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Streit beigelegt : Karstadt-Quelle und Wertheim-Erben einigen sich

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Geste der Versöhnung: JCC-Vertreter Haller und Karstadt-Quelle-Chef Middelhoff Bild: AP

Seit Jahren streiten Karstadt-Quelle und etwa 50 Wertheim-Erben vor Gericht. Jetzt haben sich die Parteien geeinigt: Der Warenhauskonzern zahlt den Nachkommen der von den Nazis enteigneten jüdischen Kaufmannsfamilie 88 Millionen Euro.

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          Die Karstadt-Quelle AG wird die Erben der von den Nazis enteigneten jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim entschädigen.

          Der Konzern teilte am Freitag mit, dass mit der Jewish Claims Conference (JCC) eine außergerichtliche Einigung erzielt worden ist. Die JCC verfügt über die gerichtlich anerkannten Rechte am früheren Grundbesitz und Vermögen der Wertheim-Erben.

          JCC: „Ein sehr wichtiger Schritt“

          Die vereinbarte Entschädigungssumme beträgt nach Angaben der JCC 88 Millionen Euro. Das sei eine der höchsten Entschädigungssummen, die je für eine Enteignung während der Nazizeit gezahlt wurden.

          Auf dem früheren Wertheim-Grundbesitz steht heute das Beisheim-Center

          Das Materielle sei aber nicht das Entscheidende, sagte Gideon Taylor, Executive Vice President der JCC. Die Einigung zwischen Karstadt-Quelle und der JCC habe vielmehr „gewaltigen symbolischen Charakter. Sie ist ein sehr wichtiger Schritt, um das Unrecht der Vergangenheit zu korrigieren“.

          Seit dem Jahr 2000 vor Gericht

          Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sind in den vergangenen Monaten Geheimgespräche zwischen Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff und dem Europa-Direktor der JCC, Roman Haller, geführt worden.

          Der gerichtliche Konflikt zwischen dem Warenhauskonzern und den etwa 50 Überlebenden der von den Nazis aus Deutschland vertriebenen Wertheim-Familie wurde seit dem Jahr 2000 ausgetragen.

          Karstadt: Keine Belastung für das aktuelle Geschäft

          Karstadt-Quelle erwartet aus der millionenschweren Einigung keine Belastungen für das aktuelle Geschäft. Die Zahlungen seien bereits in der Bilanz 2006 verarbeitet worden, sagte Middelhoff am Freitag in Düsseldorf. Sie hätten „keine Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung 2007“, betonte er.

          Nun seien alle strittigen Fragen im Zusammenhang mit dem Verkauf des Wertheim-Grundstücks erledigt, teilte Karstadt-Quelle mit. Die Familie Wertheim ziehe ihre Schadenersatzklage gegen den Warenhauskonzern zurück. Noch im vergangenen Jahr hatte Karstadt eine Entschädigung für das Lenne-Dreieck kategorisch abgelehnt und wollte sich notfalls auf einen Rechtsstreit einzulassen.

          Grundbesitz für eine Mark überlassen

          Kernpunkt der Einigung ist eine Entschädigung für ein Grundstück im so genannten Lenné-Dreieck am Potsdamer Platz. Nach der Wende hatte der Berliner Senat dort früheren Wertheim-Grundbesitz für den symbolischen Preis von einer Deutschen Mark an Hertie überlassen.

          Nachdem Karstadt-Quelle Hertie übernommen hatte, verkaufte der Konzern das Gelände in Berlin-Mitte für 145 Millionen Euro an den Metro-Eigentümer Otto Beisheim. Dieser errichtete dort das Beisheim-Center und die Luxushotels Ritz-Carlton und Marriott. Zuständige Gerichte sprachen der ICC und damit in der Folge den Wertheim-Erben die Rechte an diesem Grundstück zu.

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