https://www.faz.net/-gqe-7oibq

China : Massenstreik in Schuhfabrik für Adidas und Nike

  • Aktualisiert am

Arbeiter demonstrieren in der Fabrik in Dongguang. Bild: REUTERS

Normalerweise nähen sie Schuhe für Adidas, Puma und Nike. Jetzt aber streiken zehntausende Arbeiter in einer chinesischen Schuhfabrik. Sie sagen, sie bekommen nicht mal ihre gesetzlichen Rechte.

          1 Min.

          Zehntausende Arbeiter einer der größten Schuhfabriken in China streiken für die Zahlung von Sozialleistungen. Seit Montag sei die Zahl der Teilnehmer am Arbeitskampf von zunächst 30.000 auf etwa 50.000 Angestellte gewachsen, sagte der Aktivist Liu Dong am Donnerstag am Telefon. Das ist rund ein Achtel der Belegschaft. „10.000 Arbeiter sind auf der Straße“, sagte Liu Dong. Jeden Tag legten weitere Angestellte die Arbeit nieder. Die Firma und die Polizei waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

          Yueyuen bezeichnet sich als größten Markenschuh-Hersteller der Welt und produziert nach eigenen Angaben für Firmen wie Adidas, Puma, Asics und Nike. Das Unternehmen hatte 2012 nach eigenen Angaben 423.000 Beschäftigte. Im vergangenen Jahr liefen 313 Millionen Paar Schuhe bei Yueyuen vom Band.

          Geoffrey Crothall von der gewerkschaftsfreundlichen Organisation China Labour Bulletin in Hongkong wertete den Streik als einen Meilenstein. „Die Ansprüche der Arbeiter in China wachsen“, sagt er der Nachrichtenagentur dpa. Die Arbeiter der taiwanesischen Schuhfabrik Yueyuen in Dongguan in der Provinz Guangdong fordern gesetzlich vorgeschriebene Sozialleistungen, wie Zuschüsse zur Kranken-, Arbeits- und Rentenversicherungen.

          Bisher hatten meist ausstehende Löhne und Gehälter die Arbeiter in China auf die Straßen getrieben. Aber der Massenstreik in Dongguan kündige einen Wandel an, meint Arbeiterrechtler Crothall. „Sie fordern nicht mehr Geld, sondern ihr Recht ein“, sagt er. Es sei kein Zufall, dass der Streik eine Firma aus Taiwan treffe. Während sich große internationale Konzerne in ihren Fabriken meist an die gesetzlichen Vorgaben hielten, seien die Bedingungen in Werken von Konzernen aus Chinas Festland, Hongkong und Taiwan oft wesentlich schlechter. „Sie kommen damit durch“, klagt Crothall.

          Fehlende oder ungenügende Sozialleistungen für Angestellte sind ein weit verbreitetes Problem in China. Die Organisation China Labor Watch (CLW) mahnt das Problem seit Jahren an. Von den mehr als 400 in den vergangenen zehn Jahren kontrollierten Unternehmen habe nicht eine Firma alle nach chinesischem Gesetz vorgeschriebenen Sozialleistungen für seine Angestellten gezahlt, teilte CLW mit.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Prognose, die gefällt: Jubel bei der SPD-Wahlparty in Hamburg

          Bürgerschaftswahl : Satte Mehrheit für Rot-Grün in Hamburg

          In den Prognosen liegt die SPD mit großem Abstand vorn. Die Grünen verdoppeln ihr Ergebnis. Die CDU verliert, FDP und AfD müssen um den Verbleib in der Bürgerschaft bangen. Rot-Grün hätte eine komfortable Mehrheit.

          Coronavirus : Warum es Italien so schwer erwischt hat

          In Italien steigt die Zahl der Infektionsfälle täglich. Teile des Landes stehen unter Quarantäne, Verstöße werden strafrechtlich geahndet. Venedigs Karneval ist abgesagt, Profi-Fußballspiele fallen aus, die Mailänder Scala ist zu.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.