https://www.faz.net/-gqe-87e0o

Streit mit Piloten : Es geht um die Macht im Lufthansa-Konzern

  • -Aktualisiert am

Immer noch ist der Tarifstreit in der Lufthansa nicht gelöst. Auch Theo Waigel hat es nicht geschafft. Bild: dpa

Schon wieder drohen die Piloten der Lufthansa mit Streik. Der Arbeitskampf ist kompliziert, des es geht nicht nur um Löhne und Altersvorsorge. Sondern um die Zukunft des ganzen Unternehmens.

          Die Schlichtung im laufenden Tarifstreit zwischen der Führung der Deutschen Lufthansa und ihren Piloten ist gescheitert. Es war zu erwarten, dass dieser Kraftakt eine Herkulesaufgabe ist, mit der selbst ein erfahrener Politiker wie der frühere Finanzminister Theo Waigel (CSU) überfordert ist. Doch ein so jähes Ende der Gespräche hätte wohl niemand erwartet. Schließlich hatten sich beide Parteien kurz  zuvor verständigt, bis Monatsende alle Optionen für ein friedliches Ende des Konflikts auszuloten.

          Hauptgrund für das vorzeitige Aus ist die Tatsache, dass die Führung und die Branchengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) über zwei Kernthemen reden, die vom Inhalt her nichts miteinander zu tun haben. Und die zudem noch aus tarifrechtlichen Gründen nicht verhandelbar sind.

          Vordergründig steht in dem fast zweijährigen Tarifstreit zwar die Neuregelung der Alters- und Übergangsversorgung sowie eine höhere Vergütung für die 5400 Piloten der Lufthansa im Mittelpunkt. Doch in Wahrheit richtet sich der Widerstand der VC, in dem das Gros der Lufthansa-Piloten organisiert ist, gegen den Masterplan von Lufthansa-Chef Carsten Spohr, das konzerneigene Billigflugangebot unter der neuen Marke Eurowings zügig auszubauen.

          Es gibt um Eurowings

          Mit diesem Schritt müssen die bei der Muttergesellschaft beschäftigen Flugzeugführer um ihren Einfluss und ihre Privilegien fürchten. Spohr will mit Eurowings den langjährigen Siegeszug von Easyjet und Ryanair in Europa stoppen. Um mit den Preisbrechern mitzuhalten, müssen die Personalkosten von Eurowings um bis zu 40 Prozent unter dem Niveau der Lufthansa sinken. Auch die bislang großzügigen Alters- und Übergangs-Renten für die Lufthansa-Piloten lassen sich in der bisherigen Form nicht mehr finanzieren.

          Gegen Spohrs Umbaupläne läuft die VC seit Monaten Sturm und will ihre Argumente in die laufenden Tarifverhandlungen einbringen. Doch der Lufthansa-Chef hält den neuen Kurs des Konzerns für eine unternehmerische Entscheidung und verweist auf einen entsprechenden Beschluss des Aufsichtsrates im Herbst 2014. Seitdem läuft die Neuausrichtung von Lufthansa und Eurowings auf Hochtouren.

          Auch nach dem geltenden Tarifgesetz dürfen sich die Verhandlungen zwischen Führung und VC nur auf den Inhalt des Tarifvertrages – also vor allem Lohn und Betriebsrente – beziehen. Eine Debatte über Eurowings schließt sich daher auch aus juristischen Gründen aus.

          Mit ihren Vorstellungen, welche offenen Fragen eine von Ex-Minister Waigel moderierte Schlichtung wirklich klären kann, liegen beide Parteien bis zu Stunde weit auseinander. Viele Lufthanseaten hatten zuvor darauf gesetzt, dass die Folgen der Germanwings-Katastrophe den Zusammenhalt in der Belegschaft gestärkt und den Willen zum Konsens zwischen der Tarifparteien erhöht haben. Doch auch von dieser Hoffnung ist in der Frankfurter Zentrale der Lufthansa keine Rede mehr.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Kommen wirklich die Richtigen?

          Hanks Welt : Kommen wirklich die Richtigen?

          Wie kann das Dilemma von offenen Grenzen im üppigen Sozialstaat gelöst werden? Der Markt bietet das gerechtere und humanere Arrangement als Bürokraten oder korrupte Schlepperbanden.

          Das ist das teuerste Land Europas Video-Seite öffnen

          17 Euro für eine Pizza : Das ist das teuerste Land Europas

          Für eine Einzimmerwohnung in Reykjavik werden durchschnittlich 1300 Euro fällig, für eine Pizza zahlt man 17 Euro und selbst eine Flasche Bier kostet sieben Euro – das Leben in Island ist eindeutig nichts für Sparfüchse.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.