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Strategie Bill Gates Stiftung : Gewinne als Nebenprodukt

Die Zentrale in Seattle. Bild: mauritius images

Bill Gates konzentriert sich seit 2008 fast vollständig auf wohltätige Arbeit. Seine Stiftung fährt eine ungewöhnliche Strategie – und hat einen anderen Ansatz als Mark Zuckerberg.

          5 Min.

          Bill Gates mag der reichste Mensch der Welt sein, aber das heißt nicht, dass es ihm nicht auf kleinere Geldbeträge ankommt. Die wohltätige Stiftung, die er mit seiner Frau Melinda führt, mahnt ihre Mitarbeiter zur Sparsamkeit. In den Büros der Stiftung in Seattle hängen Schilder mit einem Appell, kein Geld beim Drucken und Kopieren zu verschwenden. Es koste 4,50 Dollar, 100 Seiten in Farbe zu drucken, aber nur 50 Cent für Schwarz und Weiß. Andrew Farnum, der für Investitionen der Organisation verantwortlich ist, hat diese Mentalität verinnerlicht. Offenbar sogar so sehr, dass er manchmal auf Verwunderung stößt, wenn er versucht, am Verhandlungstisch die bestmöglichen Konditionen herauszuholen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          „Die Leute fragen dann: Musst du denn wirklich so ein harter Knochen sein?“ Aber Farnum sagt, er halte sich jedes Mal vor Augen, was die Stiftung sonst mit dem Geld machen könnte, selbst wenn es nur um kleinere Summen geht. Dass zum Beispiel ein paar Dollar helfen können, einem Kind in einem Entwicklungsland mit einem Impfstoff das Leben zu retten.

          „Wir sind hier ziemlich geschickte Investoren.“ Die Bill & Melinda Gates Foundation ist die größte Privatstiftung der Welt. Sie ist in einem modernen, erst fünf Jahre alten Campus in Gates’ Heimatstadt Seattle untergebracht und beschäftigt fast 1400 Menschen. Sie entstand im Jahr 2000, ungefähr zur Zeit, als Gates anfing, in dem von ihm gegründeten Softwarekonzern Microsoft etwas kürzerzutreten.

          Seit 2008 konzentriert er sich fast vollständig auf die wohltätige Arbeit. Die Stiftung hat ein Vermögen von fast 40 Milliarden Dollar, und sie gibt jedes Jahr um die vier Milliarden Dollar für karitative Zwecke aus. Ein großer Teil ihrer Arbeit zielt auf Entwicklungsländer. Hier versucht sie zum Beispiel, Krankheiten wie Malaria und Polio zu bekämpfen, HIV-Infektionen zu reduzieren, Frauen Zugang zu Verhütungsmitteln zu verschaffen und Bauern zu helfen, ihre Produktivität zu erhöhen.

          Sie ist aber auch in ihrer amerikanischen Heimat aktiv, wo sie daran arbeitet, unterprivilegierten Kindern eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Die Projekte der Gates-Stiftung sind überwiegend längerfristiger Natur, wobei ein kleiner Teil des Budgets auch für akute Notfallhilfe reserviert ist, etwa nach dem Erdbeben in Nepal im vergangenen Jahr.

          Stiftung unterstützt seit einigen Jahren auch gewinnorientierte Unternehmen

          Traditionell gibt die Gates-Stiftung ihr Geld an wohltätige Organisationen ohne Gewinnabsicht. Seit einigen Jahren unterstützt sie aber verstärkt auch gewinnorientierte Unternehmen und agiert dabei ähnlich wie ein Wagniskapitalgeber für junge Start-up-Gesellschaften. Genau diese Investitionen verantwortet Andrew Farnum, und die Stiftung hat dafür mittlerweile 1,5 Milliarden Dollar bereitgestellt.

          Das Kalkül dahinter: Die Gates-Stiftung ist in vielen ihrer Projekte auf innovative Technologien angewiesen, und die kommen oft von Unternehmen. „Wir versuchen hier, einige der schwierigsten Probleme auf der Welt zu lösen, und dazu müssen wir auch die Privatwirtschaft nutzen“, sagt Farnum.

          Seine Abteilung versteht sich als das strategische Investmentvehikel der Gates-Stiftung. Sie ist unabhängig von den Investmentmanagern, die damit betraut sind, das Stiftungsvermögen möglichst gewinnbringend anzulegen. Anders als denen geht es Farnum gerade nicht um Rendite, und er sagt, er werde auch nicht daran gemessen oder danach bezahlt. „Unsere einzige Motivation ist es, dabei zu helfen, dass die Stiftung ihre Ziele erreicht.“ Zu dieser ungewöhnlichen Art des Investierens ist die Gates-Stiftung ein Stück weit gezwungen. Denn Engagements von Stiftungen müssen in Amerika wohltätigen Zwecken dienen.

          Anders ist dies bei dem karitativen Projekt, das Mark Zuckerberg, der Vorstandsvorsitzende des sozialen Netzwerks Facebook, im vergangenen Jahr mit seiner Frau Priscilla Chan angestoßen hat. Deren „Zuckerberg Chan Initiative“ ist keine traditionelle Stiftung wie die Organisation von Gates, sondern eine „Limited Liability Company“, eine amerikanische Variante der deutschen GmbH. Mit dieser Struktur kann sie ohne größere Einschränkungen in gewinnorientierte Unternehmen investieren und hat dies auch schon getan.

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