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Südafrika : Goldschürfer im Tiefenrausch

„Das ist kein Job für Schlaffis”: Goldschürfer in Carletonville Bild: AFP

Südafrikas Minen sind schon jetzt die tiefsten der Welt. Nun teilte der Konzern Anglo-Gold Ashanti mit, er wolle in 3770 Meter Tiefe vordringen. Das wäre Weltrekord. Und ein Balanceakt zwischen Sicherheit und Ertrag.

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          Der Lift rast mit 65 Stundenkilometern den Schacht hinunter. Ein gutes Dutzend Bergarbeiter steht dicht gedrängt in dem eisernen Käfig. Es ist stockfinster. Keiner sagt ein Wort. Alle paar Meter bläst eisige Luft aus den Ventilatoren. Der Aufzug führt in eines der tiefsten Bergwerke der Welt, in die Mponeng-Goldmine im südafrikanischen Carletonville nahe Johannesburg. Dreieinhalb Kilometer unter der Erde schürfen die Männer hier in harter Knochenarbeit das Edelmetall, das später in den Auslagen feiner Juweliergeschäfte liegen wird.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Für den Betreiber der Mine, Anglo-Gold Ashanti, ist die Grenze damit jedoch noch nicht erreicht. Der drittgrößte Goldproduzent der Welt teilte vor kurzem mit, er wolle in dem Bergwerk im September in 3770 Meter Tiefe vordringen. Das wäre Weltrekord. Und etwas später soll auch dieser Rekord gebrochen werden. Anglo-Gold Ashanti plant 9 Milliarden Rand (730 Millionen Euro) zu investieren, um 4300 oder sogar 4600 Meter zu erreichen. Nie zuvor hat ein Mensch so tief unter der Erdoberfläche gearbeitet.

          Die Goldgewinnung tief in der Erde gilt als äußerst kostspielig

          Der immer noch hohe Goldpreis von etwa 950 Dollar je Feinunze versetzt die Bergbaugesellschaften Südafrikas derzeit in einen Tiefenrausch. Vor wenigen Jahren prognostizierten Fachleute, dass die Goldvorkommen 2020 oder 2030 zur Neige gehen werden. Davon will heute niemand mehr etwas wissen. Wenn Südafrika, das vor kurzem seinen Platz als größter Goldproduzent der Welt an China abgetreten hat, sich nicht aus dem internationalen Geschäft verabschieden will, müssen neue Schätze in der Erde ausfindig gemacht werden. Das heißt tiefer und tiefer bohren. Bliebe die Mponeng-Mine, wie sie heute ist, müsste 2017 der Betrieb eingestellt werden. Mit der Ausdehnung in die Tiefe hofft Anglo-Gold Ashanti auf reiche Ausbeute bis 2040 oder länger.

          Eines der tiefsten Bergwerke der Welt: die Mponeng-Goldmine im südafrikanischen Carletonville

          Die Goldgewinnung tief in der Erde gilt als äußerst kostspielig. Viele südafrikanische Minenkonzerne haben daher zurzeit zu kämpfen. Anglo-Gold Ashanti jedoch gibt sich zuversichtlich, dass die Kosten überschaubar bleiben werden. Schon jetzt lägen die Produktionskosten in der Mponeng-Mine niedriger als die durchschnittlichen Produktionskosten im Gesamtkonzern. Die Strategie ist dennoch umstritten. Kritiker warnen davor, dass die Risiken für die Bergarbeiter mit jedem Meter Tiefe zunehmen - und niemals ganz ausgeschaltet werden können. Nach Angaben von Anglo-Gold Ashanti jedoch sei die Sicherheit unter Tage deutlich verbessert worden. Und letztlich gebe es keine Alternative, wenn man sich nicht von einer Schlüsselbranche mit Zigtausenden Arbeitsplätzen verabschieden wolle. „Wir können uns nur in eine Richtung bewegen, und das ist tiefer“, sagt Johan Viljoen, Vizepräsident von Anglo-Gold Ashanti im südlichen Afrika. „Hat sich vor uns schon jemand so tief vorgewagt? Die Antwort ist nein. Haben wir Angst davor? Die Antwort ist wiederum nein.“

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