https://www.faz.net/-gqe-vzi5

Süddeutscher Verlag : Die neuen Herren

  • -Aktualisiert am

Das Redaktionsgebäude der Süddeutschen Zeitung in München Bild: picture-alliance/dpa

Nach langem Streit ist der Süddeutsche Verlag verkauft. Die für ihre Sparsamkeit berüchtigte Südwestdeutsche Medien Holding schwingt sich auf zur neuen Macht im Zeitungsgewerbe. Nur der Axel-Springer-Verlag bedient Tag für Tag mehr Leser in Deutschland.

          3 Min.

          Der Kampf war hart und zäh, am Ende aber von Erfolg gekrönt: Pünktlich zu Weihnachten hat die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH) am Freitagabend den Zuschlag für den Süddeutschen Verlag erhalten. Damit schwingt sich der für seine Sparsamkeit berüchtigte Vier-Buchstaben-Konzern auf zu einer führenden Macht im Zeitungsgewerbe. Nur der ungleich bekanntere Axel-Springer-Verlag bedient Tag für Tag mehr Leser in Deutschland.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          62 Prozent der Anteile an dem Münchner Zeitungshaus kaufen die Schwaben zu, damit kommen sie auf 81 Prozent an der „Süddeutschen“, die neben dem Stammblatt Regionalzeitungen in Franken und Südthüringen herausbringt. Von München über die Schwäbische Alb nach Stuttgart bis in den Schwarzwald – überall wird künftig SWMH-Kost serviert, wenngleich unter variierender Marke und von unterschiedlicher Qualität.

          Geprotzt wird nicht

          Historisch entstanden ist die Holding mit den vier Buchstaben aus dem Zusammenschluss von Zeitungsverlagen im Südwesten. Hauptgesellschafter sind die Medienunion Ludwigshafen sowie die Gruppe Württembergischer Verleger. Hinter Letzterer verbirgt sich als wichtigster Akteur der Verleger Eberhard Ebner, der die „Südwest Presse“ in Ulm samt diversen Ablegern herausgibt. Hinter der Medienunion wiederum steht die Familie Schaub, der unter anderem „Die Rheinpfalz“ gehört. Als bestimmende Figur in dem schwer durchschaubaren Gebilde gilt Dieter Schaub, ein 70 Jahre alter Jurist, angeblich Milliardär, der weder aussagekräftige Bilanzen vorlegt noch das öffentliche Leben sucht.

          Gesteuert wird die Gesellschaft aus einem unscheinbaren Büro in Stuttgart-Möhringen. „Repräsentationsanspruch wird klein-, Kostenbewusstsein großgeschrieben“, hat einmal ein Geschäftsführer gesagt. Da mag aus der Redaktion niemand widersprechen. Geprotzt wird nicht, so viel ist klar. Anders hätten sich die Schwaben keinen solchen Konzern zusammengespart: Regionalzeitungen, Anzeigenblätter, Druckereien, Radiobeteiligungen, Online-Portale sowie Postdienstleister finden sich in dem Vier-Buchstaben-Imperium. Nur am glanzvollen überregionalen Auftritt mangelte es bisher. Das soll sich nun ändern mit der „Süddeutschen Zeitung“.

          Alle buhlten um die Gunst der Münchner Eigentümer

          Die Verhandlungen dazu boten dem Publikum ein erquickliches Schauspiel. Die zerstrittenen SZ-Eigentümer trugen ihre Fehden auf dem offenen Markt und im Gerichtssaal aus. Auch die Interessenten, darunter Zeitungsmanager von gewaltigem Ruf, bewarben sich öffentlich. Reihum erklärten sie in Interviews, warum sie und nur sie als Käufer in Frage kämen. Die WAZ-Gruppe („Westdeutsche Allgemeine“) wie DuMont Schauberg („Frankfurter Rundschau“, „Kölner Stadtanzeiger“) buhlten um die Gunst der Münchner Eigentümer.

          Finanzinvestoren zogen in der Sendlinger Straße ihre Runden. Das Haus Holtzbrinck war gleich doppelt vertreten: Mit Stefan Holtzbrinck, dem aktuellen Chef des Familienunternehmens („Die Zeit“, „Handelsblatt“), sowie mit dem dort nur halbfriedlich ausgeschiedenen Halbbruder Dieter Holtzbrinck. „Mit normalen Abläufen hatte das nichts zu tun“, beschwerte sich Bodo Hombach, der sich für die WAZ in das Getümmel gestürzt hatte. Zum Glück für die Beteiligten agiere „er auf der Basis von strafbewehrten Schweigeverpflichtungen“, stöhnte Hombach. Die SZ-Geschäftsführer behaupteten zwar, dass die Schlacht unter den Eigentümern das operative Geschäft nicht belaste. Gebremst hat sie es aber schon. So wurde das Projekt einer eigenen Sonntagszeitung, für die das Konzept fertig auf dem Tisch lag, vertagt.

          Mutige Kaufleute aus Schwaben

          Das Gefecht gestaltete sich deshalb so hitzig, weil eben nicht ein Eigner über den Verkauf zu bestimmen hatte, sondern fünf Familien. Eine davon, die Friedmanns, die auch das Nachbarblatt „Abendzeitung“ herausgibt, weigerte sich partout zu verkaufen. Den Deal verhindert haben sie am Ende nicht, jetzt stehen sie mit ihren 18,75 Prozent alleine da gegen die neuen Herren aus Stuttgart.

          Wiewohl lange unterschätzt, haben die Schwaben sich in dem Spiel als mutige Kaufleute bewiesen. Anfang des Jahrzehnts, als die Zeitungsbranche ihre tiefste Krise, wenn nicht seit Menschengedenken, so doch seit der Nachkriegszeit, bejammerte, setzten die Stuttgarter auf Risiko: Sie retteten den angeschlagenen Münchner Verlag und sicherten sich ein Vorkaufsrecht.

          Das Wagnis hat sich fürs Erste ausgezahlt. Der Süddeutsche Verlag arbeitet wieder profitabel; im vorigen Jahr wurde ein Gewinn von 35 Millionen Euro erwirtschaftet (bei einem Umsatz von 709 Millionen Euro). Und das Ziel der Herrschaft hat der Vier-Buchstaben-Konzern erreicht, wenn es auch etwas teurer wurde als geplant. 470 Millionen Euro hatten Schaub und Partner vor Monaten für die SZ-Anteile geboten, jetzt haben sie wohl etwas mehr als 600 Millionen Euro bezahlt.

          Weitere Themen

          Das Ringen um die Strategie der EZB beginnt

          Inflationsziel : Das Ringen um die Strategie der EZB beginnt

          Einen Tag nach der ersten Sitzung des EZB-Rats mit seiner neuen Chefin Christine Lagarde nimmt die Debatte um die Strategie der Notenbank an Fahrt auf: Passt das Ziel der Euro-Notenbank noch in die Zeit?

          Topmeldungen

          Notstand ausgerufen : In Venedig wächst die Wut

          Mehr als 80 Prozent der Stadt stehen zwischenzeitlich unter Wasser, die Bewohner sind entsetzt – und sauer auf die Politik: Diese gibt zwar jetzt Millionen Soforthilfe, habe beim Hochwasserschutz aber komplett versagt und stattdessen rücksichtslos den Tourismus gefördert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.