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Automobilindustrie : Tata soll Volkswagen beim Billigauto helfen

Tata kann Billigauto: Vor 8 Jahren haben die Inder ihren Tata Nano vorgestellt - der Verkaufserfolg blieb alledings hinter den Erwartungen zurück. Bild: AFP

Seit Jahren feilt Europas größter Autokonzern an seinen Plänen für ein „Budget Car“. Es soll zwischen 6000 und 8000 Euro kosten. Nun holt sich VW einen externen Partner an Bord.

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          „Budget Car“ nennt Volkswagen das Billigauto, mit dem die Wolfsburger in Schwellenländern wie China und Indien ein komplett neues Marktsegment erschließen wollen. Zwischen 6000 und 8000 Euro soll dieser fahrende Billigheimer kosten. Doch ist die Entwicklung schwieriger als erwartet. Angesichts der komplizierten Kostenkalkulation hat VW den Produktionsbeginn mehrfach verschoben. Den letzten bekannten Plänen zufolge sollte das Auto, für das der Konzern eine eigene Marke gründen will, 2018 auf die Straße kommen.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Nun holt sich VW für das Projekt womöglich einen externen Partner an Bord. Nach Informationen des „Manager Magazins“ lotet der Konzern eine Zusammenarbeit mit dem indischen Autohersteller Tata Motors aus. Tata solle das Modell ganz oder teilweise für VW entwickeln, heißt es. Die Verhandlungen liefen bereits, noch sei der Auftrag aber nicht vergeben. Die Verantwortung im VW-Konzern liege beim Chef der Stammmarke, Herbert Diess. Die Gespräche mit den Indern würden aber vom Strategiechef Thomas Sedran vorangetrieben und teilweise auch geführt. Ein Sprecher von Volkswagen wollte sich zu dem Thema nicht äußern: „Das sind Spekulationen, zu denen wir keine Stellung nehmen.“

          Für VW wäre es der zweite Versuch, das Vorhaben mit einem Partner voranzubringen. Eine Zusammenarbeit mit dem japanischen Hersteller Suzuki war im Streit mit dem eigenwilligen Chef Osamu Suzuki gescheitert. Tata Motors mit Hauptsitz ist Spezialist für Kleinwagen wie den „Nano“, der ab 3000 Dollar zu haben ist, dessen Verkaufszahlen aber zuletzt enttäuscht haben. Der Preis für das günstigste VW-Modell „Up“ beginnt hierzulande bei knapp 10.000 Euro.

          Bei den Genehmigungen für den Rückruf manipulierter Dieselautos ist der Konzern in dieser Woche einen Schritt vorangekommen. Wie ein Sprecher von VW bestätigte, hat das Kraftfahrtbundesamt am Freitag die technischen Lösungen für rund 800.000 weitere Fahrzeuge freigegeben. Darunter seien Varianten wie Passat, CC, Alltrack, Touran, Golf GTD sowie weitere Modelle von Audi, Skoda und Seat. Sie alle hätten Versionen des Vierzylinder-Dieselmotors EA189 mit 2,0 Liter Hubraum und 125 Kilowatt Leistung (168 PS). Damit habe VW nun Freigaben für 4,6 von insgesamt rund 11 Millionen international betroffenen Fahrzeugen.

          Rückschlag in Südkorea

          In Südkorea erleidet der Konzern allerdings einen Rückschlag. Dort stellt das Unternehmen im Krach mit der Regierung vorerst den Verkauf von 79 Modellen ein. „Wir stoppen den Verkauf freiwillig, um der Konfusion im Markt entgegenzutreten“, sagte eine Sprecherin von Audi Volkswagen Korea. Die Regierung hatte die Untersuchungen nach dem Skandal um gefälschte Diesel-Verbrauchswerte ausgedehnt und wirft VW vor, Hunderte von Dokumenten über Emissionswerte, Kraftstoffverbrauch und Lärmtests geschönt zu haben, um die Zulassung von Importautos zu erlangen. Sie droht damit, die Zertifizierung für Dutzende Modelle zurückzuziehen und die Auslieferung zu stoppen.

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