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Suche nach Käufer : Ein Plan für Karstadt

  • -Aktualisiert am

Im vergangenen Sommer demonstrierten die Karstadt-Mitarbeiter Bild: Reuters

Die Entscheidung über die Zukunft der Kaufhauskette Karstadt steht unmittelbar bevor. Insolvenzverwalter Hubert Görg will Anfang der kommenden Woche den Insolvenzplan beim zuständigen Amtsgericht in Essen vorlegen. Gibt es am Ende doch noch ein Happy End mit Kaufhof?

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          Anfang kommender Woche schlägt Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg das nächste Kapitel in der Causa Karstadt auf. Er wird beim Amtsgericht Essen den Insolvenzplan für das Warenhausunternehmen einreichen, das im Sommer 2009 im Strudel des Mutterkonzerns Arcandor mit in den Konkurs gerissen wurde. Darin beschreibt er die wirtschaftliche Lage des Unternehmens, die bisherigen Maßnahmen und sein Konzept zur Sanierung der angeschlagenen Handelsgruppe. Denn während die Gläubiger im Fall der Dachgesellschaft Arcandor für die Auflösung votiert hatten, gaben sie Anfang November in der Karstadt-Gläubigerversammlung Görg den klaren Auftrag, von einer Zerschlagung abzusehen, einen Insolvenzplan zu erarbeiten und das Unternehmen zu verkaufen.

          Zu den Inhalten des Plans will sich seine Kanzlei noch nicht äußern. Unterdessen hat der Betriebsratschef von Karstadt, Hellmuth Patzelt, verraten, dass er keine großen Überraschungen enthalten werde. Die wichtigsten Eckpunkte hat Görg schon im Dezember genannt: Danach will er 13 Filialen schließen und die Gruppe mit 120 Waren- und Sporthäusern fortführen. Von den Schließungen sind rund 1200 Mitarbeiter betroffen. Die verbleibenden mehr als 20.000 Karstadt-Beschäftigten nehmen abermals heftige Einschnitte bei ihrem Gehalt in Kauf. In dem auf drei Jahre geschlossenen Sanierungstarifvertrag verzichten sie auf insgesamt rund 150 Millionen Euro.

          Neues Einkaufskonzept für Innenstadtlagen notwendig

          Auch die übrigen Gläubigergruppen haben ihre Beiträge geleistet, wie der Sprecher Görgs, Thomas Schulz, bestätigt. So haben zuletzt die Immobilieneigner, darunter als größte Gruppe die Investoren des zum Umfeld von Goldman Sachs gehörenden Highstreet-Konsortiums, den Weg für eine Sanierung durch diverse Zugeständnisse in den Verträgen geebnet. Das ist wichtig, denn die Sanierung der früheren Arcandor-Tochtergesellschaft Hertie war vor allem an der Sturheit der Hauptvermieter gescheitert.

          Voraussichtlich Mitte April werden sich die Gläubiger wiedersehen, um über den Insolvenzplan abzustimmen. Mit Hochdruck geht derweil die Suche nach einem Investor weiter, denn Görg will den von der Investmentbank Merrill Lynch gesteuerten Verkauf bis Ende des zweiten Quartals abschließen. Die Gruppe liege im laufenden Geschäftsjahr über Plan, verlautet derzeit zwar aus Essen. Aber die Fachleute aus dem Görg-Team haben von vornherein klargemacht, dass dringend Geld für die Sanierung und die notwendigen Investitionen benötigt wird. "Eine Fortführung hat nur Sinn, wenn es gelingt, einen Investor zu finden, der das operative Geschäft drehen kann und Geld mitbringt", hieß es in der Gläubigerversammlung im November. Die ehemalige Schwestergesellschaft Quelle liefert das abschreckende Beispiel. Dort gingen die Lichter aus, weil die Finanzquellen schnell ausgetrocknet waren und kein Investor mit frischem Geld zur Stelle war.

          Von den 15 Interessenten, mit denen zunächst gesprochen wurde, prüfen nach Angaben von Schultz derzeit noch sechs mögliche, nicht näher genannte Investoren das Zahlenwerk. Der Traditionsname Karstadt und die damit verbundene hohe Markenbekanntheit ruft auch die Beteiligungsbranche (Private Equity) auf den Plan. Mehrere Finanzinvestoren beschäftigten sich mit Überlegungen, Karstadt zu erwerben, heißt es in der Finanzwelt. Weit seien diese Pläne aber in den meisten Fällen nicht gediehen, verlautet aus mehreren großen Private-Equity-Adressen. Um Karstadt sinnvoll neu ausrichten zu können, wäre ein neues Einkaufskonzept für Innenstadtlagen notwendig, in das auch die jeweilige Kommune mit ihrer Stadtplanung eingebunden werden müsste, sagt ein Mitarbeiter eines international agierenden Beteiligungsfonds. So etwas lasse sich auf die Schnelle aber nicht umsetzen.

          Wer Karstadt erwerbe, kaufe im Grunde kein Unternehmen, sondern eine Ansammlung von Miet- und Lieferantenverträgen für Innenstadtlagen, sagt ein Partner eines großen europäischen Private-Equity-Hauses. Da Karstadt, anders als der Konkurrent Kaufhof, die Gebäude nicht mehr selbst besitze und zudem unter der Führung von Thomas Middelhoff seinerzeit fast den gesamten Einkauf an Fremdfirmen ausgelagert habe, "wäre das ein Start mit eng angelegten Handschellen", erläutert er. Selbst wenn der Warenhauskonzern nun vergleichsweise günstig zu haben sei, komme auf jeden Investor noch ein erheblicher Restrukturierungsbedarf mit vielen Unsicherheiten zu. Deshalb werden in der Private-Equity-Branche eher spezielle Sanierungsfonds als mögliche Käufer für Karstadt gesehen. Deren Ziel sei es dann aber nicht unbedingt, das Unternehmen als Ganzes zu erhalten. "Für einen solchen Investor könnte es lohnender sein, Karstadt zu filetieren und nur die besten Häuser einzeln weiterzuverkaufen", sagt ein Branchenkenner. Als Interessenten genannt werden unter anderem die beiden auf Restrukturierungsfälle spezialisierten amerikanischen Gesellschaften Apollo und Sun Capital. Letztere hält seit knapp zwei Jahren auch die Anteilsmehrheit an der einstigen Arcandor-Tochtergesellschaft Neckermann.de.

          Mit der Ankündigung, das Unternehmen nur als Ganzes verkaufen zu wollen, hat Görg die Anforderungen sehr hoch geschraubt. Wettbewerber Metro, der im vergangenen Sommer sein Interesse an rund der Hälfte des Netzes bekundet hatte, um die Häuser mit Kaufhof zusammenzulegen, ist gar nicht erst zur Buchprüfung angetreten. Gleichwohl könnte es am Ende doch noch ein glückliches Ende für die Deutsche Warenhaus AG geben: Ein Finanzinvestor könnte Karstadt erwerben und parallel zu den Verhandlungen mit Görg auch mit dem Metro-Management ausloten, wie denn die beiden Warenhaussysteme zusammengeführt werden könnten.

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