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Handelsvereinbarung : Amerika drückt Südkorea Stahlquote auf

Hyuandai-Autos auf einem Parkplatz in der Stadt Ulsan, ungefähr 400 Kilometer südöstlich von Seoul. Bild: EPA

Südkorea zahlt mit einer weiteren Öffnung des heimischen Automarktes dafür, dass Amerika ihm Schutzzölle auf Stahl zum Teil erlässt. Amerikas Autobauer dürften davon kaum profitieren – ein Pyrrhus-Sieg für Trump.

          Südkorea hat sich als erster Verbündeter mit den Vereinigten Staaten auf eine dauerhafte Ausnahme von den Stahl- und Aluminiumzöllen geeinigt. Amerika erlaubt Südkorea die Einfuhr einer begrenzten Menge Stahl ohne die von Präsident Donald Trump verhängten Zusatzzölle. Im Gegenzug öffnet Südkorea seinen Markt für amerikanische Autos weiter und akzeptiert, dass die Vereinigten Staaten Handelsschranken für Pick-Up-Lastwagen 20 Jahre länger behalten als bisher vereinbart.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          In der vergangenen Woche waren amerikanische Schutzzölle von 25 Prozent auf die Stahleinfuhr und von 10 Prozent auf die Einfuhr von Aluminium in Kraft getreten. Trump hatte Kanada und Mexiko, der Europäischen Union und Australien sowie Südkorea eine zeitweise Ausnahme von den Schutzzöllen zugestanden.

          Offensichtlich will er die Androhung von Zöllen nutzen, um in anderen Handelsfragen mehr für die Vereinigten Staaten herauszuholen. Im Fall Südkorea waren das Zugeständnisse bei den Nachverhandlungen des bilateralen Freihandelsvertrags Korus, der seit 2012 in Kraft ist. Dass Amerika aber dennoch eine Importquote für südkoreanischen Stahl auferlegt zeigt, dass er es mit dem Schutz der heimischen Stahlkocher ernst meint.

          Ein Pyrrhus-Sieg für Trump

          Nach Kanada, der Europäischen Union und Brasilien ist das Land der viertgrößte Stahllieferant des Landes. 2017 exportierte Südkorea 3,4 Millionen Tonnen Stahlprodukte nach Amerika. Amerika erlaubt Südkorea künftig die Einfuhr von jährlich 2,68 Millionen Tonnen Stahl ohne den Schutzzoll. Das entspricht 70 Prozent des durchschnittlichen Stahlexports Südkoreas in den vergangenen drei Jahren. Südkorea muss nun entscheiden, wie es diese Quote, die nur mit den regulären amerikanischen Einfuhrzöllen belegt ist, auf seine Stahlhersteller aufteilt. Die Aktien südkoreanischen Stahlhersteller wurden am Montag an der Börse in Seoul höher gehandelt.

          Im Gegenzug öffnet Südkorea seinen Automarkt für amerikanische Autos weiter. Jeder amerikanische Autobauer darf künftig 50.000 Autos im Jahr nach Südkorea exportieren, die nur den amerikanischen und nicht den koreanischen Sicherheitsvorschriften genügen. Das ist doppelt soviel wie zuvor. Das ist ein Pyrrhus-Sieg. Denn schon jetzt schafft es keiner der amerikanischen Autobauer, die 25.000-Auto-Grenze zu erreichen. Ford Motor und General Motors exportieren im Jahr weniger als 10.000 Autos nach Südkorea.

          Das ist ein Beleg dafür, dass es weniger die Handelshemmnisse sind, die amerikanischen Autobauer in Südkorea bremsen, sondern wohl eher ein Angebot, dass den Geschmack der Koreaner nur bedingt trifft. Autos der europäischen Autobauer und dabei vor allem der deutschen Hersteller sind in Korea mehr gefragt.

          Ein weiteres Element der Vereinbarung ist, dass die Vereinigten Staaten den Einfuhrzoll von 25 Prozent auf Pick-Up-Lastwagen aus Südkorea, der eigentlich bis 2021 fallen sollten, nun erst 2041 abschaffen. Trump will damit das lukrative Marktsegment, in dem die amerikanischen Hersteller führen, vor dem Wettbewerb schützen. Doch trifft das die großen südkoreanischen Autobauer Hyundai Motor und Kia Motors nicht direkt. Sie bieten zumindest derzeit global gar keine Pick-Up-Lastwagen an. Eine Sprecherin sagte, man studiere den Markt wie andere auch, aber es sei keine Entscheidung getroffen.

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