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Deutsche-Bank-Chefs : Hohes Gehalt, schwache Leistung

  • Aktualisiert am

Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain führen gemeinsam die Deutsche Bank. Bild: dpa

Die Deutsche Bank zahlt ihren Vorstandschefs üppige Gehälter verglichen mit anderen Bankchefs, zeigt eine neue Studie. Zugleich ist die Leistung schwächer. Die Bank weist das zurück.

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          Die Deutsche Bank zahlt ihren Vorstandsvorsitzenden außerordentlich viel. Einer der beiden, der Investmentbanker Anshu Jain, wird sogar besser bedacht als allen anderen Banken-Bosse in Europa. Und das auch noch für eine der schlechtesten Leistungen. Das ist das Ergebnis einer Rechnung des Finanzinformationsdiensts SNL Financial.

          Demnach kam Jain auf etwas mehr als 10 Millionen Euro, Stuart Gulliver, der die britische Bank HSBC führt, mit umgerechnet etwas weniger als 9,5 Millionen Euro folgt auf dem zweiten Platz. Dabei rechnet SNL Financial das Gehalt Gullivers von 8,03 Millionen britischen Pfund auf Basis von 1,18 Euro um, dem durchschnittlichen Pfund-Wechselkurs im Jahr 2013. Auf Basis des aktuellen Kurses von 1,28 Euro würde Gulliver mit 10,2 Millionen Euro vor Jain liegen.

          Die Zahlen zu Jain stammen aus dem Finanzbericht für das vergangene Jahr (Seite 286). In ihnen enthalten sind neben dem Gehalt auch Rückstellungen für seine Pensionsansprüche und Dienstaufwand wie zum Beispiel für seinen Fahrer.

          Gesamte Führungsspitze

          Ein vergleichsweise hohes Gehalt für eine hohe Leistung - dafür würden zumal die Anteilseigner der Bank wohl Verständnis aufbringen. Pikant an der SNL-Analyse ist allerdings, dass die Deutsche Bank im vergangenen Jahr gemessen an anderen europäischen Geldhäusern auch noch mit am schwächsten abgeschnitten hat: Die Rendite auf das durchschnittliche Eigenkapital (ROAE) - eine Größe, mit der die Ertragsstärke gemessen werden kann - betrug für die Deutsche Bank im vergangenen Jahr gerade einmal 1,21 Prozent, schreiben die SNL-Fachleute. Wettbewerber wie die beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse oder die spanischen Institute BBVA und Santander erzielten jeweils mehr als 6 Prozent, die britische HSBC sogar beinahe 10 Prozent.

          Die Deutsche Bank wies den Gehaltsvergleich zurück. „Wie in unserem Geschäftsbericht ausgewiesen, berücksichtigt die Vergütung für den Vorstand eine Reihe von Faktoren und nicht nur die Eigenkapitalrendite eines einzelnen Jahres“, teilte das Institut mit. Und weiter bezeichnet es die zehn Millionen als falsche Darstellung: „Für das Jahr 2013 haben die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden jeweils eine Gesamtvergütung von rund 7,5 Millionen Euro erhalten und nicht die in der Studie angegebene höhere Zahl.“

          Der Unterschied: Die Gesamtvergütung von 7,5 Millionen Euro (Geschäftsbericht Seite 285) bezieht sich auf die für das vergangene Jahr zugesagten Erfolgsprämien, die aber aus aufsichtsrechtlichen Gründen verzögert über mehrere Jahre ausgezahlt werden. Der Wert von 10 Millionen Euro beinhaltet dagegen die im vergangenen Jahr ausgezahlten Boni, die aber für vorangegangene Geschäftsjahre zugesagt wurden. Hinzu kommt noch der Aufwand für Pensionsrückstellungen.

          Selbst wenn man die Zahl, welche die Deutsche Bank in ihrer Mitteilung nennt, für den Vergleich zugrunde legte - landet Bankchef Jain noch auf den vorderen Plätzen. Übrigens bleibt die Deutsche Bank selbst ohnehin Spitzenreiter, wenn es um die Vergütung für die Führungsspitze insgesamt geht: Denn sie leistet sich mit Anshu Jain und Jürgen Fitschen ja gleich zwei Vorstandsvorsitzende.

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