https://www.faz.net/-gqe-9lvn9

Eigene Streaming-Plattform : So will Disney Netflix in die Knie zwingen

So soll Disney Plus auf einem Tablet aussehen. Bild: AP

Der Unterhaltungskonzern Disney stellt einen neuen Videodienst vor. Dafür will er aufwendige neue Shows wie einen „Star Wars“-Ableger produzieren lassen – und Inhalte von Netflix abziehen.

          Netflix ist für die Film- und Fernsehindustrie in Hollywood in den vergangenen Jahren zu einer immer größeren Bedrohung geworden. Einerseits ist der Videodienst zwar eine Einnahmequelle für die Unterhaltungsindustrie, weil er deren Shows und Filme zeigt und entsprechend Lizenzgebühren zahlt. Andererseits sehen viele Menschen Netflix zunehmend als Alternative zu einem Kabelanschluss oder auch einem Kinobesuch, und das bedroht die traditionellen Verwertungskanäle der Branche. Zudem produziert Netflix auch immer mehr eigene Fernsehserien und Filme und wird somit auch zu einem direkten Wettbewerber der etablierten Unterhaltungskonzerne.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nun aber steht die bislang größte Gegenoffensive für Netflix aus Hollywood bevor. Am Donnerstag hat der Unterhaltungsgigant Walt Disney bei einer Präsentation vor Investoren an seinem Hauptsitz im kalifornischen Burbank seine Pläne für eine neue Streaming-Plattform vorgestellt, die mit Netflix und auch anderen Angeboten wie „Prime Video“ von Amazon konkurrieren soll.

          Der neue Videodienst mit dem Namen „Disney+“ wird in der Branche mit großer Spannung erwartet, schließlich dürfte kein anderes Unternehmen über ähnlich attraktive Inhalte verfügen wie Disney. Dazu gehören nicht nur die vielen Zeichentrickklassiker, mit denen Disney seit jeher besonders stark identifiziert wird, von „Bambi“ über „König der Löwen“ bis zu „Die Eiskönigin“.

          Vorstandsvorsitzender Bob Iger hat in den vergangenen Jahren sein Arsenal an Inhalten auch mit einer ganzen Serie von milliardenschweren Akquisitionen verstärkt. Das begann zunächst nahe am traditionellen Kerngeschäft mit dem Zeichentrickstudio Pixar, darauf folgten der für Superheldenstoffe bekannte Comic- und Filmproduzent Marvel sowie das „Star Wars“-Produktionsstudio Lucasfilm. Und erst vor wenigen Monaten vollzog Iger den teuersten Zukauf in der Geschichte seines Unternehmens, als er mehr als 71 Milliarden Dollar für große Teile des Unterhaltungskonzerns 21st Century Fox zahlte. Damit bekam er Zugriff auf Stoffe wie „Avatar“ oder „X-Men“.

          Günstiger als Netflix

          Disneys Streaming-Dienst soll nach Angaben des Unternehmens in den Vereinigten Staaten am 12. November starten und 6,99 Dollar im Monat oder 69,99 Dollar im Jahr kosten. Damit unterbietet das Unternehmen den Wettbewerber Netflix, dessen billigstes Abonnement bei 8,99 Dollar im Monat liegt. Konkrete Daten für einen Start außerhalb Amerikas wurden zunächst nicht genannt. Disney hofft, mit einer Reihe exklusiver Inhalte Gebührenzahler für das neue Angebot zu gewinnen.

          So soll es zum Beispiel einen „Star Wars“-Ableger namens „The Mandalorian“ geben, eine zunächst auf zehn Teile angelegte Fernsehshow, deren Budget bei stattlichen 100 Millionen Dollar liegen soll. Geplant ist auch eine Zeichentrickserie, die auf dem Pixar-Film „Die Monster AG“ beruht, sowie eine Neuauflage des Disney-Klassikers „Susi und Strolch“. Insgesamt soll es auf Disney+ im ersten Jahr mindestens zehn neue Filme sowie mindestens 25 neue Serien geben, darüber hinaus Zugriff auf eine Bibliothek älterer Inhalte. Iger bekräftigte, „Disney+“ genieße im Konzern höchste Priorität.

