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Strafanzeige der Bafin : Freenet-Chef Spoerr wegen Insiderhandels angeklagt

  • -Aktualisiert am

Eckhard Spoerr Bild: ddp

Freenet-Chef Eckhard Spoerr steht abermals Ärger ins Haus. Der Verkauf von 80.000 Aktien im August 2004 - kurz vor der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen - bringt ihn nun vor Gericht: Verdacht auf Insiderhandel.

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          Der Vorstandsvorsitzende des Telekommunikationsunternehmens Freenet, Eckhard Spoerr, und sein Finanzvorstand Axel Krieger kommen wegen des Verdachts auf Insiderhandel vor Gericht. Das bestätigte eine Sprecherin des Landgerichts Hamburg am Dienstag der F.A.Z. Die zuständige Wirtschaftsstrafkammer habe die Anklage der Staatsanwaltschaft in vollem Umfang zugelassen, sagte sie. Anträge der Verteidiger, zuvor Entlastungsbeweise zu erheben, habe das Gericht abgelehnt.

          Ein solcher Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz kann mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden. Die Zulassung einer Anklage bedeutet nach der Strafprozessordnung, dass die für die spätere Hauptverhandlung zuständigen Richter eine Verurteilung für wahrscheinlich halten.

          Spoerr steht bereits wegen seines Gehalts in der Kritik

          Das Verfahren geht zurück auf eine Strafanzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Diese hatte Auffälligkeiten im Handel mit Freenet-Aktien entdeckt. Deren Kurs sank schon kurz vor der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen im August 2004 auffällig; danach brach er ein. Kurz zuvor hatten Spoerr und Krieger jeweils knapp 80.000 Anteile verkauft, die aus der Umwandlung von Aktienoptionen stammten. Die beiden Manager verteidigten sich mit dem Hinweis, sie hätten ihre Optionen lediglich zu diesem Zeitpunkt umwandeln können. Die Geschäfte hätten sie zudem wie vorgeschrieben gemeldet.

          Die Anklage kommt nur wenige Tage nach der turbulenten Hauptversammlung des Unternehmens, in der Freenet die Machtübernahme der Großaktionäre United Internet und Drillisch nur mit Mühe verhindern konnte. Auch Spoerr stand auf dem Aktionärstreffen in der Kritik: Er hatte im vergangenen Jahr 4,4 Millionen Euro Gehalt bekommen; der Großteil stammt aus Aktienoptionen. Damit gehörte Spoerr zu den Spitzenverdienern der deutschen Wirtschaft.

          Die Aktionäre haben ihm dafür einen Denkzettel verpasst: Seiner Entlastung als Vorstand der Freenet AG stimmmten nur 57 Prozent der anwesenden Aktionäre zu. Die Anzeige kommt für ihn in einer schlechten Zeit, denn der Freenet-Großaktionär, die Beteiligungsgesellschaft Permira, macht sich ohnehin schon Sorgen um Spoerrs Ruf am Kapitalmarkt. Der könnte nun ganz ramponiert sein.

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