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Bodenpersonal will mehr Geld : Streiks sorgen für Flugausfälle in Hamburg

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Stillstand am Boden: Die Gewerkschaft Verdi hat das Bodenpersonal am Montag zum Streik aufgerufen. Bild: dpa

Wegen eines Streiks des Bodenpersonals fallen am Hamburger Flughafen viele Flüge aus. Verdi fordert höhere Löhne – und will die Passagiere einfach mehr für ihre Tickets zahlen lassen.

          Ein ganztägiger Warnstreik des Bodenpersonals am Hamburger Flughafen hat am Montag den Flugverkehr beeinträchtigt. Bis zum Mittag waren 72 Flüge ausgefallen, teilte eine Sprecherin des Flughafens mit. Das ist fast jeder fünfte der 388 für den Tag geplanten Flüge ab und nach Hamburg. Ungefähr 9000 Fluggäste konnten gar nicht fliegen, weitere 50.000 waren von schleppender Abfertigung betroffen. Im Laufe des Tages könnten jedoch weitere Flugausfälle dazukommen. Mehrere Flüge von und nach Frankfurt und München fielen aus, aber auch andere Verbindungen waren betroffen, zum Beispiel nach Zürich, Wien, Kopenhagen und Stockholm.

          Von 3 Uhr an legten die Mitarbeiter der Frühschicht ihre Arbeit nieder, wie eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi am Montag sagte. Zwischen 12 und 14 Uhr würden auch die Mitarbeiter der Spätschicht dazustoßen. Zum Bodenpersonal zählen Beschäftigte, die für die Gepäckverladung, die Abfertigung von Flugzeugen und die Busse zuständig sind.

          Grund für den kurzfristig angekündigten Warnstreik war das nach Ansicht von Verdi unzureichende Arbeitgeberangebot in der laufenden Tarifrunde mit dem Arbeitgeberverband Arbeitsrechtliche Vereinigung Hamburg (AVH). Verdi fordert für die fast 1000 Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste eine monatliche Tariferhöhung von 275 Euro für alle. „35 Leute sind mit der Abfertigung einer Maschine beschäftigt. Da müssen sich die Menschen auch mal überlegen, wie viel sie für ihr Ticket zahlen“, sagte eine Verdi-Sprecherin.

          Flughafenverband wirft Verdi rücksichtsloses Vorgehen vor

          Mit scharfer Kritik reagierte der Flughafenverband ADV. „Mir fehlt jedes Verständnis dafür, dass Verdi seine Interessen auf dem Rücken der Reisenden austrägt“, sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. „Besonders scharf zu verurteilen ist die Kurzfristigkeit des angekündigten Streiks.“ Das „rücksichtslose Vorgehen“ von Verdi zerstöre die Verhandlungsbasis. „Es ist unvertretbar, dass eine kleine Berufsgruppe einen ganzen Flughafen lahmlegt und durch unangemessene Partikularinteressen das Lohngefüge komplett durcheinanderbringt.“ Die nächsten Verhandlungstermine seien bereits angesetzt.

          Auch Christian Noack, Geschäftsführer HAM Ground Handling, die für Bodenverkehrsdienste am Hamburger Flughafen zuständig ist, sah die Aktion kritisch. Verdi fordere mehr, als die Bodenverkehrsdienste bei angespannter Marktlage überhaupt erwirtschaften könnten, sagte er. Vor rund zwei Wochen hatte ein Warnstreik des Sicherheitspersonals am Hamburger Flughafen bereits zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt.

          Winter beeinträchtigt Flugverkehr in München

          Derweil sind wegen des starken Schneefalls in München 140 Flüge ausgefallen. Man habe noch mit den Auswirkungen des Vortags zu kämpfen, sagte ein Sprecher des Franz-Josef-Strauß-Flughafens am Montag. Am Sonntag waren bereits 350 Flüge annulliert worden.

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