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Stellenreport : Welche Unternehmen wieder einstellen

Bild: AP, DPA, DDP

Die großen Unternehmen haben in diesem Jahr doppelt so viele Stellen geschaffen wie gestrichen. Während Pharmahersteller und Banken Stellen abbauen, überwiegt in anderen Branchen der Stellenaufbau. Die meisten Arbeitsplätze haben die Deutsche Telekom, der Staubsaugerhersteller Vorwerk und der Schraubenhändler Würth geschaffen.

          „Wie was wo, weiß Obi“, richtet sich an die Kunden der Baumarktkette – und an die Mitarbeiter. Der Handelskonzern Otto ist noch konsequenter. „Ich bin Otto“ richtet sich nur an die Mitarbeiter. Unter diesem Motto hat das Hamburger Handelsunternehmen eine Veranstaltungsreihe initiiert, die Verantwortungsgefühl und die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern fördern soll, die vor allem aber die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen Otto erhöhen soll. Im Mittelpunkt der Reihe stehen gemeinsame Erlebnisse. Das Management ist davon überzeugt, dass gemeinsame Erlebnisse zusammenführen sowie den Zusammenhalt und die Zugehörigkeit erhöhen. Es gab Fashion-Days, an denen sich die Mitarbeiter von Visagisten und Fotografen einkleiden und ablichten lassen durften. Es gab Network Days, an denen sich Mitarbeiter blind mit ihnen unbekannten Kollegen zum Essen verabredeten. Es gab Drivers Days und die Otto-Weltmeisterschaft in verschiedenen sportlichen Disziplinen. Immer geht des darum, etwas gemeinsam mit Kollegen zu machen, auch mit bis dahin unbekannten Kollegen – um am Ende die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen zu erhöhen. „Ich bin Otto“ ist das Ziel all dieser Aktionen. Die Mitarbeiter sollen stolz sein auf ihr Unternehmen – und sie sollen bleiben, lange bleiben.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Von Mobilität wird wieder leiser gesprochen, seitdem es schwer wird, ausscheidende Mitarbeiter zu ersetzen, vor allem durch gute Nachwuchskräfte. Daher nimmt einerseits die Bedeutung von Werbemaßnahmen in Richtung Arbeitsmarkt zu, andererseits gewinnen auch Motivationsaktionen in den Unternehmen immer größere Bedeutung.

          Binnen weniger Monate hat sich die Lage am Arbeitsmarkt völlig gedreht. Wie die Unternehmen von Stellenabbau auf Stellenaufbau und Mitarbeitererhalt umgeschaltet haben, zeigen deutlich die Zahlen der Stellenstreichungen und Neueinstellungen, wie sie das F.A.Z.-Archiv seit Jahren ermittelt. In die Zahlen fließen alle öffentlich bekanntgemachten Personalveränderungen der Unternehmen ein, die jeweils mehr als 100 Personen betreffen. Im Krisenjahr 2009 haben die Unternehmen allein oberhalb dieser Marke mehr als 100 000 Stellen gestrichen und nur gut 37 000 geschaffen. Im laufenden Jahr sanken die Stellenstreichungen dramatisch von 104 295 auf 23 181, während die Zahl der geschaffenen Stellen zwar nur von 37 450 auf 47 249 stieg, aber immerhin die Stellenstreichungen erstmals wieder um mehr als das Doppelte übertraf (siehe Grafik). Außer in der Pharmabranche und in der Finanzwirtschaft wird fast überall wieder eingestellt. Das Thema Kurzarbeit, mit dem in der Krise die Fachkräfte weitgehend gehalten wurden, ist aus der aktuellen Diskussion verschwunden. Der Fachkräftemangel ist zum beherrschenden Thema geworden.

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