https://www.faz.net/-gqe-yk2p

Streit um Offshore-Parks : Ein stürmischer Konflikt

  • -Aktualisiert am

Testfeld im politischen Sturm: Alpha Ventus nördlich von Borkum Bild: Reuters

Die Betreiber von Windparks im Meer fürchten neue Genehmigungshürden. Sie warnen, den Ausbau der Windenergie in Frage zu stellen. In Dänemark und England gehe es schon jetzt deutlich schneller voran.

          3 Min.

          Wenn sich Europas Windindustrie in der kommenden Woche in Brüssel zum großen Branchentreffen versammelt, werden die Blicke der gut 400 Aussteller und 7000 Teilnehmer weit vorausgehen. Das „energiepolitische Vakuum nach 2020“ hat der Veranstalter EWEA (European Wind Energy Association) ganz oben auf die Agenda des Kongresses gesetzt, daneben werden sich die Gespräche wohl vor allem darum drehen, wie der Netzausbau für den Strom aus Meereswindparks beschleunigt und europaweit harmonisiert werden kann und neue Investoren für die Finanzierung der Offshore-Anlagen gefunden werden.

          Der Naturschutz und seine Belange sind zwar ein Dauerbegleiter für die Windindustrie, eine besonders prominente Rolle war ihm für die Brüsseler Veranstaltung aber eigentlich nicht vorgesehen. Doch das könnte sich ändern, nachdem das deutsche Bundesamt für Naturschutz (BfN) zu Beginn dieser Woche aufhorchen ließ. Die Erweiterung des bereits genehmigten Meereswindparks Sandbank 24 will die Behörde offenbar nicht genehmigen und damit auch ein deutliches Signal aussenden, dass die groß angelegten Ausbaupläne der Offshore-Stromerzeugung zumindest in deutschen Gewässern keineswegs alle gesichert sind.

          In der Industrie bemüht man sich nun, den Konflikt nicht zusätzlich anzuheizen. Knapp 30 Meereswindparks sind hierzulande schon genehmigt – und deren Bau könne auch vom BfN nicht mehr aufgehalten werden, heißt es. Das laste die Branche in den kommenden Jahren erst einmal aus, zumal im Augenblick erst ein deutscher Offshore-Windpark (Baltic 1) mit einer Kapazität von knapp 50 Megawatt sowie das Testfeld Alpha Ventus (60 Megawatt) errichtet sind. In diesem Jahr sollen weitere 200 bis 300 Megawatt in der Nordsee (Bard 1) dazukommen.

          „Der mögliche Einspruch des Bundesamtes für Naturschutz in das Genehmigungsverfahren für den Offshore-Windpark Sandbank 24 Extension gibt keinen Anlass, den Ausbau der deutschen Offshore-Windenergie an sich in Frage zu stellen“, betont Hermann Albers, der Präsident des Bundesverbandes Windenergie. Klar sei aber auch: „Naturschutz und Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, fügt er hinzu.

          Kleinere Hürden in Dänemark und England

          Und die Verunsicherung, die vom Naturschutzamt nun abermals geschürt wird, wächst insbesondere bei den Projektentwicklungsgesellschaften, die die Meeresparks federführend auf den Weg bringen. Die Bonner Behörde könnte sowohl Investoren als auch die großen Energiekonzerne abschrecken, die die Parks am Ende betreiben, sagt ein erfahrener Windparkentwickler. Da in England oder Dänemark die rechtlichen Hürden kleiner und die Genehmigungsprozesse einfacher seien, komme der Ausbau der Meereswindenergie dort viel schneller voran. Und das beeinflusse die Investitionsentscheidungen der großen Energieerzeuger durchaus.

          Kritik übt die Industrie vor allem daran, dass auch das BfN bislang noch keine gesicherten Erfahrungen mit dem Verhalten von Tieren und Pflanzen in der Umgebung von Offshore-Windanlagen habe, weil es viel zu wenige installierte Parks gebe. „So manches, was jetzt heiß diskutiert wird, basiert auf fehlenden Daten“, sagt Andreas Wagner, der Geschäftsführer der Stiftung Offshore Windenergie. Hinzu kommt aus Sicht der Industrie eine falsche Erwartungshaltung der Behörden. So gebe es zum Beispiel neue Vorschriften zum Schutz der Schweinswale, wonach der Lärm beim Einrammen der Verankerungen auf dem Meeresgrund in 750 Metern Entfernung höchstens 160 Dezibel erreichen darf. Die dafür notwendigen Schallschutzsysteme könnten aber nicht über Nacht entwickelt werden, argumentiert ein leitender Manager eines Windanlagenkonzerns. Und sie erhöhten die Kosten für den Bau der Anlagen spürbar, fügt er hinzu.

          Ohnehin lässt Deutschland seine Parks besonders weit entfernt von der Küste und damit unter schwierigsten Bedingungen bauen. Hätte man zunächst einige Probeanlagen in Küstennähe bauen und Erfahrungen sammeln können, ließen sich nun einige Probleme schneller lösen, heißt es im Maschinenbauverband VDMA. In dieser Frage hatte allerdings der Schutz des Wattenmeeres absoluten Vorrang. „Die Bundesregierung kann ihre Klimaschutzziele nur durch einen umfassenden Ausbau der Windenergie – offshore wie onshore – erreichen“, betont BWE-Präsident Albers. Gerade deshalb sei das Naturschutzamt aufgefordert, „die Genehmigungsverfahren für Offshore-Windparks zügig voranzubringen und nicht zu blockieren“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.