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Streaming-Geräte : Raus aus dem starren Fernsehkorsett

Fernsehen, losgelöst von Ort und Zeit: Der Bezahlsender Sky bietet sein Programm auf dem Tablet an. Bild: dpa

Die Sehgewohnheiten der Verbraucher ändern sich. Google und Amazon reagieren darauf - und bringen eine Branche ins Wanken.

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          Google ist hartnäckig. Schon seit einiger Zeit versucht der Internetkonzern, der mit seinem Betriebssystem Android bereits auf mehr als drei Viertel aller in der Welt verkauften Smartphones vertreten ist, die großen Bildschirme zu erobern. Die Fernsehbilanz ist durchwachsen: „Google TV“ stieß vor vier Jahren auf verhaltene Akzeptanz, Verbraucher fanden es zu kompliziert. Viel besser kam das vor einem Jahr vorgestellte Gerät Chromecast an, das Smartphones und Tablets mit Fernsehern verbindet und das es seit wenigen Wochen auch in Deutschland gibt. Jetzt wagt Google offenbar einen weiteren Anlauf: Nach einem Bericht des Technologieblogs „The Verge“ arbeitet das Unternehmen an einer neuen Fernsehplattform mit dem Namen „Android TV“ - so eine Art Nachfolger von „Google TV“.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Der Bericht über das neue Google-Projekt kommt nur wenige Tage nachdem der Online-Händler Amazon eine Großoffensive für das Fernsehgeschäft angekündigt hat. Amazon stellte jetzt die Set-Top-Box Fire TV vor, ein Gerät, das es erlaubt, Filme, Fernsehshows und andere Videoinhalte auf Fernsehern abzuspielen, auch „Streaming“ genannt. Dies geschieht über integrierte Anwendungen wie den Videodienst Netflix oder hauseigene Amazon-Angebote oder durch Verbindung mit Smartphones und Tabletcomputern.

          Damit tritt Amazon nun gegen Googles Chromecast und den Marktführer Apple TV an. Alle drei Unternehmen haben damit ein Vehikel, mit dem sie ihre Online-Bibliotheken digitaler Filme und Fernsehshows vermarkten können. Solche Streaming-Geräte werden immer beliebter: Nach Angaben von Parks Associates standen sie 2013 in rund 14 Prozent aller amerikanischen Haushalte, doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren.

          Die Fernsehgewohnheiten verändern sich

          Der Aufstieg dieser Geräte spiegelt einen Trend wider: Die Fernsehgewohnheiten verändern sich. Heute kann jeder selbst bestimmen, wann er fernsieht und wo er fernsieht. Zwar verbringen die Menschen noch immer viel Zeit vor ihrem Fernseher, in den Vereinigten Staaten etwa sind es mehr als vier Stunden am Tag. Aber das traditionelle lineare Fernsehen, also das gewohnte Programm zur festen Sendezeit, scheint ein Auslaufmodell zu sein.

          Immer mehr Menschen sehen sich Filme und Shows außerhalb des starren Programmkorsetts an, das ihnen von den Fernsehanstalten vorgesetzt wird. Sie nutzen Streaming-Dienste wie Netflix und Watchever, oder sie kaufen sich Inhalte à la carte von den einschlägigen Online-Plattformen. Die Inhalte spielen sie über spezialisierte Geräte wie Apple TV ab, oder sie nutzen dazu andere Plattformen, etwa die Videospielekonsolen Play Station oder Xbox. Manche Verbraucher verzichten mittlerweile auf einen Kabelzugang. In Amerika ist vom Phänomen des „Cord Cutting“ die Rede: Menschen kappen ihren Kabelanschluss und sparen sich die damit verbundenen Gebühren. Einige Kabelanbieter wie Time Warner Cable kämpfen mit rückläufigen Abonnentenzahlen.

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