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Suchmaschinen : Microsoft und Yahoo gegen Google

Bild: comScore

Eineinhalb Jahre lang haben Microsoft und Yahoo Katz und Maus gespielt. Der lachende Dritte blieb Marktführer Google. Jetzt aber haben sich die beiden doch noch zusammengerauft und eine enge Zusammenarbeit bei der Internet-Suche vereinbart.

          Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft und das Internetunternehmen Yahoo haben nach langen Verhandlungen am Mittwoch eine Allianz angekündigt. Die beiden Unternehmen werden ihr Geschäft mit der Internetsuche zusammenlegen, Yahoo will künftig die neue Microsoft-Suchmaschine Bing auf seinen Seiten nutzen. Die beiden Partner hoffen, dem auf diesem Gebiet dominierenden Anbieter Google besser Konkurrenz machen zu können.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Verbindung von Microsoft und Yahoo fällt nun deutlich weniger umfassend aus, als dies anfangs diskutiert wurde: Im vergangenen Jahr wollte Microsoft Yahoo zunächst ganz übernehmen und bis zu 47,5 Milliarden Dollar zahlen. Der Übernahmeversuch scheiterte aber, und seit einigen Monaten führten die beiden Unternehmen Gespräche über eine eingeschränkte Allianz für die Internetsuche.

          Yahoo nutzt die Suchmaschine „Bing“

          Beobachter hatten erwartet, dass Microsoft einen Milliardenbetrag an Yahoo zahlen würde, um die Suchaktivitäten übernehmen zu können. Nun fließt aber zunächst einmal gar kein Geld zwischen den Parteien, vielmehr haben Microsoft und Yahoo eine Übereinkunft getroffen, die Umsätze im Suchgeschäft künftig zu teilen. Die Finanzmärkte hatten sich offenbar gerade mit Blick auf Yahoo mehr erhofft: Der Aktienkurs von Yahoo verlor am Mittwoch im Handelsverlauf mehr als 7 Prozent an Wert und notierte um 16 Dollar, Microsoft notierte um 23,50 Dollar weitgehend unverändert.

          Im Bündnis gegen den Konkurrenten Google

          Yahoo will nun die neue Suchmaschine Bing von Microsoft nutzen, die der Konzern erst im Mai ins Netz gestellt hat. Das Programm bekam von Nutzern gute Kritiken, und Microsoft konnte seinen Marktanteil leicht ausbauen. Das Unternehmen wird nun auf Yahoo nicht nur die Suche selbst ausführen, sondern auch die Technologie bereitstellen, mit der Anzeigen neben Suchergebnissen plaziert werden. Diese sind ein lukratives Geschäft, Google macht fast seinen gesamten Umsatz damit.

          Wettbewerbsbehörden müssen Partnerschaft noch zustimmen

          Yahoo wird im Gegenzug mit seiner Vertriebsmannschaft die Vermarktung der Anzeigen sowohl auf seiner eigenen Seite als auch bei Bing übernehmen. Yahoo soll der Vereinbarung zufolge zunächst 88 Prozent der Suchumsätze auf seinen Seiten bekommen. Unberührt von der nun beschlossenen Allianz ist dagegen das Geschäft mit grafischen Display-Anzeigen, das beide Unternehmen weiterhin unabhängig voneinander führen werden.

          Für Yahoo kommt die Partnerschaft einem Rückzug aus der Internetsuche gleich. Das Unternehmen wird sich vielmehr auf seine Aktivitäten als Internetportal mit Finanz- und Unterhaltungsinhalten sowie als Anbieter von Diensten wie E-Mail konzentrieren. Daneben soll die Abgabe der Suchaktivitäten an Microsoft nach Angaben von Yahoo dafür sorgen, jährlich 200 Millionen Dollar einzusparen. Die Partnerschaft der beiden Unternehmen muss von den amerikanischen Wettbewerbsbehörden genehmigt werden. Die beiden Unternehmen hoffen nach eigener Aussage, die Allianz bis Anfang nächsten Jahres vollziehen zu können.

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