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Stiftung Warentest : Jeder dritte Fernzug ist unpünktlich

  • Aktualisiert am

Doch jetzt ist es viel zu spät: Warten auf den Zug in Freiburg Bild: dpa

Wer öfter mit der Bahn fährt, klagt schon mal über Verspätungen. Mit Recht? Nun kommt eine Auswertung zu dem Schluss: Jeder dritte Fernzug ist unpünktlich - am häufigsten in Erfurt.

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          Die Deutsche Bahn kommt - aber auch oft zu spät: Zwischen Juli 2010 und Ende Februar dieses Jahres hatte jeder dritte Fernzug mindestens sechs Minuten Verspätung. Das ergab eine Auswertung von 500.000 Ankünften an 20 deutschen Bahnhöfen, teilte die Stiftung Warentest in Berlin mit. Da die Regionalzüge häufig nicht mehr auf Anschlussreisende warteten, verpassten viele Kunden ihre Anschlusszüge.

          Die Deutsche Bahn widerspricht nicht direkt. Sie sagt, dass die Statistik einen falschen Eindruck vermittelt. In der achtmonatigen Erhebungsphase lägen mehrere Streiktage und der Winter. „Damit verkennt die Studie, dass an den meisten Tagen die Pünktlichkeit wesentlich besser als ermittelt liegt“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Im Jahresdurchschnitt liege die Pünktlichkeitsquote seit Jahren konstant bei mehr als 90 Prozent. Anschlusszüge würden zu über 93 Prozent erreicht. Diese Werte seien „für eines der weltweit
          komplexesten Bahnsysteme gut“. Wie bisher nannte die Bahn auch am Donnerstag keine nach Zugarten oder Zeiträumen gegliederten Zahlen zu den Verspätungen.

          Im untersuchten Zeitraum war der Bahnbetrieb unter anderem durch hochsommerliche Unwetter, durch Eis und Schnee sowie mehrere Warnstreiks beeinträchtigt. Ausgefallene Züge wurden nicht berücksichtigt. Der bundeseigene Konzern fährt täglich knapp 27 000 Personenzüge mit mehr als 5,3 Millionen Reisenden.

          Köln und Berlin knapp vor Hamburg

          Die Bahn will für rund sechs Milliarden Euro zunächst 220 Fernzüge bei Siemens kaufen und hat Doppelstock-Fernzüge bei Bombardier bestellt, die von Ende 2013 an eingesetzt werden sollen (siehe Bahn-Aufsichtsrat billigt Milliardenauftrag für Siemens). Schon von Dezember 2011 an sollen 16 neue ICE 3 eingesetzt werden. Um mehr Züge zur Verfügung zu haben, werden außerdem Intercity und ältere ICE derzeit technisch überholt und modernisiert.

          Besser als der Fern- schnitt der Nahverkehr ab. Nach Auswertung von 850.000 Ankünften waren demnach 15 Prozent der Regionalzüge zu spät. Ein Zug gilt als unpünktlich, wenn er mehr als fünf Minuten über Plan ist. Der Anteil der Verspätungen ab sechs Minuten war in Erfurt mit 43 Prozent am höchsten, gefolgt von Leipzig mit 39 Prozent, Hamburg mit 38 Prozent und Berlin und Köln mit jeweils 37 Prozent. Für die Studie haben die Tester Pünktlichkeitsinformationen von der Internetseite der Bahn erfasst.

          Je weiter Züge fahren, desto höher sei das Verspätungsrisiko, erläuterte die Stiftung Warentest. So seien 42 Prozent der über lange Strecken rollenden Nachtzüge unpünktlich gewesen, ICE und Eurocity zu 34 Prozent und Intercity zu 29 Prozent. Im Untersuchungszeitraum war der Bahnbetrieb unter anderem durch hochsommerliche Unwetter, Eis und Schnee sowie mehrere Warnstreiks beeinträchtigt. Ausgefallene Züge wurden nicht berücksichtigt. Der bundeseigene Konzern fährt täglich knapp 27 000 Personenzüge mit mehr als 5,3 Millionen Reisenden.

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