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Handyspiele : Ein neues Abenteuer für Nintendos Wunderwaffe

Lauf, Mario, lauf: Der clevere Klempner flitzt bei einer Präsentation hinter seinem Erfinder Shigeru Miyamoto entlang. Bild: dpa

Die Japaner bringen bald ein Handyspiel mit dem hüpfenden Klempner Mario heraus. Die beliebte Spielfigur hat bislang nie enttäuscht – doch reicht das auch diesmal?

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          Der japanische Spielekonzern Nintendo hat immer einen Fachmann parat, wenn ihm das Wasser bis zum Halse steht: den Klempner Mario. Die Hauptfigur der gleichnamigen Spielereihe, die seit nunmehr 30 Jahren in jeder Generation der Nintendo-Konsolen zum Inventar gehört, ist ein zuverlässiger Erfolgsbringer für das Unternehmen. Deshalb ist es nur logisch, dass Mario auch Nintendos Weg in die mobile Spielewelt ebnen soll.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Lange hat der japanische Spielekonzern, der immer nur auf seine Konsolen gesetzt hat, gezögert, erst im Jahr 2015 entschied sich Nintendo zum Strategiewechsel, auch Videospiele für Handys zu entwickeln. Am 15. Dezember kommt nun ein bewährtes Mario-Spiel, das an die allerersten Sprünge der Spielfigur erinnert, auf die Apple-Plattform iOS und damit auf Millionen iPhones und iPads: Super Mario Run.

          Aktienkurs legt zu

          Lange war das Startdatum erwartet worden, jede kleine Ankündigung gab dem Aktienkurs Auftrieb. Als Shigero Miyamoto, der Erfinder von Mario, bei der Präsentation des neuen iPhone 7 die Bühne betrat, um das Handyspiel anzukündigen, legte der Aktienkurs um 13 Prozent zu. Sein Auftritt überstrahlte die eher müde Veranstaltung des kalifornischen Technologiekonzerns. Der Wert von Nintendo stieg binnen Stunden um 6 Milliarden Euro. Jetzt, mit der endgültigen Bestätigung, legte der Aktienkurs abermals zu, um zuletzt 1,25 Prozent.

          NINTENDO CO. LTD

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          Seit dem Strategiewechsel hat sich der Aktienkurs beinahe verdoppelt, das so lange gebeutelte Unternehmen steht wieder besser da. Allerdings heißt das nicht, dass alle Sorgen ausgeräumt wären. Auch der überwältigende Erfolg des Handyspiels Pokémon Go hat Nintendo weniger genutzt, als anfangs vermutet. An der Entwicklung des amerikanischen Studios Niantic partizipiert Nintendo vor allem durch Lizenzeinnahmen. Trotzdem hatte der Erfolg des Spiels den Aktienkurs zeitweise verdoppelt.

          „Virtuelle Realitäten“ locken Nutzer an

          Für Pokémon gilt das gleiche Prinzip wie für Mario: Viele inzwischen erwachsene Spielefans kennen die Figuren aus ihrer Kindheit und Jugend. Und gerade mit Smartphone-Spielen sprechen Unternehmen heute nicht die Hardcore-Zocker an, die nächtelang von Level zu Level jagen, sondern die Gelegenheitsspieler, die mal auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn das Handyspiel auspacken, um sich die Zeit zu vertreiben. Der Markt dafür ist riesig, wenngleich viele der Spiele nur eine kurze Zeit im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Trotzdem schaffen es einige dieser Spiele, eine treue Fanbasis aufzubauen. Auch Pokémon Go, dessen Hype ganz offensichtlich mit sinkenden Temperaturen einfriert, hat immer noch Millionen regelmäßige Nutzer – die auch regelmäßig Geld dafür ausgeben.

          Davon profitiert Nintendo allerdings kaum – noch ein Grund, mit dem Mario-Spiel eine eigene starke Marke in den App-Stores zu plazieren. Denn das ist nötig: Für das zweite Quartal verzeichnete der Spielekonzern einen operativen Verlust von 812 Millionen Yen, umgerechnet 69 Millionen Euro. Seine Gewinnprognose hat das Unternehmen um ein Drittel reduziert, auf 30 Milliarden Yen. Denn die Sorgen mit den Spielekonsolen bleiben: Die Verkäufe der inzwischen vier Jahre alten „Wii U“ brechen weg, und die Konkurrenz von Microsoft und Sony hat neue Geräte auf den Markt gebracht, die vor allem im wachsenden Segment der „Virtuellen Realität“ die junge Spielergeneration anlocken.

          Nintendo-Fans sind Nostalgiker

          Nintendo hingegen setzt stark auf die Bekanntheit und den Wiedererkennungswert seiner Figuren. Die sogenannte Jump’n’Run-Reihe um Mario begründete nicht nur die Beliebtheit des Gameboys in den achtziger Jahren mit, sondern lockte auch die Spielefans einige Jahre später in die dreidimensionale Welt des Nintendo 64. Der schnauzbärtige Italiener mit der blauen Latzhose und der roten Mütze hat schon auf der Nintendo Wii, deren Einführung auch schon zehn Jahre her ist, seinen Retroeffekt ausgespielt. Frühere Fans konnten dort auf einer neuen Konsole das alte Gefühl des zweidimensionalen Super-Mario-Brothers-Spiels wieder erleben, Mario und sein Bruder Luigi hüpften, rannten und tauchten durch animierte Welten.

          Auch die neue Konsole Switch, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll, folgt diesem Schema. Im Werbevideo tauchen vor allem bekannte Figuren auf – und als Spieler keine Kinder oder Jugendlichen, sondern nur Erwachsene. Nintendo setzt also auf eine kaufkräftige Gruppe von Gelegenheitsspielern. Dafür spricht auch, dass die Switch-Konsole ein tragbares Gerät ist.

          Teures Vergnügen

          Nachdem Nintendo früher mit dem Gameboy ein Pionier des Unterwegs-Daddelns war, hatte sich das Unternehmen lange dagegen gesträubt. Und das in Zeiten immer größerer Handydisplays, leistungsfähigerer Grafiken und einer insgesamt immer stärker auf Mobiles ausgerichteten Techniknutzung. Freilich steht Nintendo gerade mitten im Umbruch, in den Zahlen schlägt der Strategiewechsel noch nicht durch.

          Mario könnte das nun richten: Denn die Basisversion des Spiels ist kostenlos. Doch wer sich von dem Klempner locken lässt, zahlt für die volle Version 10 Euro – was für ein Handyspiel ein stolzer Preis ist. Die Zahlungsbereitschaft für mobile Anwendungen ist noch recht gering, Nintendo geht da ein Risiko ein. Aber wenn es einer schaffen kann, dann ist es vermutlich Mario.

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