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Streit ums Rettungspaket : Der Wumms der Lufthansa

Während der Corona-Krise mussten 97 Prozent aller Lufthansa-Flüge ausfallen. Bild: AP

Lufthansa-Großaktionär Thiele hat sein Milliardenimperium auch erschaffen, weil er geschickt verhandeln kann. Wer seine Forderung nach Nachbesserungen am Rettungspaket als Bluff abtut, spielt mit hohem Einsatz.

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          In Zeiten staatlicher Milliardenhilfen erfährt das Wort „Wumms“ eine fast inflationäre Verwendung. Was sich allerdings gerade rund um die mutmaßliche Rettung der traditionsreichen Lufthansa ereignet, ist geradezu ein gewaltiger Wumms. Denn deren Großaktionär Heinz Hermann Thiele hat nicht nur im Gespräch mit der F.A.Z. seinen Unmut über Inhalt und Kommunikation der geplanten Berliner Finanzspritze von rund 9 Milliarden Euro geäußert, sondern auch seinen Aktienanteil auf 15 Prozent erhöht. Damit ist es noch schwieriger geworden, den Einstieg des Bundes auf der außerordentlichen Hauptversammlung kommende Woche gegen ihn durchzusetzen.

          Thiele droht nicht offen mit einem Nein, aber er will das Paket noch einmal nachverhandeln und vor allem den Einfluss der Politik auf die Sanierung der Fluggesellschaft verhindern. Das heißt Staatshilfe ja, aber bitte ohne Mitsprache? Nichts gelernt, wird sich manch einer sagen und an die Rettung der Finanzbranche nach Lehman erinnert fühlen. Damals reifte die Erkenntnis, dass künftig zuerst die Aktionäre haften müssen, bevor der Staat einspringt.

          Doch auch Thieles Argument verfängt, dass ebenjener Staat im Fall der Lufthansa für seine Hilfe schon (anders als bei der Commerzbank) eine exquisite Verzinsung in Aussicht gestellt bekomme, sich im Gegenzug aber aus dem operativen Geschäft heraushalten solle.

          Lässt es Thiele darauf ankommen?

          Während Finanzminister Olaf Scholz mit Blick auf kommenden Donnerstag demonstrativ in Optimismus macht, skizziert das Lufthansa-Management im Falle eines Scheiterns des Hilfspakets schon die Alternative einer Insolvenz und wirbt verzweifelt unter Kleinaktionären um deren Stimmen.

          Lässt es Thiele wirklich darauf ankommen, vom Boulevard als Totengräber der Lufthansa plakatiert zu werden? Nüchtern betrachtet, ist das ebenso unwahrscheinlich wie die Analystensorge, dass er im Falle einer Niederlage sein komplettes Aktienpaket abstößt. Zumindest hat er sich in beiden Punkten klar zur Lufthansa bekannt.

          Doch der 79 Jahre alte Unternehmer hat sein Milliardenimperium auch erschaffen, weil er die Kunst der geschickten Verhandlungsführung beherrscht. Wer seine Forderungen als schlichten Bluff abtut und die Chance auf eine Einigung verstreichen lässt, spielt mit hohem Einsatz.

          Sven Astheimer
          (svs.), Wirtschaft

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