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Streetscooter : Die Lastwagen-Revolution

Werden seit 2015 serienmäßig gebaut: die Elektroscooter der Deutschen Post. Bild: dpa

Die Post verkauft künftig auch Elektro-Laster. Offensichtlich braucht man dafür die alten Nutzfahrzeug-Hersteller nicht unbedingt. Aber eine Domäne bleibt Daimler, MAN und Co. - noch.

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          Als Frank Appel die Devise ausgab, die Deutsche Post DHL solle ein grüner Konzern werden, konnte er sich dieses Szenario noch nicht vorstellen: Der Vorstandvorsitzende würde einmal ein Unternehmen führen, das Elektroautos herstellt. Schon gar nicht reichte seine Phantasie soweit, dass der  größte Post- und Logistikdienstleister der Welt einmal die Hersteller von Nutzfahrzeugen vorführen würde.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Mit dem Streetscooter ist genau das geschehen. Den einfach gebauten Elektro-Transporter will die Post in größeren Stückzahlen nicht nur für eigene Zwecke bauen, sondern auch Dritten anbieten. So könnten statt der bis Ende 2017 geplanten 20.000 Elektrotransporter später einmal 100.000 Stück jährlich gefertigt werden.

          Nur für kleine Lastwagen technisch machbar

          Die klassischen Hersteller von Lastwagen und Transportern wie Daimler, VW, MAN, Renault, Volvo oder Iveco stehen ziemlich bedröppelt da. Die Etablierten beobachten mit Argusaugen, was die Bonner da nicht nur vor zwei Jahren einmal angekündigt hatten, sondern allen Ernstes auch tatsächlich umsetzten. Offen zitieren lassen mag sich die Industrie nicht. Es wird aber in der Branche unverhohlen zugegeben, dass der Verteilerverkehr immer mehr Elektrofahrzeuge benötigt. So wird die Beförderung  von Gütern durch Transporter in Städten und Zentren genannt. Das sind zum Beispiel die Flotten der Paketexpressdienste von DHL, UPS, GLS oder DPD.

          Daimler oder MAN bekommen täglich Anfragen bezüglich des Angebotes von batteriebetriebenen Fahrzeugen mit einer Nutzlast von zwei bis drei Tonnen. Für größere Lastwagen ab 7,5 Tonnen indes sind Stromantriebe nicht realistisch, ökonomisch und derzeit auch technisch nicht machbar. Scania befindet sich mit einem schweren Hybrid-Lastwagen, der aus einer Oberleitung Strom bezieht, im Versuchsstadium und bereitet derzeit einen Test auf deutschen Autobahnen vor. Aber das ist Zukunftsmusik.

          Elektroautos der Post: Langsam, geringe Reichweite – aber ausreichend

          Anerkennend wird dann auch in der Branche zugegeben: Die Botschaft der Deutschen Post ist angekommen. Mit der Umsetzung allerdings hapert es. Die deutschen Nutzfahrzeugbauer benötigen noch viel Zeit, Elektromobilität im Transporter-Bereich für den Alltag umzusetzen. Volkswagen hat auf der Internationalen Automobil-Ausstellung Nutzfahrzeuge (IAA) im September vergangenen Jahres einen „E-Crafter“ präsentiert, der allerdings bis zur Serienreife noch Jahre benötigt. Der Transporter mit 4,25 Tonnen Nutzlast soll mit bis zu 80 Stundenkilometern über eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern verfügen. Die Testfahrten beginnen in diesem Jahr.

          Es gibt außerdem Probeläufe mit einem E-Transporter von Mercedes oder Pilotprojekte mit einem elektrisch angetriebenen Nissan eNV 200. Tester sind Expressdienste. Hermes hat gar 1500 elektrische Sprinter und Vitos aus dem Hause Mercedes geordert. Ganz schön mutig: Denn die werden wohl vor 2020 gar nicht ausgeliefert werden – dann werden die Streetscooter des Autoherstellers Deutsche Post schon Tausende von Kilometern Runden gedreht haben.

          Derzeit fahren 2500 E-Transporter in der Flotte, die seit 2015 serienmäßig gebaut werden. Die gelben Autos, im Design alles andere als preisverdächtig, fahren maximal 85 Kilometer pro Stunde schnell und haben auch nur eine Reichweite von rund 80 Kilometer. In der Stadt reicht das für die Zustellung aber durchaus. Die gesamte Post-Flotte von 50.000 Fahrzeugen soll schrittweise auf Batteriebetrieb umgestellt werden.

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