          Umkämpftes Streaming-Geschäft

          Seine Offensive kommt zu einer Zeit, in der das Streaming-Geschäft immer umkämpfter wird. Auch eine Reihe anderer traditioneller Medienkonzerne wie Comcast oder Warner Media, eine Tochtergesellschaft des Telekommunikationsanbieters AT&T, arbeiten derzeit an Videoplattformen. Daneben drängen auch immer mehr Technologieunternehmen auf den Markt. Der Elektronikkonzern Apple stellte erst vor wenigen Wochen seine neue Streaming-Plattform „Apple TV+“ vor, die er ebenso wie Netflix auch mit eigenen Inhalten bestücken will. Dazu gehören Projekte des Regisseur Steven Spielberg sowie der Schauspielerinnen Reese Witherspoon und Jennifer Aniston.

          Disney selbst betreibt auch jetzt schon den Streamingdienst „ESPN+“ mit Sportangeboten. Seit der Fox-Übernahme ist Disney auch Mehrheitseigentümer von Hulu, einem reinen Streaming-Dienst wie Netflix oder Prime Video. Wie Disney am Donnerstag sagte, soll es Abonnements geben, die Disney+, ESPN+ und Hulu beinhalten.

          Die neue Netflix-Konkurrenzplattform hat für Disney auch einen Preis. Denn um Exklusivität für „Disney+“ zu gewährleisten und den Dienst entsprechend attraktiv zu machen, wird das Unternehmen seine Inhalte von Netflix und anderen Diensten abziehen und auf entsprechende Einnahmen verzichten. Disney rechnet damit, dass dies den Betriebsgewinn um jährlich 150 Millionen Dollar senken wird. Das soll mit den Einnahmen aus „Disney+“ ausgeglichen werden.

          Die Analysten von Moffett Nathanson trauen dem Dienst zu, bis zum Jahr 2023 mehr als 35 Millionen Abonnenten zu finden. Damit würde das Unternehmen freilich noch immer weit hinter dem Rivalen Netflix zurückliegen, der zuletzt fast 140 Millionen zahlende Kunden hatte.

          Weitere Themen

          Stellensuche per Google Video-Seite öffnen

          Digitale Jobsuche : Stellensuche per Google

          Auch in Deutschland sollen Arbeitsuchende jetzt auch auf Google zurückgreifen können: Der Internetgigant hat in Berlin seine neue Stellensuche-Funktion vorgestellt. In vielen anderen Ländern gibt es das Angebot bereits.

          Atempause im Huawei-Streit Video-Seite öffnen

          Wall Street : Atempause im Huawei-Streit

          Die Wall Street in New York schloss am Dienstag Ortszeit im Plus. Grund dafür war auch, dass Amerika sein Geschäftsverbot für Huawei am Dienstag für 90 Tage aussetzte.

          Topmeldungen

          In der Welt der Laser: Trumpf liefert eine Schlüsseltechnologie für die Chip-Herstellung durch ASML.

          An den Grenzen der Physik : Trumpf und Zeiss bauen am Superchip

          Das große Geschäft der Mikrochips boomt. Jetzt stoßen die schwäbischen Unternehmen mit dem niederländischen Spezialmaschinenbauer ASML an die Grenzen der Physik vor. Geht es noch schneller, größer und kleiner?

          Ibiza-Video : Anwalt soll Drahtzieher der Strache-Falle sein

          Ein selbst ernannter Spionage-Fachmann behauptet im österreichischen Fernsehen, er wisse, wer die Hintermänner des „Ibiza-Videos“ sind. Er habe auf dem Video einen ehemaligen Geschäftspartner aus München erkannt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.