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Strategiewechsel : Daimler arbeitet an kleineren Autos

Der Smart könnte für Daimler an Bedeutung gewinnen Bild:

Zum Billigen Jakob will Mercedes nicht werden, aber für Produktionschef Schmückle ist klar, dass mehr Autos unter 25.000 Euro ins Angebot müssen. Auch der viersitzige Smart wird wieder eine Zukunft haben. Die Produktionskapazitäten sind noch längst nicht wieder ausgelastet.

          Die Autos mit dem Stern dürften in Zukunft tendenziell kleiner sein. Für Luxusmodelle wie die S-Klasse sieht Mercedes-Produktionsvorstand Rainer Schmückle zwar nach wie vor einen Markt, vor allem in den Schwellenländern: „Ihren wachsenden Wohlstand setzen die Kunden auch dort in Status um.“ Für die deutschen Standorte des Premiumherstellers gibt Schmückle daher Entwarnung: „Die Kapazitäten, die wir für die S- und E-Klasse geschaffen haben, können auch langfristig ausgelastet werden, da bin ich mir sicher.“

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Doch schneller als bisher erwartet werden auch in den Schwellenländern Ökologie und Nachhaltigkeit zum Thema, hat er beobachtet. Vorreiter in Sachen „Downsizing“ - kleinere Autos, kleinerer aber leistungsfähiger Motor - seien die westlichen Länder sowie Japan. „Wir werden stärker auch im Bereich zwischen 15.000 und 25.000 Euro spielen müssen“, kündigt Schmückle daher an. Zum Vergleich: Heute kostet die billigste A-Klasse - als Dreitürer ohne jede Sonderausstattung - knapp 20.000 Euro.

          Umstellung im Jahr 2012

          Die Gelegenheit zur Auffächerung der Produktpalette nach unten ergibt sich, wenn die bisherige A- und B-Klasse im Jahr 2012 durch eine neue Baureihe abgelöst wird, die intern MFA (Mercedes Frontarchitektur) genannt wird. Vier Varianten von diesen Kleinwagen sind bei Mercedes in Arbeit. Und Schmückle zieht noch einen Trumpf aus dem Ärmel: „Zum Glück haben wir uns ja Smart erhalten. Der Viersitzer war doch grundsätzlich keine schlechte Idee.“ Es habe möglicherweise nur an der Umsetzung gehakt.

          Die Produktion des Forfour genannten Smartmodells wurde vor gut drei Jahren gestoppt. Smart hatte über Jahre Milliardenverluste angehäuft, und schuld daran war auch das Forfour-Modell, das sich - zu Preisen ab 10.900 Euro - weitaus schlechter verkaufte als geplant. Wie die Kleinstausgabe einer A-Klasse dürfe das Auto aber nicht aussehen, gibt Schmückle vor: „Es muss smart bleiben.“

          Die veränderten Kundenwünsche treffen Daimler als Premiumhersteller in der Krise besonders hart. Obwohl die Firmenkunden ihre Budgets nicht im großen Stil gekürzt hätten, entschieden sie mittlerweile stärker mit Blick auf den Kohlendioxid-Ausstoß, bestätigt Schmückle. Entsprechend schleppend verkauft sich die in diesem Frühjahr runderneuerte S-Klasse in den angestammten Märkten.

          Hybrid-Technik noch nicht kostendeckend umgesetzt

          Das große Interesse am ökologisch korrekter wirkenden S 400 Hybrid passt dazu, hilft Daimler aber nicht weiter. Obwohl die Kunden für dieses Auto 7000 Euro mehr zahlen, ist das für den Stuttgarter Hersteller nicht kostendeckend. Um bei dieser neuen Technologie ganz sicher zu gehen, habe man eher zu viel des Guten getan, deutet Schmückle an - und entsprechend habe man durchaus Möglichkeiten, die Kosten zu drücken. Doch, sagt er strikt: „Das muss schneller gehen.“

          Den Aufwand für neue Technologien hat Daimler bisher dadurch eingespielt, dass diese überwiegend in die Luxusfahrzeuge Eingang fanden, die mit entsprechend hohen Preisen verkauft wurden. Mit der Verschiebung der Modellpalette zu kleineren Fahrzeugen begibt sich der Stuttgarter Hersteller aber in ein wettbewerbsintensiveres Umfeld, wo die Margen niedriger sind. Mit dem Werk in Ungarn, das bis 2012 fertiggestellt sein soll, versucht Mercedes für die kleineren Modelle auf ein niedrigeres Kostenniveau zu kommen. „Mercedes kann kein Allerweltsauto sein“, konstatiert Schmückle dennoch und gibt vor: „Wir müssen Premium bei kleineren Fahrzeugen neu definieren. Die Kunden wollen kein Verzicht-Fahrzeug, sondern Technik vom Feinsten, Assistenzsysteme und sonstige Annehmlichkeiten.“ Die Tatsache, dass mancher Kunde bereit sei, für eine besonders gut ausgestattete B-Klasse bis zu 40.000 Euro auszugeben, zeige, dass es klappen könnte.

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