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Schlichtung gescheitert : Streiks der Flugbegleiter trüben Jahreswende

Flugbegleiter der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation UFO wollen noch in diesem Jahr abermals streiken. Bild: dpa

Die Crews von Germanwings treten zwischen Montag und Neujahr in den Ausstand. Was bisher bekannt ist: Vier Fragen, vier Antworten.

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          Passagiere des Lufthansa-Konzerns müssen in der kommenden Woche wieder mit streikbedingten Flugausfällen rechnen. Trotz des Einsatzes prominenter Schlichter ist der seit Monaten schwelende Tarifkonflikt mit Personalquerelen überfrachtet und nur schwer in den Griff zu bekommen.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wann wird gestreikt?

          Vom Arbeitskampf der Ufo ist zunächst die Tochtergesellschaft Germanwings betroffen. Dort soll von Montag an ein dreitägiger Ausstand bis Neujahr stattfinden.Traditionell fällt das Flugaufkommen der Lufthansa bis Neujahr ohnehin um bis zu 40 Prozent geringer aus als bei „normalem Flugbetrieb“ während des restlichen Jahres. In Einklang mit dem saisonüblichen Rückgang hat daher Deutschlands größte Fluggesellschaft auch den Bestand ihres fliegenden Personals in dieser Zeitspanne deutlich reduziert. Die Folge bei einem Streik der Kabinen-Crews: „Auch bei dem jetzt stark ausgedünnten Flugplan wird es dann zu starken Einschränkungen im Flugbetrieb kommen, weil zusätzliches Personal bei Bedarf nicht verfügbar ist“, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Freitag. Nach dem zweitägigen Ufo-Streik im November bei der Kerngesellschaft Lufthansa waren 1500 Flüge mit insgesamt 200.000 Passagieren betroffen.

          Wer streikt?

          Je nach Streikziel der Branchengewerkschaft Ufo sind die insgesamt 22.000 Flugbegleiter der Kernmarke Lufthansa sowie der vier Tochtergesellschaften an deutschen Flughäfen zu Arbeitskämpfen aufgerufen. Das Gros der Kabinen-Crews ist in der Ufo organisiert – nur wenige Tausend sind Mitglieder der konkurrierenden Gewerkschaft Verdi.

          Warum wird gestreikt ?

          Konkret geht es neben einer Lohnsteigerung um 2 Prozent, höheren Spesen und Zulagen sowie einer besseren Regelung für die Festanstellung von Saisonkräften im Flugbetrieb. Doch das sind nur die (juristisch) formalen Voraussetzungen, um einen Arbeitskampf in einem Tarifstreit zu rechtfertigen. In Wahrheit schürt das tiefe Misstrauen zwischen beiden Tarifparteien den Konflikt und belastet die Atmosphäre. Der Streit zwischen Lufthansa und Ufo, die immerhin seit dem Jahr 2002 gemeinsam Tarifverträge für Kabinen-Crews ausgehandelt haben, entzündete sich in jüngster Zeit an der Personalie des ehemaligen Ufo-Chefs Nicoley Baublies. Der selbstbewusste Gewerkschafter führte die einst eher zahmen Flugbegleiter im Jahr 2015 in den bis heute längsten Streik der Lufthansa-Geschichte und fiel zudem konzernintern mit dem fragwürdigem Umgang seiner Bezüge als Lufthanseat auf. Zwischenzeitlich wurde Baublies mehrmals gekündigt. Dennoch ist der ehemalige Ufo-Funktionär, der in den eigenen Reihen umstritten ist, als „Berater des Vorstands“ im laufenden Tarifkonflikt aktiv.

          Was bringt die Schlichtung?

          Die ehemaligen Spitzenpolitiker Matthias Platzeck und Frank-Jürgen Weise haben sich in mehreren Sitzungen während der Feiertage bemüht, die Streithähne an einen Tisch zu bringen. Ohne Erfolg: Die Forderung der Unterhändler liegen im Vorfeld des offiziellen Schlichtungstermins im Januar weit auseinander. Während die Ufo die Klärung der rechtlichen Fragen rund um die Person Baublies in die Schlichtungsgespräche mit einbinden will, besteht die Lufthansa auf eine Trennung der beiden Vorgänge.

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