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Streit in der Familie : Piëch verkauft Porsche-Aktien für fast eine Milliarde

Ferdinand Piëch Bild: dpa

Es hatte sich angedeutet, jetzt ist es offiziell: Ferdinand Piëch trennt sich vom Großteil seiner Anteile an der Porsche SE. Trotzdem bleibt er dem Unternehmen vorerst erhalten.

          Der Bruch von Ferdinand Piëch und seiner Familie ist nun auch offiziell, und die Ära Piëch bei Volkswagen im Streit beendet. Wie die Porsche SE am Montag in Stuttgart mitteilte, hat sich Piëch mit den anderen Mitgliedern des Eigentümerclans Porsche und Piëch geeinigt und „den wesentlichen Anteil“ seiner über Stiftungen gehaltenen Stammaktien an andere Familienmitglieder übertragen. Piëchs Anteile von 14,7 Prozent an der Porsche SE werden auf einen Börsenwert von rund 1,15 Milliarden Euro geschätzt.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Martin Gropp

          Da der Konsortialvertrag der Eigentümerfamilien nach Informationen der F.A.Z. beim Kaufpreis vorsieht, dass der drei Tage zuvor erreichte Wert der Vorzugsaktie zugrunde gelegt und darauf ein Nachlass von 20 Prozent gewährt wird, dürfte Piëch rund 950 Millionen Euro erhalten. Die Ferdinand-Karl-Beta-Privatstiftung, die unter dem Einfluss von Piëch steht, bleibe „weiterhin geringfügig mittelbar“ an der Porsche SE beteiligt, heiß es weiter. Über die Porsche SE sind die Familien Porsche und Piëch mit 52,2 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien Eigentümer des Volkswagen-Konzerns mit seinen 12 Marken.

          Wer genau übernimmt die Anteile?

          Piëch, der als Vorstands- und später bis 2015 als Aufsichtsratschef lange die Geschicke von Volkswagen bestimmte, scheidet im Zorn. Die Zeit für eine Einigung mit der Familie drängte, weil die Porsche AG ihre Aktionäre spätestens am 18. April offiziell neue Vorschläge für den neuen Aufsichtsrat machen muss, sechs Wochen vor der geplanten Hauptversammlung. Noch gehört Ferdinand Piëch diesem Gremium an, die anderen Familienmitglieder hatten sich aber schon vor einigen Wochen darauf geeinigt, ihn auch aus diesem letzten Amt zu drängen, das ihm Einfluss sicherte. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte unter Berufung auf Konzern und Familie bereits berichtet, dass mit einer Entscheidung der Übertragung der Anteile Piëchs in diesen Tagen zu rechnen sei.

          Der Firmenpatriarch, ohne den bei VW früher keine wichtigen Entscheidungen fielen, wollte die Dinge nach Informationen aus seinem Umfeld ebenfalls vor seinem 80. Geburtstag am Ostermontag geregelt wissen. Unklar ist noch, wer von den Familien Porsche und Piëch wie viele Anteile übernommen hat. Für den Familienstamm Piëch war es wichtig, einen größeren Teil zu übernehmen, um mit ihren Anteilen nicht unter eine Sperrminorität von 20 Prozent zu fallen – die dem Porsche-Stamm der Eigentümerfamilie die Kontrolle über den Volkswagen-Konzern sichern würde. Aus den Familien soll es aber auch Stimmen gegeben haben, die hervorhoben, dass unter den Familienstämmen, die sich vor allem auch wegen der Alleingänge von Ferdinand Piëch immer wieder zerstritten haben, nach dessen Ausscheiden Frieden einkehren könnte.

          Materieller Schlussstrich

          Dem Rückzug Piëchs war die Entscheidung der anderen Familienmitglieder vorausgegangen, Piëch im Zuge einer Umstrukturierung des Kontrollgremiums der Porsche SE zu entmachten und ihm sein Aufsichtsratsmandat in der Holding zu entziehen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Wolfgang Porsche, der auch im obersten Kontrollgremium bei Volkswagen sitzt, hatte am Rande des Autosalons in Genf gesagt: „Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen“.

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