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T-Mobile USA für 39 Milliarden verkauft : Deutsche Telekom kapituliert in Amerika

Die Deutsche Telekom ist künftig größter Minderheitsaktionär des amerikanischen Branchenführers Bild: dapd

Die Telekom verkauft ihr amerikanisches Mobilfunkgeschäft an den Telekomkonzern AT&T. Die Amerikaner kostet T-Mobile USA rund 39 Milliarden Dollar. Einen Teil zahlt AT&T in bar, den Rest in eigenen Aktien. Die Telekom wird damit größter Minderheitsaktionär des amerikanischen Konzerns.

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          Die Deutsche Telekom verkauft ihre amerikanische Mobilfunkgesellschaft T-Mobile USA, die in jüngster Zeit mehr und mehr zum Sorgenkind im Konzern geworden ist. Am Sonntagabend teilte die Telekom mit, dass sie an den amerikanischen Telekommunikationskonzern AT&T abgegeben wird. Der Preis liegt bei 39 Milliarden Dollar oder 28 Milliarden Euro.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Damit hat die Telekom für einen Paukenschlag gesorgt: Zwar wurde in den vergangenen Wochen wieder verstärkt über eine Trennung von T-Mobile USA spekuliert. Als Käufer war aber der drittgrößte amerikanische Mobilfunknetzbetreiber Sprint Nextel gehandelt worden, der so den Rückstand zu den Marktführern AT&T und Verizon Wireless hätte verkürzen können. Stattdessen wird nun vorbehaltlich der kartellrechtlichen Genehmigungen AT&T mit klarem Abstand die Nummer eins in Amerika werden.

          „Heute ist ein guter Tag für die Deutsche Telekom“, sagte Vorstandschef Obermann. Anstehende Investitionen in den Ausbau schneller Netze in Europa würden dadurch erheblich einfacher, während die Bilanz gestärkt werde. Gleichzeitig werde die Telekom als AT&T-Teilhaber weiter am stark wachsenden Geschäft mit dem mobilen Internet in den Vereinigten Staaten teilhaben.

          „Heute ist ein guter Tag für die Deutsche Telekom”: Vorstandschef Rene Obermann

          Bund und Blackstone ziehen die Reißleine

          Mit dem Verkauf beendet die Telekom ein etwa zehnjähriges Abenteuer, das unter dem früheren Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer mit der im Jahr 2000 auf dem Höhepunkt des Börsenbooms angekündigten Übernahme von Voicestream begann. Sommer hatte sich die Akquisition rund 40 Milliarden Euro kosten lassen. Der Kaufpreis galt damals als sehr hoch, aber die Rechnung schien zunächst aufzugehen. Die Telekom hatte mit der bald in T-Mobile USA umbenannten Gesellschaft einen Fuß in einem der wachstumsstarken Märkte, um die Schwäche in Deutschland auszugleichen.

          Zuletzt kam rund ein Drittel des Umsatzes der Deutschen Telekom aus Amerika. Aber T-Mobile USA machte dem Mutterkonzern immer mehr Sorgen, seit fünf Quartalen wächst das Geschäft nicht mehr. Im Schlussquartal 2010 verlor die Gesellschaft als einziger der vier großen Netzbetreiber Kunden. Sie hatte Ende 2010 noch 33,7 Millionen Kunden, Sprint Nextel kam auf 49,9 Millionen, Verizon Wireless auf 94,1 Millionen und AT&T auf 95,5 Millionen.

          Offensichtlich haben die großen Anteilseigner der Telekom, der Bund und die Beteiligungsgesellschaft Blackstone, nun die Reißleine gezogen und sich gegen die von der Konzernspitze zunächst geplanten zusätzlichen finanziellen Engagements gestellt. Denn noch vor wenigen Wochen hatte Konzernchef René Obermann ehrgeizige Ziele für die Sanierung des Geschäftes in Amerika ausgegeben. Der von ihm neu ernannte Landeschef Philipp Humm sollte schon in diesem Jahr für neues Wachstum sorgen.

          Erklärte Vorgabe war, zur Nummer drei in Amerika aufzuschließen. Nun wird die Telekom ihre Strategie komplett neu definieren müssen, um sich neue Wachstumsquellen zu erschließen. Bisher hat sie sich neben den Vereinigten Staaten vor allem auf Mittel- und Osteuropa konzentriert. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Telefónica und France Télécom sind die Bonner in den wachstumsstarken Schwellenländern bisher überhaupt nicht vertreten.

          Vom Gesamtpreis von 39 Milliarden Dollar will AT&T 25 Milliarden in bar bezahlen und den Rest mit eigenen Aktien. Auf Basis des Schlusskurses vom vergangenen Freitag würde die Telekom damit einen Anteil von rund 8 Prozent an AT&T bekommen. Die Amerikaner haben das Recht, die Barkomponente um 4,2 Milliarden Dollar aufzustocken.

          Größte Gewinnerin in den ersten Dax-Handelsminuten war die Deutsche Telekom, deren Aktie sich um bis zu 16,3 Prozent auf 11,15 Euro verteuerte. Damit notierte sie auf dem höchsten Stand seit Januar 2009. Analysten äußerten sich positiv über den Deal, einige stuften die T-Aktie hoch. Die auf dem Frankfurter Parkett gelisteten Papiere des Telekom-Konzerns AT&T legten 1,3 Prozent zu.

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