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Automarkt : Südkorea droht Porsche und BMW mit Verkaufsverbot

Auch BMW hat das Umweltministerium in Seoul unter Verdacht. Bild: AFP

Im Gefolge des Dieselskandals von Volkswagen hat Südkorea die Autoimporteure ins Visier genommen. BMW, Porsche und Nissans droht nun ein Verkaufsverbot für einige Modelle.

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          Den Autobauern BMW, Porsche und Nissan drohen in Südkorea Verkaufsverbote für einige Fahrzeugmodelle. Das Umweltministerium hat nach monatelanger Prüfung Fehler und Auffälligkeiten in den Zulassungsunterlagen von insgesamt zehn Modellen entdeckt – ein BMW, zwei Nissan und sieben Porsche. Eine endgültige Entscheidung über das Verkaufsverbot wird im Dezember fallen, nach einer Anhörung der betroffenen Unternehmen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Nissan und BMW stehen nach Angaben des Ministeriums eventuell vor strafrechtlichen Konsequenzen. Porsche hatte im Laufe der Untersuchung Fehler in den Zulassungsunterlagen selbst entdeckt und freiwillig dem Ministerium gemeldet. Das Ministerium hält sich bislang mit einer Wertung zurück, ob die Unterlagen bewusst manipuliert wurden. Bei den vermuteten Unregelmäßigkeiten geht es unter anderem darum, dass Testresultate von einem Auto auf ein anderes übertragen wurden. Anschuldigungen, dass die drei Autobauer damit Verbrauchs- oder Abgaswerte geschönt hätten, gibt es bislang nicht.

          Folge des Abgas-Skandals

          Die angedrohten Verkaufsverbote sind indirekt Folge des Diesel-Skandals von Volkswagen, das Abgastests manipulierte. Der Skandal, der im September 2015 bekannt wurde, führte auch in Korea zu Rückrufen. Im Sommer dieses Jahres weitete für VW der Skandal sich in Südkorea aus, als das Umweltministerium Volkswagen und Audi für den Großteil ihrer Modelle in Korea die Zulassung entzog und eine Strafe von 17,8 Milliarden Won (14 Millionen Euro) verhängte. VW hatte kurz zuvor den Verkauf der betroffenen Modelle freiwillig gestoppt. Der Vorwurf der Regierung lautet auf Manipulation von Abgas- und Lärmtests für die Zulassungen. Danach begannen die südkoreanischen, die Zulassungen der Fahrzeuge von mehr als einem Dutzend anderer Importeure sehr genau unter die Lupe zu nehmen und haben nun Fehler und Ungereimtheiten gefunden.

          Das harte Durchgreifen der koreanischen Behörden gegenüber den Importeuren kommt zu einer Zeit, in der die marktdominanten heimischen Hersteller Hyundai Motor und Kia Motors im Heimatland Marktanteile verlieren. Seit das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Korea 2011 Einfuhrzölle senkte, kaufen Koreaner vermehrt europäische Fahrzeuge. Der Verkauf der Importfahrzeuge hat sich bis 2015 auf 240.000 mehr als verdoppelt. Der Markanteil der Importeure stieg von 6 Prozent im Jahr 2010 auf 15 Prozent im vergangenen Jahr.

          BMW, Porsche, Nissan...

          Im aktuellen Fall droht Nissan eine Strafzahlung von 3,2 Milliarden Won (2,5 Millionen Euro), BMW von 430 Millionen Won (350.000 Euro) und Porsche von 2,86 Milliarden Won (2,3 Millionen Euro). Porsche erklärte auf Anfrage, dass die betroffenen Modelle seit Montag in Korea nicht mehr verkauft würden. Vier der sieben gerügten Porsche-Modelle waren ohnedies schon eingestellt. BMW Korea soll nach Unterlagen des Modells X6M für die Zertifizierung des Modells X5M verwendet haben. Das Unternehmen sieht darin keinen Verstoß gegen die koreanischen Vorschriften und will dem Ministerium die notwendigen Erklärungen geben.

          Nissan habe den Verkauf des gerügten Infiniti Q50 schon im Oktober freiwillig gestoppt, erklärte ein Sprecher. Man kooperiere zur Gänze mit den Behörden. Das Ministerium wirft Nissan unter anderem vor, ein Prüfzertifikat aus Japan vorgelegt zu haben, obwohl das Auto nie in Japan geprüft worden sei. Das andere Nisan-Modell, der Qashqai, wird in Korea schon seit Mai nicht mehr verkauft. Das Umweltministerium hatte Nissan damals vorgeworfen, Abgastests beim Qashqai manipuliert zu haben und eine Strafe von 330 Millionen Won verhängt. Nissan bestreitet das. Der Fall ist rechtlich noch nicht geklärt.

          Dramatischer Rückgang für VW

          Für Volkswagen und Audi, 2015 noch Spitzenreiter der Autoimporteure in Korea, hat die Lage sich nur wenig entspannt. Südkorea hatte dem Unternehmen schon im vergangenen Jahr auferlegt, mehr als 125.000 Fahrzeuge der Marken Volkswagen und Audi in Korea zurückzurufen und eine Strafe von 14,1 Milliarden Won (10 Millionen Euro) verhängt. Das Unternehmen warte darauf, dass die Software-Nachrüstung für das erste Modell genehmigt werde, erklärte eine Sprecherin in Seoul. Für die 80 Modelle, denen die Behörden im Sommer die Zulassung entzogen, sind Neuzulassungen noch nicht in Sicht. Die Koreaner prüfen nun besonders genau. Erste Modelle des Jahrgangs 2017 würden vom Januar an verkauft, erklärte die Sprecherin.

          Der Verkaufsstopp macht sich in der Statistik deutlich bemerkbar. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres verkaufte Volkswagen in Südkorea nur noch 29.200 VW und Audi, 46 Prozent weniger als vor einem Jahr. Seit August ist der Verkauf auf ein Zehntel eingebrochen.

          Weil die Strafverfahren noch laufen, äußert Volkswagen sich nicht im Detail zu den Vorwürfen der manipulierten Lärm- und Emissionstests. Besonders abschreckend auf andere ausländische Investoren wirkt, dass der im Juni wegen der angeblichen Fälschungen festgenommene Direktor von Volkswagen immer noch in Untersuchungshaft sitzt.

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