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„Stuttgart 25“ : Die Bahn hat noch mehr Verspätung

So sieht es zur Zeit auf dem Gelände des geplanten Tiefbahnhofs in Stuttgart aus. Bild: dpa

Das Bahnhofsprojekt in Stuttgart soll jetzt 8,2 Milliarden Euro kosten – und erst Ende 2025 fertig werden. Dafür nennt die Bahn auch Gründe.

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          Das Bahnprojekt Stuttgart 21 wird teurer und später fertig als geplant. Diese Nachricht klingt vertraut. Tatsächlich hatte die Deutsche Bahn schon Ende November durchsickern lassen, sie rechne auf der Basis eines neuen Gutachtens der Unternehmen PWC sowie Emch + Berger mit Mehrkosten von rund 1,1 Milliarden Euro und somit nun mit einem „Gesamtwertumfang“ von 7,6 Milliarden Euro. Zudem erwartete der Bahnvorstand, dass sich die Fertigstellung des Bahnhofs und der Neubaustrecke bis Ende 2024 verzögern werde. Ursprünglich hatte er mit Ende 2021 und zuletzt mit Ende 2023 gerechnet.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Nun gibt es noch einmal neue Zahlen: Unmittelbar vor der Sitzung des Bahn-Aufsichtsrats an diesem Freitag hat der Vorstand seine Erwartungen noch einmal überarbeitet. Offenbar erscheint den Verantwortlichen um Bahnchef Richard Lutz und Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla das Jahr 2024 noch zu ambitioniert. Nur wenige Monate Spielraum hätte es in diesem Zeitplan gegeben. In den Unterlagen für den Aufsichtsrat wird jetzt „Ende 2025“ als Eröffnungstermin anvisiert. Dieses Datum soll Pofalla im Gespräch mit dem Aufsichtsrat zu Wochenbeginn vorgeschlagen haben, „um ein realistisches Bild der Lage zu zeichnen“.

          Über die Verteilung der Mehrkosten wird noch gestritten

          Für den weiteren Verzug um ein Jahr werden 100 Millionen Euro an Zusatzkosten kalkuliert. Wie aus Aufsichtsratskreisen zu hören ist, will das Gremium dem Vorstand abermals einen Finanzierungs-Puffer zubilligen. Er soll bei 500 Millionen Euro liegen. Ursprünglich war an 300 Millionen Euro gedacht; nun sollen aber sicherheitshalber auch Risiken eingerechnet werden, deren „Eintrittswahrscheinlichkeit bei weniger als 50 Prozent liegt“, wie es im Bahn-Deutsch heißt. Der Finanzierungsrahmen für das umstrittene Infrastrukturvorhaben steigt damit vorerst auf 8,2 Milliarden Euro. Diese Zahl will der Aufsichtsrat in seiner Sondersitzung an diesem Freitag beschließen.

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          Als Grund für Verteuerung und Verzögerung des unterirdischen Durchgangsbahnhofs und der Neubaustrecke werden die höheren Baupreise, im besonderen die deutlich höheren Kosten für das Bauen im wasserempfindlichen Anhydrit-Gestein, die Verzögerungen in Planungsverfahren und Ausgaben für den Artenschutz genannt, etwa für die Umsiedlung von Eidechsen. Über die Verteilung der Mehrkosten auf die Bahn sowie auf die übrigen Projektträger Land, Stadt, Region und Flughafen wird noch gestritten.

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