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Aktie verliert zweistellig : Studienstopp und Rechtsstreit: Schwarze Woche für Sanofi

Der Sanofi-Hauptsitz in Paris. Bild: Reuters

Probleme mit zweien seiner Medikamente bringen Sanofi in Schwierigkeiten an der Börse und vor den Gerichten.

          2 Min.

          Sanofi blickt zurück auf turbulente Börsentage. Bis zu 15 Prozent verlor die Aktie des französischen Pharmariesen in dieser Woche an Wert, auch wenn sich der Kurs am Freitag wieder leicht erholte. Der Börsenwert fiel von mehr als 120 auf weniger als 110 Milliarden Euro. Für die Unruhe gibt es zwei Gründe. Zunächst gab Sanofi am Dienstag einen Teilstopp aller klinischen Studien für Tolebrutinib bekannt. Das Medikament gegen die Autoimmunerkrankungen Multiple Sklerose und Myasthenia gravis soll nun nur noch an Studienteilnehmer in laufender Behandlung verabreicht werden. Die Rekrutierung neuer Teilnehmer pausiert dagegen mindestens bis Oktober. Die Nachricht sei nicht hilfreich und erhöhe die Unsicherheit rund um die Zulassung von Tolebrutinib, kommentierte JP-Morgan-Analyst Richard Vosser.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Sanofis Entschluss folgt der Empfehlung eines Komitees, das die klinischen Studien überwacht und das vorige Woche zur Pausierung sämtlicher Teilnehmerrekrutierungen für die Tolebrutinib-Studien geraten hat. Zuvor galt ein solcher Stopp nur für die USA. Die dortige Arzneimittelbehörde FDA hatte Sanofi Ende Juni angewiesen, wegen Leberschäden die Rekrutierung neuer Studienteilnehmer auszusetzen. Schon diese Entscheidung hatte seinerzeit an der Börse für eine Kurskorrektur gesorgt.

          Doch damit nicht genug. So wuchs auf Anlegerseite diese Woche zugleich die Sorge um Rechtsstreitigkeiten von Sanofi in den USA. Dabei geht es um Zantac, ein rezeptfreies Medikament gegen Sodbrennen. In diesem und in anderen Medikamenten mit dem Arzneistoff Ranitidin hatte die FDA Ende 2019 in einigen Proben unzulässige Mengen eines potentiell krebserregenden Inhaltsstoffs festgestellt. Sanofi hatte daraufhin alle rezeptfreien Ranitidin-Produkte in den USA und Kanada zurückgerufen – aus reiner Vorsicht, wie das Unternehmen betont. Anschließend wurden weitere Untersuchungen durchgeführt. Sanofi gibt an, dass dabei keine Hinweise auf eine Schädigung der Verbraucher durch die Zantac-Einnahme entdeckt wurden.

          Einige Amerikaner sind jedoch anderer Auffassung und verklagen Sanofi auf Schadenersatz. Das Unternehmen schrieb am Donnerstag in einer Pressemitteilung, Kenntnis von etwa 2850 Klägern mit Personenschaden zu haben. Zuzüglich weiterer Zantac-Fälle, an denen der Konzern nicht beteiligt ist, seien es insgesamt etwa 3450 Kläger. Der erste Prozess, an dem Sanofi als Beklagter beteiligt sein könnte, sei für Februar 2023 vor dem kalifornischen Bundesgericht angesetzt. Anleger beruhigte die Pressemitteilung nur bedingt. Die Sanofi-Aktie notiert aktuell bei rund 85 Euro, die UBS-Analysten raten seit dieser Woche nicht mehr zum Kauf und senkten ihr Kursziel von 118 auf 103 Euro. Die Deutsche-Bank-Analysten finden die Marktreaktion auf die Zantac-Rechtsstreitigkeiten dagegen überzogen.

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