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Südafrika : Goldschürfer im Tiefenrausch

Während der rasanten Fahrt ins Erdinnere klingen solche Sprüche besonders markig. Südafrikas Minen sind schon jetzt die tiefsten und unfallträchtigsten der Welt. In den vergangenen drei Jahren starben jedes Jahr im Schnitt mehr als 200 Arbeiter. In diesem Jahr liegt die Zahl der Opfer bei 71. Erst vor wenigen Wochen mussten in der South-Deep-Mine des Bergbaukonzerns Gold Fields neun Arbeiter ihr Leben lassen, weil ein Lift defekt war. Im vergangenen Jahr waren mehr als 3000 Arbeiter in der Elandsrand-Mine des Unternehmens Harmony stundenlang eingeschlossen. Auch wenn in diesem Fall niemand getötet wurde, zeigte der Vorfall, welchen Risiken sich die Goldschürfer täglich aussetzen.

„Das ist kein Job für Schlaffis“

Die Arbeiter von Elandsrand blieben in eineinhalb Kilometern Tiefe stecken. Plattform „120-48“, die Endstation des Mponeng-Lifts, liegt etwa doppelt so tief. Beim Ausstieg schlägt einem drückende Hitze entgegen. Den Männern rinnt der Schweiß durch die Staubspuren im Gesicht. In dieser Tiefe wären die Felsen 70 Grad heiß. Dank eines ausgeklügelten Kühlsystems mit Schnee wird die Temperatur auf konstant 28 Grad gesenkt. Unter dem Gewicht von Helm, Leuchte und Batterie fühlt es sich jedoch viel wärmer an. „Das ist kein Job für Schlaffis“, sagt Marius van Zyl, Schichtleiter und Sicherheitsfachmann von Mponeng, und lacht.

Im Hauptstollen gerät leicht in Vergessenheit, dass man gerade die Distanz vom Meeresspiegel bis zum Gipfel der Zugspitze zurückgelegt hat, wenn auch in umgekehrter Richtung. Energiesparlampen hängen dicht hintereinander von der Decke. Kleine Bahnen fahren durch die weiten Gänge, beladen mit Männern und Maschinen. Es gibt Besprechungszimmer, Pausenräume und Erste-Hilfe-Stationen. Der Hauptstollen dient jedoch nur als Transportweg, geschürft wird in den teils Kilometer entfernten Seitenarmen. Diese sind nur noch einen halben Meter hoch. Auf allen vieren kriechen die Arbeiter über glitschiges Gestein, hangeln sich an Eisenketten am Boden vorwärts. In dieses Stollenende dringt kein Licht mehr aus dem Hauptgang vor. Nur die Lichtpunkte der Helmlampen tanzen auf dem dunklen Fels.

Ein Abwägen zwischen Ertrag und Sicherheit

Auf dem Boden kauernd, teils im Liegen machen sich die Männer an die Arbeit: Unter ohrenbetäubendem Lärm bohren sie Löcher in die Felswände. Die dazu verwendeten Maschinen lassen jeden Presslufthammer auf der Straße putzig aussehen. Später werden die Löcher mit Sprengstoff gefüllt. Gesprengt wird nach Schichtende, wenn die Mine verlassen ist. Die Nachtschicht transportiert die losgelösten Felsbrocken ab. Ein Laie würde beim Blick auf die unauffällige dunkle Maserung im Gestein kaum vermuten, dass Menschen dafür ihr Leben riskieren.

Der Alltag der Goldschürfer besteht seit Jahrhunderten aus einem Abwägen zwischen Ertrag und Sicherheit. Noch in den neunziger Jahren hätten Unfälle in Goldminen als unvermeidlich gegolten, sagt Viljoen. „Früher haben wir den Arbeitern gesagt: ,Niemand kommt in die Mponeng-Mine, um zu sterben.' Heute sagen wir: ,Niemand kommt hierher, um sich zu verletzen.'“ Sicherheit habe für Anglo-Gold Ashanti heute oberste Priorität, vor der Mehrung des Unternehmenswertes.

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