verzichtet werden als an von der Schließung bedrohten ostdeutschen Werken wie in Görlitz (800 Mitarbeiter) oder Erfurt (500), die in ohnehin strukturschwachen Regionen stehen.

In Erfurt demonstrierten bereits Siemens-Mitarbeiter aus Angst vor einer Schließung des Werks. Jetzt sollen möglicherweise Aufgaben verschoben werden.

Die Auftragslage ist knapp

In der zweiten Novemberhälfte sollen die Belegschaftsvertreter im Wirtschaftsausschuss mit den Plänen des Vorstandes konfrontiert werden. Es könnte allerdings auch schnell mit beschwichtigenden Tönen vorbei sein. Unternehmenskreise sprechen nämlich davon, dass auf alle Fälle etwas „passieren“ werde, wenn es statt eines Miteinanders zum Gegeneinander käme. Mit anderen Worten: Siemens ist entschlossen, tiefgreifende Maßnahmen notfalls auch mit Härte durchzusetzen.

Zu ernst ist die Lage. Der Auftragsbestand von Power and Gas erreicht zwar noch 40 Milliarden Euro. Doch General Electric mit einem Anteil von 50 Prozent größter Anbieter im Markt für große Turbinen kämpft um knappen Aufträge zu extrem schlechten Preisen genauso wie Siemens als Nummer zwei (30 Prozent), Mitsubishi aus Japan und Ansaldo aus Italien. Mit 130 Turbinen verfügt allein Siemens über eine Produktionskapazität, die höher ist als die in den nächsten Jahren erwarteten rund 110 Bestellungen.

Siemens schafft sich einige Probleme selbst

Nicht viel anders sieht es bei Siemens Gamesa aus. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2016/2017 (30. September) stieg zwar noch um 5 Prozent auf knapp 11 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um 18 Prozent auf 774 Millionen Euro. Im zweiten Halbjahr, also seit der Fusion, sackte das Ebit aber um 63 Prozent ab, der Umsatz um 12 Prozent. Der Einbruch der Märkte in Indien und in Ländern in Europa, geänderte Ausschreibungsbedingungen zu Marktpreisen sowie wegfallende Subventionen nun auch in den Vereinigten Staaten sorgen schon genug für gravierende Umbrüche und völlig neue Spielregeln.

Zusätzlich erschweren selbst verursachte Schwierigkeiten etwa mit hohen Abschreibungen auf Lagerbestände die Lage. Ein nahezu komplett ausgewechselter Vorstand innerhalb von sechs Monaten verzögert die notwendige Integration und lässt das Management immer noch nach Strategien suchen. Die sollen im Februar 2018 vorgestellt werden. Das Ausmaß der Schwierigkeiten zeigt sich in der Ankündigung, dass das Angebot von Onshore-Anlagen wegen der unübersichtlichen Vielzahl von Produkten um 65 Prozent eingedampft werden soll.

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