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Tanken per Stecker : Stromkonzerne drängen in die Autoindustrie

  • -Aktualisiert am

BMW kooperiert schon mit Vattenfall: Der Elektro-Mini Bild: REUTERS

Klimaschutz und hoher Ölpreis - immer mehr Autobauer wenden sich einer Alternative zu: Elektroautos, die mit Strom tanken. Doch Experten haben nun ein Szenario erdacht, das den Herstellern Angst machen könnte: Was, wenn die Stromkonzerne künftig die Macht auf dem Automarkt übernehmen?

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          Angesichts strengerer Klimaschutzgesetze und eines hohen Ölpreises treibt die Autoindustrie die Entwicklung von Elektroautos voran. Bis 2030 wird die Hälfte aller neuen Autos ganz oder teilweise mit Strom angetrieben, schätzt die Unternehmensberatung PRTM. Noch fehlen aber billige Batterien und genügend Ladestationen. Derzeit sieht es danach aus, als ob die Autokonzerne diesen zukünftigen Markt mit Stromerzeugern und Batterieherstellern teilen müssen.

          Die Flotte der Elektroautos, die schon 2020 per Stecker oder durch Batteriewechsel „betankt“ werden, dürfte rund 30 Millionen Wagen umfassen, erwartet die Unternehmensberatung. „Damit sind gewaltige Verschiebungen der Erträge verbunden - zwischen den Konzernen aus dem Transportsektor und auch über die Branchengrenzen hinaus“, sagt Cuneyt Oge von PRTM. Neue Unternehmen bekommen die Chance, in die Autoindustrie vorzustoßen. Zulegen können Batteriehersteller sowie Stromnetzbetreiber, Stromerzeuger und Technologiefirmen, die neuartige Autoteile herstellen. Absehbare Verlierer sind die großen Ölkonzerne.

          VW kooperiert mit Eon, BMW mit Vattenfall

          Die Autokonzerne setzen immer öfter auf Allianzen mit anderen Industriezweigen. Volkswagen kooperiert beim Strom mit Eon und beim Elektromotor mit Toshiba; Konkurrent Daimler arbeitet beim Strom mit RWE zusammen, bei Batterien mit Continental und dem Essener Mischkonzern Evonik. Zur Entwicklung der Elektroautos kooperiert Daimler zudem mit dem eigenen Großaktionär, dem arabischen Emirat Abu Dhabi, und über eine Beteiligung mit dem kalifornischen Elektrosportwagenhersteller Tesla. BMW arbeitet mit Vattenfall zusammen, der Auftragsfertiger Karmann mit dem Regionalversorger EWE.

          Zum Elektroauto umgebauter Fiat 500 auf dem Elektro-Mobil Kongress in Bonn

          Ein Szenario könnte sein, dass Stromkonzerne die Macht übernehmen. „Es könnte sich für Elektroautos ein ähnliches verbrauchsbasiertes Konzept entwickeln, wie es derzeit bei Mobilfunkverträgen existiert“, sagt Martin Hölz von der Beratungsgesellschaft Deloitte. Im Falle der Mobilfunktelefonie dominierten heute die Netzbetreiber den Markt - also jene Unternehmen, die die Infrastruktur bereitstellen und den direkten Kundenkontakt haben. Diese Rolle könnten bei Autos die Stromkonzerne übernehmen, während die Autoherstellerer, ähnlich den Handy-Produzenten, in den Hintergrund rücken.

          Einen gemeinsamen Standard für Ladestecker gibt es schon

          Am weitesten vorn lag lange Zeit Toyota. Im Jahr 1997 machten die Japaner mit ihrem Hybridmodell Prius Schlagzeilen. Bis 2012 kommen nun die ersten reinen Elektroautos auf den Massenmarkt, die mit nach Ladung hunderte Kilometer fahren sollen. General Motors (GM) arbeitet an dem Elektroauto Chevrolet Volt, das auch bei der einstigen Tochtergesellschaft Opel unter dem Namen Ampera produziert wird. Daimler stellt in Berlin ab Herbst 2009 mehr als 200 Elektroautos des Modells Smart mit 500 Stromladepunkten von RWE zu Testzwecken zur Verfügung. Auch der chinesische Konzern „Build Your Dreams“ (BYD) - einst ein reiner Batteriehersteller, der erst seit 2003 Autos produziert - will Ende 2010 ein neues Elektroauto für umgerechnet 27.000 Euro präsentieren.

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