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Strafen und Regeln : Zahltage für die Banken

  • Aktualisiert am

Bankentürme in Frankfurt Bild: Wonge

Für die Banken wird es teuer. Sie müssen Strafen für alte Sünden zahlen, neue Regeln beachten und für die nächste Krise vorsorgen. Hier sind ihre fünf wichtigsten Rechnungen.

          1. Höhere Bankenabgabe:

          Die Europäische Union will einen Fonds zur Krisenvorsorge einrichten, aus dem Pleitebanken gestützt werden. Einzahlen sollen die Banken. Bisher gibt es schon Fonds in einzelnen Ländern, die in der gemeinsamen Kasse aufgehen sollen. Der gemeinsame Fonds soll größer sein - auf die deutschen Banken kommen nach ersten Schätzungen Zahlungen von einer Milliarde Euro im Jahr zu. Ob das Geld ausreicht, ist trotzdem unsicher.

          2. Unsichere Staatsanleihen

          Auch mit Staatsanleihen kann man Verlust machen - das hat sich spätestens in der Eurokrise gezeigt. Die staatlichen Regulierungsbehörden haben das lange ignoriert. Sie verlangen dass die Banken jeden Kredit zum Teil aus ihrem Eigenkapital finanzieren anstatt aus geliehenem Geld, damit sie einen Sicherheitspuffer haben, falls der Kredit nicht zurückgezahlt wird. Für Staatsanleihen ist das bisher aber nicht nötig. Am Donnerstag hat die Europäische Zentralbank erkennen lassen, dass sich das auf Dauer ändern könnte. Weil die Banken Hunderte von Milliarden an Staaten verliehen haben, müssten sie diese Staatsanleihen verkaufen oder einige Milliarden an eigenem Geld als Sicherheitspuffer vorsehen. Beim anstehenden Stresstest will die EZB die Staatsanleihen schon mal als riskant berücksichtigen.

          3. Höhere Eigenkapital-Anforderungen

          Nicht nur für Staatsanleihen müssen die Banken mehr Geld vorhalten, auch die Eigenkapital-Regeln für andere Wertpapiere werden schärfer. Allein für den Teil der neuen Regeln, die schon gelten, schätzt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Kosten für die deutschen Banken auf sieben Milliarden Euro.

          4. Eigenhandels-Verbot

          Der Eigenhandel war lange eine lukrative Einnahmequelle der Banken, also die Spekulation an der Börse auf eigene Rechnung. Die so genannte „Volcker-Regel“, die in Amerika gerade beschlossen wird, verbietet den Eigenhandel mit der Idee, dass Banken dadurch sicherer werden sollen. Zwar ist nicht ganz klar, was als Eigenhandel zählt und womit die Banken wirklich aufhören müssen. Einiges haben die Banken schon beendet. Die Ratingagentur Standard & Poor's schätzt, dass die Gewinne der acht größten amerikanischen Banken um bis zu 10 Milliarden Dollar im Jahr sinken könnten - vor allem die von Goldman Sachs.

          5. Strafen

          Für Verfehlungen in der Finanzkrise und in anderen Skandalen haben die Banken in den vergangenen Monaten viele Strafen aufgebrummt bekommen. Heute wurde bekannt, dass J.P. Morgan allein für den Skandal um den Vermögensverwalter Bernhard Madoff eine Milliarde Dollar zahlt. Die Deutsche Bank hat vier Milliarden Euro zurückgelegt. Anfang November zeigte ein Überblick, dass sich die Strafen allein für Amerikas Banken auf mehr als 100 Milliarden Dollar summieren.

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