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Gescheiterte Expansionspläne : Rolle rückwärts für Kaufland in Australien

Die Vorsitzende der Geschäftsleitung von Kaufland in Australien, Julia Kern (Mitte), nach der Übergabe der Baugenehmigung durch Victorias Wirtschaftsminister Tim Pallas Bild: obs

Die Schwarz-Gruppe hat rund 200 Millionen Euro investiert und verabschiedet sich über Nacht aus Australien. Die Art des Abzugs der Supermarktkette Kaufland heizt Spekulationen über Probleme mit Lidl und im europäischen Markt an.

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          Völlig überraschend verabschiedet sich die Supermarkt-Kette Kaufland aus Australien. Noch vergangene Woche hatten die Deutschen dort neue Mitarbeiter eingestellt. Die bislang rund 200 Kaufland-Angestellten in Australien erhielten die Nachricht am Mittwoch und zeigten sich schockiert.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Zur selben Zeit sollen Lieferanten noch am Hauptsitz von Kaufland in Melbourne über Verträge verhandelt haben. Die Aktien der beiden australischen Wettbewerber Woolworth und Coles stiegen in den Minuten nach der Nachricht an der Börse in Sydney um mehr als 3 Prozent – ein Zeichen dafür, welche Wirkung dem Markteintritt der Deutschen zugetraut wurde.

          Weit über hundert Millionen Euro wurden investiert

          Unter dem Strich schon 300 Millionen Australische Dollar (185,4 Millionen Euro) soll die Schwarz-Gruppe schon für Kaufland in Australien investiert haben. Erst vergangene Woche sei eine weitere Finanzspritze von 100 Millionen Dollar aus der Zentrale gekommen, heißt es in australischen Medien. Der geplante Markteintritt des Schwesterunternehmens Lidl ist nun völlig offen. Die in der Aufbauphase aufgelaufenen Kaufland-Verluste lagen bei rund 30 Millionen Dollar. Den hastigen Abzug begründete Kaufland mit einer „stärkeren Konzentration auf Europa“.

          Vor zwei Jahren hatte Kaufland seine erste Geschäftsfläche in Australien erworben, vor einem halben Jahr mit dem Bau ihres ersten Logistikzentrums mit mehr als 110.000 Quadratmetern für fast 500 Millionen Australische Dollar begonnen. Noch im September vergangenen Jahres hieß es, die Schwarz-Gruppe besäße schon Grundstücke in den Bundesstaaten Victoria, New South Wales, West- und Südaustralien.

          Der Rückzug könnte auf Probleme in Europa hindeuten

          Geplant seien bislang mehr als 20 Standorte und der Markteintritt für das nächste Jahr, nachdem der Eintritt zunächst für 2019 angedacht worden war. Kaufland stand in Australien rund eine halbe Milliarde Dollar zur Verfügung, um seinen Markteintritt gegen die Platzhirsche Woolworth, Coles und die sehr erfolgreiche Aldi-Gruppe vorzubereiten.

          Nun ziehen die Deutschen den Stecker. Analysten erklärten den Rückzug damit, dass die Schwestermarke Lidl Probleme in Amerika habe, das Management in der Schwarz-Gruppe sich verändert habe und der Markt in Australien sehr umkämpft sei – was allerdings nicht neu ist. Die Chefin von Kaufland in Australien, Julia Kern, wollte deshalb damit Käufer gewinnen, dass sie ihnen an einem Standort mehr als nur Lebensmittel zu wettbewerbsfähigen Preisen anbietet.

          Die Kaufland-Läden sollten rund 5000 Quadratmeter Fläche messen. Noch 2017 hatte Kaufland davon gesprochen, ein „ambitioniertes Investitions- und Entwicklungsprogramm“ in Australien fahren zu wollen. Der Rückzug über Nacht verweist für manche aus der Branche auf größere Probleme von Kaufland und der Schwarz-Gruppe in Amerika und Europa, als bislang bekannt.

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