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Deutsche Bank : Der Kulturwandel wird zum Kulturkampf

Anshu Jain und Rainer Neske Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Deutsche Bank muss sich neu aufstellen. Das reißt alte Gräben auf. Im Vorstand stehen sich der Co-Vorsitzende Jain und Privatkundenchef Neske gegenüber.

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          In der Deutschen Bank gibt es zwei Lager, die sich nicht wirklich mögen. Auf der einen Seite stehen die Investmentbanker mit ihren Zentren in London und New York, auf der anderen Seite die Vertreter des deutschen Privat- und Firmenkundengeschäfts. Nun müssen die beiden Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen den Konzern neu aufstellen, weil die Aktionäre mit der Kursentwicklung unzufrieden sind und der Börsenwert von der Weltspitze weit entfernt liegt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Kulturwandel, mit dem die Deutsche Bank verlorenes Vertrauen der Kunden und der Gesellschaft zurückgewinnen will, droht zu einem Kulturkampf zu werden. Für die neue Strategie, die Finanzvorstand Stefan Krause gegenwärtig ausarbeitet, gelten keine Tabus, selbst der Verkauf der Postbank wird geprüft. Damit wird das Konzept der Universalbank, die riskantes Kapitalmarktgeschäft und klassisches Kundengeschäft vereint, in Frage gestellt. Im Vorstand droht ein Streit zwischen Jain und dem für die Privat- und Firmenkunden verantwortlichen Rainer Neske.

          Jains Gefolgsleute sind die Investmentbanker, deren Chef er lange Zeit war. Als er und Fitschen im Juni 2012 die Nachfolge von Josef Ackermann antraten, besetzten wichtige Vertrauensmänner von Jain – in den Frankfurter Doppeltürmen heißen sie „Anshu’s Army“ – wichtige Posten. Dazu zählen der Technologievorstand Henry Ritchotte, der das für die Zukunft wichtige Thema Digitalisierung verantwortet, oder Risikovorstand Stuart Lewis.

          Das Führungsgremium unterhalb des Vorstands, das Group Executive Committee, wird von „Anshu’s Army“ dominiert. Vertreter sind der Investmentbanking-Chef Colin Fan oder Michele Faissola, der die Vermögensverwaltung leitet.

          „Wir müssen raus aus unseren Türmen“

          Die nun anstehenden Diskussionen können die alten Gräben zwischen Investmentbanking und dem deutschen Kundengeschäft wieder aufreißen. In den vergangenen Jahren soll es zwischen Neske und Jain heftige Debatten gegeben haben. Es ging um die Aufarbeitung der vielen Rechtsstreitigkeiten und Skandale, die überwiegend dem früher von Jain verantworteten Investmentbanking zuzuordnen sind. Die Strafen und der Abbau der Altlasten an riskanten Wertpapieren verschlingen Milliarden.

          Die Enttäuschung der Kunden bekommen die Mitarbeiter in den Filialen direkt zu spüren. Aber auch die Betreuer mittelständischer Firmenkunden sind mit unangenehmen Fragen konfrontiert. Die hohen Prämien für die Investmentbanker – allein 2,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr und damit dreimal so viel wie für die Aktionäre – sorgen für Empörung. Die Verbitterung deutscher Mitarbeiter über die Investmentbanker ist zeitweise so groß gewesen, dass einige die Abspaltung vom Investmentbanking als sinnvoll erachteten.

          Im Februar 2013 hielt Neske auf einer Konferenz in Frankfurt eine kritische Rede zur Aufarbeitung der Krise. Der Ruf der Branche habe einen Tiefpunkt erreicht, stellte er damals fest und forderte seine Kollegen auf: „Wir müssen raus aus unseren Türmen.“ Nicht wenige erkannten in diesen Worten auch eine Kritik am Investmentbanking und damit an Jain.

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