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Supermarktkette : Kaufland startet Lieferservice in Berlin

Gemessen am Gesamtumsatz ist das Online-Geschäft mit Lebensmitteln aktuell noch verschwindend gering. Bild: Archiv

Ob Putenbrust, Tiefkühlpizza oder Pampers: Kaufland liefert demnächst in Berlin. Die Supermarktkette kommt damit einem großen Online-Händler zuvor.

          3 Min.

          Die Handelskette Kaufland startet mit einem Lieferservice in Berlin. Ein Blick in den Kaufland-Internet-Shop zeigt: von Tiefkühlpizza über Bio-Tofu bis zu Basilikum im Topf gibt es ein breites Angebot. Allein in der Rubrik Gemüse sind 47 Produkte aufgelistet, im Bereich Tiefkühlkost sind sogar 420 Artikel. Das Sortiment werde kontinuierlich ausgebaut, teilt Kaufland mit. „Kunden legen großen Wert auf ein vollwertiges Angebot an Frischeprodukten, um ihren Wocheneinkauf ersetzen zu können“, lautet eine Erkenntnis der Handelsmanager aus der Befragung von Kaufland-Kunden in Ballungszentren. Mehr als die Hälfte der Befragten habe angegeben, den Einkauf über einen Online-Shop ausprobieren zu wollen.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Pionier ist Kaufland damit keineswegs. In Dutzenden von Städten ist Rewe schon mit einem Lieferdienst tätig. Versuche gibt es auch von Real (neuerdings auch im Rhein-Main-Gebiet) und von einzelnen Edeka-Händlern. Zudem gibt es einige Anbieter, die gar nicht als stationäre Einzelhändler tätig sind, wie etwa Food.de. Gemessen am Gesamtumsatz ist das Online-Geschäft mit Lebensmitteln aktuell noch verschwindend gering. Bei Kaufland blickt man aber über die Grenze: In manchen europäischen Ballungszentren liege der Online-Anteil schon bei 6 Prozent. Vor allem aber kommt Kaufland mit diesem Angebot, das am heutigen Donnerstag startet, dem Internet-Riesen Amazon zuvor, der in Amerika äußerst erfolgreich den Service „Amazon Fresh“ für Frischwaren betreibt und angeblich für Deutschland schon konkrete Pläne hat. In Amerika ist Amazon mit großem Abstand dominierend im Online-Geschäft mit Frische-Produkten.

          Die zehn größten Anbieter steigerten im vergangenen Jahr ihren Umsatz um mehr als ein Fünftel auf gut 4 Milliarden Euro. Allein auf Amazon entfielen knapp 1,9 Milliarden Euro, so viel schaffen die nächsten drei Konkurrenten nicht einmal zusammen. Der Branchenriese Walmart liegt laut einer in der „Lebensmittelzeitung“ veröffentlichten Rangliste weit abgeschlagen auf Platz 7 mit 310 Millionen Euro Umsatz. Das Risiko, in diesem Geschäft abgehängt zu werden, will man bei der in Neckarsulm ansässigen Schwarz-Gruppe, zu der außer Kaufland auch die Lidl-Filialkette gehört, offenbar vermeiden. „Allein dadurch, dass es solche Angebote gibt, ändert sich das Kaufverhalten“, sagte jüngst im Gespräch mit dieser Zeitung Sven Seidel, der im Vorstand der Schwarz-Gruppe für die Lidl-Discounter verantwortlich ist. In Neckarsulm sind 300 Mitarbeiter allein damit befasst, die Möglichkeiten der Digitalisierung auszuloten.

          Kaufland hat für den Lieferservice in Berlin eigens ein Logistik-Zentrum aufgebaut. Während andere Händler für die Kommissionierung der Online-Orders teilweise auf die vorhandenen Supermärkte zugreifen, setzt Kaufland darauf, sich an einem einzigen Standort ganz auf Online-Bestellungen zu konzentrieren. Von diesem Logistik-Standort aus wird das komplette Stadtgebiet von Berlin beliefert und zusätzlich einige kleinere Gebiete in Richtung Potsdam. Auch die Lieferung organisiert Kaufland in eigener Regie. Die Ware wird in wiederverwendbaren Isolierbehältern mit kleinen Kühllastern transportiert. Der Kunde bekommt die Ware in Papiertüten. Für die Lieferung können Wunschtermine von Montag bis Samstag zwischen 7 und 22 Uhr ausgewählt werden, mit einem Zeitfenster von einer Stunde. Wer morgens bestellt, bekommt die Ware noch am gleichen Tag. Wer bis Mitternacht ordert, kann am nächsten Morgen ab 7 Uhr die Lieferung bestellen. Je nach Zeitfenster sind die Versandkosten gestaffelt zwischen 2,75 und 4,75 Euro. Die Waren selbst kosten genau so viel wie in den Filialen, verspricht Kaufland. Wie im stationären Handel sollen Sonderangebote Schnäppchenjäger befriedigen, aktuell gibt es beispielsweise Tiefkühl-Pizza für 1,59 Euro oder Nudeln für 65 Cent das Pfund.

          Über die Expansionsstrategie für das Online-Geschäft hält man sich bei der Schwarz-Gruppe noch bedeckt. Schon jetzt ist allerdings klar, dass Berlin nicht als reines Experiment gedacht ist. Als nächstes sei der Großraum Hamburg dran, heißt es bei Kaufland. Kaufland betreibt in Deutschland 650 Supermärkte, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 13,5 Milliarden Euro erzielten. Schwarz-Chef Klaus Gehrig hatte im Gespräch mit dieser Zeitung eine Profilschärfung für Kaufland angekündigt. Bis zum Jahr 2018 sollen 1,5 Milliarden Euro investiert werden, auch in die Neugestaltung der Geschäfte.

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