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Streit um Opel eskaliert : „Der Appetit, zu einem französischen Entwickler zu gehen, ist gleich null“

  • -Aktualisiert am

Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug ist stocksauer auf die Unternehmensführung. Bild: Reuters

Ein Teil des wichtigen Entwicklungszentrum am Opel-Stammsitz könnte verkauft werden. Die Mitarbeiter sind empört. Auf einer kurzfristig anberaumten Versammlung fehlte allerdings jemand.

          Krisenstimmung in Rüsselsheim: In der Auseinandersetzung um einen möglichen Teilverkauf des wichtigen  Opel-Entwicklungszentrums knöpft sich Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug das Management des deutschen Autoherstellers vor. „Die Belegschaft ist empört. Es gibt ein absolutes Unverständnis für die nicht offen und transparent geführten Verhandlungen“, sagte Schäfer-Klug am Donnerstag nach einer kurzfristig anberaumten Betriebsversammlung. „Der Appetit der Belegschaft, zu einem französischen Entwicklungsdienstleister zu gehen, ist gleich null“, ergänzte er in Anspielung darauf, dass wohl mehrere französische und deutsche Ingenieurdienstleister an Teilsparten  des Entwicklungszentrums interessiert sind. Die Entwicklung sei das Herzstück von Opel. Unter den Mitarbeitern herrsche nun die Angst, dass die Marke Opel einen Teilverkauf nicht überleben würde.

          Auf die Frage, ob das Management von Opel und des französischen Eigentümers PSA Peugeot Citroen in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern gelogen habe, sagte Schäfer-Klug: „Wenn man es auf den Punkt bringen will, würde ich das so sehen.“ Der Vorstand könne angesichts der Entwicklung nicht mehr erwarten, dass ihm der Betriebsrat noch etwas glaube. Schäfer-Klug forderte, dass das Management die Arbeitnehmervertreter sowie die IG Metall nun umfassend über die Pläne für das Entwicklungszentrum informiert. Zugleich zeigte er sich kämpferisch. „Das hier wird nicht ohne Widerstand abgehen. Wir halten die Situation für existenzgefährdend.“ Zu möglichen Streikaktionen könne er aber keine Auskunft geben.

          Die Betriebsversammlung endete früher als gedacht – nach Angaben von Schäfer-Klug hat Opel-Chef Michael Lohscheller nicht daran teilgenommen. „Aus dem Management hat sich niemand den Fragen der Mitarbeiter gestellt“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende.

          „Unser Engineering ist und bleibt Kern von Opel“

          Am Dienstag war berichtet worden, dass der Opel-Eigentümer, der französische Konzern PSA Peugeot Citroën, mit mehreren Industriedienstleistern aus Frankreich und Deutschland darüber verhandelt, Teile des Opel-Entwicklungszentrums zu verkaufen. Es handele sich um das Ausloten strategischer Partnerschaften, hieß es am Mittwoch von Unternehmensseite. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

          Wie die französische Zeitung „Le Monde“ berichtet hatte, gehe es um Entwicklungsabteilungen, in denen rund 4000 der zuletzt genannten 7000 Mitarbeiter der Rüsselsheimer Ingenieure und Techniker arbeiten. Ein Verkauf könne PSA 500 Millionen Euro einbringen. Nach dem Verkauf von Opel durch den amerikanischen General-Motors-Konzern an PSA sei das Entwicklungszentrum nicht ausgelastet. Unter General Motors hatten die Rüsselsheimer Abteilungen auch Dienstleistungen und Aufträge für die Muttergesellschaft abgearbeitet.

          Auf das Bekanntwerden der Gespräche reagierten die Arbeitnehmervertreter überrascht und mit Unverständnis. „Sollte die Meldung stimmen, hat das Management von PSA und Opel mit seiner Politik der Geheimhaltung aufs Neue massiv das Vertrauen der Beschäftigten, des Betriebsrates und der IG Metall gebrochen“, sagte Jörg Köhlinger, der für Opel zuständige Bezirksleiter der Gewerkschaft IG Metall. „Wir werden uns mit allen Mitteln dafür einsetzen, dass Opel nicht zur verlängerten Werkbank wird.“

          Der Gesamtbetriebsrat sprach in einer Mitteilung von einem drohenden Ausverkauf des Entwicklungszentrums.  Das würde Opel die Zukunft nehmen. Zugleich warf der Betriebsrat der Unternehmensleitung abermals vor, die Unwahrheit gesagt zu haben, als es in der Einigungsstelle zur Sicherung der deutschen Standorte um das Entwicklungszentrum ging. Das Management habe auch die Frage verneint, ob es konkrete Verkaufsabsichten oder konkrete Verkaufsangebote für das Entwicklungszentrum gebe.

          Opel-Chef Michael Lohscheller widersprach dieser Darstellung. In der Einigungsstelle sei seit dem vergangenen Dezember über die Option strategischer Partnerschaften gesprochen worden. „Die Behauptung, dass wir in der Einigungsstelle solche Pläne dementiert haben, ist falsch“, sagte Lohscheller am Mittwoch. Er betonte abermals, dass auch künftig alle Opel-Modelle in Rüsselsheim entwickelt werden sollen. „Unser Engineering ist und bleibt Kern von Opel.“

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