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Künftige Ernährung : Taifun aus Freiburg stellt den meisten Bio-Tofu in Europa her

  • -Aktualisiert am

Die Mitarbeiter arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb. Bild: Taifun-Tofu

Tofu könnte eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Zukunft sein. Taifun-Tofu aus Freiburg hat eine Zulassung für eine selbstentwickelte Sojasorte erhalten, die sehr gut in Deutschland angebaut werden kann.

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          „Tofu ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Zukunft, denn er bietet die Chance, den Eiweißbedarf auf der Welt im Rahmen der ökologischen Grenzen unseres Planeten zu decken“, sagt Lina Cuypers, Pressesprecherin der Taifun-Tofu GmbH aus Freiburg. Immer mehr Menschen achteten auf eine nachhaltige Ernährung, angespornt auch durch Bewegungen wie Fridays for Future.

          „Alles begann 1985 mit einfachen Gerätschaften und von Hand: Vier Kilo in der Woche wurden lose und frisch auf dem Markt verkauft“, heißt es von Taifun-Tofu. 1987 gründeten Wolfgang Heck und Klaus Kempff das Unternehmen. Kempff verlässt das Unternehmen später. Heck ist heute Vorstand der Heck-Unternehmensstiftung, die Eigentümerin der Taifun-Tofu GmbH ist.

          Man ist nach eigenen Angaben der führende Hersteller von Biotofu in Europa. Im deutschen Biofachhandel liege der Marktanteil bei rund 70 Prozent, berichtet Cuypers. Der Jahresumsatz belaufe sich auf 38 Millionen Euro. In den vergangenen fünf Jahren sei er durchschnittlich um 4,5 Prozent gestiegen. Im Lockdown sei die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens stark gewachsen.

          Nachfrage größer als Produktion

          270 Mitarbeiter arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb. Wöchentlich könnten rund 120 Tonnen Tofu produziert werden. Rund 2 Millionen Päckchen mit Tofuspezialitäten verlassen monatlich das Unternehmen und werden in Deutschland und 14 europäischen Ländern verkauft.

          Seit 2015 habe man 20 Millionen Euro in die Erweiterung des Unternehmens gesteckt, berichtet die Pressesprecherin. Trotzdem übersteige die Nachfrage die Produktionsmöglichkeiten. Folgen waren Lücken im Kühlregal. Dem Unternehmen sei wichtig, langfristig und gesund zu wachsen, um, wie Cuypers sagt, „die gewohnte Taifun-Qualität“ zu erhalten.

          Die Herstellung von Tofu erfolgt in mehreren Schritten. Die Sojabohnen aus gentechnikfreiem Bioanbau werden gewaschen und anschließend bis zu zwölf Stunden in großen Behältern gequellt. Nach dem Aussieben der Faserstoffe erhält man einen milchfarbenen Sojasaft.

          Nicht nur in Bioläden

          Mit Hilfe von Gerinnungsmitteln und unter Hitze flockt diese Sojamilch aus, sie wird dann zu Sojablöcken verdichtet. Die werden in Form geschnitten und im Wasserbad abgekühlt. Der Basistofu wird entweder als Naturtofu verkauft oder weiterverarbeitet, gewürzt, frittiert oder geräuchert.

          Das Unternehmen beliefert längst nicht mehr nur Bioläden. Mit der Marke „Tukan“ ist man in den konventionellen Lebensmittelhandel eingezogen, er mache jedoch nur einen Anteil von rund 10 Prozent der Tofuproduktion aus. Hauptmarkt sei weiterhin der Naturkosthandel. Die Kunden seien Biokonsumenten, die Wert auf naturbelassene und hochwertige Lebensmittel legten.

          „Dazu gehören die Ökos der ersten Stunde genauso wie die erfolgreichen urbanen Berufstätigen zwischen 30 und 40 Jahren“, sagt Cuypers. „In letzter Zeit kommt eine neue, junge Generation hinzu, die sich für eine vegane Ernährung starkmacht, weil ihr das Tierwohl und die Umwelt am Herzen liegen. Ethik und Nachhaltigkeit stehen im Vordergrund, aber auch der Fitnessgedanke spielt eine Rolle.“

          Nach zehnjähriger Züchtungsarbeit in Kooperation mit der Universität Hohenheim erhielt das Unternehmen die Zulassung für eine selbstentwickelte Sojasorte. Diese sei perfekt auf den Anbau in Deutschland abgestimmt. „Sojabohnen zur Tofuherstellung können jetzt in vielen Gegenden Deutschlands angebaut werden, wo es bisher nicht möglich war“, berichtet Kristina Bachteler vom Zentrum für Sojaanbau bei Taifun. Insgesamt wächst der Sojaanbau in Deutschland beständig.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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