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Trotz Einigung in Ungarn : Streik der Audi-Mitarbeiter trifft den VW-Konzern

Mitarbeiter von Audi Hungaria demonstrieren für höhere Löhne. Bild: EPA

Der Ausstand in einem Audi-Werk in Ungarn ist beendet. Weil aber seit einer Woche Motoren aus dem ungarischen Györ fehlen, können Fabriken kaum noch Autos bauen.

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          Ein einwöchiger Streik für höhere Löhne bei Audi in Ungarn ist nach einer Einigung beendet worden. Audi Ungarn und die Gewerkschaft AHFSZ hätten eine Vereinbarung erzielt, teilte der Autobauer am Mittwoch mit. Details wurden nicht genannt. Die Produktion in dem Werk in Györ im Westen des Landes wurde wieder aufgenommen. Fast eine Woche hatten die Beschäftigten im ungarischen Motorenwerk von Audi für höhere Löhne gestreikt.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.
          Michaela Seiser
          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Der Streik war eine Herausforderung für den gesamten Volkswagen-Konzern. Nachdem schon seit Anfang dieser Woche im Audi-Stammwerk in Ingolstadt wegen fehlender Motoren aus Ungarn die Produktion ruhte, waren zum Schluss auch zwei weitere Werke des Mutterkonzerns betroffen. In der Fabrik im slowakischen Bratislava, in der die Geländewagen VW Touareg, Porsche Cayenne und Audi Q7 gebaut werden, mussten aufgrund der fehlenden Versorgung mit Motoren mehrere Schichten wegfallen. Gleiches gilt nach Aussage einer Konzernsprecherin für das Werk von Porsche in Leipzig, in dem die Modelle Panamera und Macan vom Band laufen.

          Dort war am Mittwoch zunächst die Frühschicht, anschließend auch die Spät- und Nachtschicht gestrichen worden. Von einer ernsten Krise ist VW aber nach eigener Darstellung weit entfernt. „Die Fertigung läuft an den meisten Standorten des Volkswagen-Konzerns unverändert“, sagte die Sprecherin. Um die Auswirkungen möglichst gering zu halten, hätten die betroffenen Standorte ihre Pläne für Produktion und Logistik teilweise angepasst, hieß es. So könne die Arbeit auf einzelnen Produktionslinien langsamer laufen. Gleichzeitig könnten Fahrzeugvarianten vorgezogen werden, deren Aggregate aus anderen Motorenwerken stammen und daher verfügbar sind.

          Einer der großen Motorenspezialisten

          Die Tochtergesellschaft Audi hatte wegen des Streiks ihre seit Tagen andauernde Zwangspause in Ingolstadt verlängert. „Die Bänder stehen still, auch eine für Sonntag geplante Sonderschicht fällt aus“, sagte ein Unternehmenssprecher der F.A.Z. Wie lange am Stammsitz nach Streikende noch pausiert werden muss, ist unklar. Das Werk in Neckarsulm, in dem die größeren Audi-Modelle A6 bis A8 montiert werden, war aufgrund einer umfangreicheren Lagerhaltung bislang nicht vom Motorenengpass betroffen.

          Die 12.000 Audianer in Györ waren am vergangenen Donnerstag in einen einwöchigen Streik getreten. Die zuständige Gewerkschaft, die mehr als die Hälfte der Mitarbeiter vertritt, forderte eine Lohnerhöhung um 18 Prozent und eine schrittweise Angleichung an die Bezahlung in anderen Werken in Ost- und Mitteleuropa. Laut Gewerkschaftsangaben hat die Unternehmensführung der geforderten Lohnerhöhung um 18 Prozent oder mindestens 75.000 Forint (238 Euro) monatlich zugestimmt. Audi selbst gab in seiner Mitteilung keine Details zur Einigung bekannt.

          Audi Hungaria mit Sitz in Györ ist einer der großen Motorenspezialisten. Im vergangenen Jahr wurden fast 2 Millionen Motoren in der westungarischen Stadt zusammengebaut. Der aktuelle Ausstand war die größte Protestbewegung seit langem.

          Ungarn ein wichtiger Standort

          Dabei waren die Lohnforderungen nur eine Facette. Schon vor einigen Monaten hatte sich Empörung unter den Mitarbeitern aufgestaut: Unzufriedenheit herrscht auch über eine im Dezember von der nationalkonservativen Regierung rasch verabschiedete Arbeitsgesetzreform. Sie erlaubt die deutliche Ausdehnung der Überstunden von 250 auf 400 im Jahr. Die Metallgewerkschaft Vasas protestiert vehement gegen die Pläne der Regierung. Vasas hat nach eigenen Angaben mehr als 23.000 Mitglieder, die in etlichen deutschen Unternehmen arbeiten, darunter Daimler, Continental, ZF und Schaeffler.

          Unterstützung erhielten die ungarischen Gewerkschafter von der IG Metall in Bayern, die die Billiglöhne verurteilt: „Angeblich wollen ungarische Beschäftigte mehr Überstunden machen. Dies ist ein Indikator für zu niedrige Einkommen“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

          Ungarn ist durch die vergleichsweise niedrigen Löhne ein wichtiger Standort der deutschen Automobilindustrie geworden. Zwar hat das kleine Land an der Grenze zu Österreich in den zurückliegenden fünf Jahren hohe Bruttolohnsteigerungen verzeichnet. Doch ist das Gesamtniveau, verglichen mit Westeuropa, noch immer moderat. Die durchschnittlichen Bruttoverdienste im Fahrzeugbau liegen bei rund 370.000 Forint im Monat, wie das Statistische Amt in Budapest erhoben hat. Das entspricht rund 1200 Euro. Seit Jahren verläuft der Aufholprozess Ungarns im Vergleich zu anderen Ländern der Region gebremst – obgleich das Land einmal Vorreiter war. Der Wohlstand, gemessen als Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, beträgt nach Schätzung des auf die Osteuropa-Forschung spezialisierten Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) 70 Prozent des EU-Durchschnitts und damit deutlich weniger als in der Tschechischen Republik und der Slowakei.

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