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Stefan Piëch im Porträt : „Die Firma hat nichts mit der Familie zu tun“

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Abgesehen von der Diskretion, gehört dazu der Verzicht auf eine Karriere im Konzern der Familie. Im operativen Geschäft von Porsche haben sie nichts verloren. So haben es die Clans in den siebziger Jahren beschlossen. Damals hatten sie sich derart zerstritten, dass auch ein zu Hilfe gerufener Therapeut nichts mehr ausrichten konnte. Beide Zweige zogen sich aus dem Porsche-Management zurück und widmeten sich eigenen Geschäften. Mitglieder der Familie betätigen sich als Weinhändler, Seilbahnbetreiber oder Uhrenfabrikanten. Stefan Piëchs Altersgenossen der vierten Generation finanzieren heute private Schulen wie Private-Equity-Fonds. Nur das Vererbte verprassen, das geht gar nicht. Niemand verdient mehr Verachtung als jene, die ihr Geld mit Saus und Braus auf Yachten verjubeln. „Diese Erbengemeinschaft widert mich an“, hat Ferdinand Piëch einmal gesagt. Neffe Stefan schaudert mit, allein bei dem Gedanken an diese Gesellschaft.

Stellt er sich Fremden vor, kann er förmlich hören, wie der Schalter umkippt

Stefan Piëch ist Geschäftsmann, Vorstandsvorsitzender einer börsennotierten Aktiengesellschaft und gleichzeitig deren Großaktionär: Mehr als achtzig Prozent an „Your family entertainment“ hält seine private Holding, die aus nicht viel mehr besteht als seinem Wiener Büro samt Assistentin. „Ich gehe meinen eigenen Weg“, sagt Piëch. „Die Firma hat nichts mit der Familie zu tun.“ Hier steckt sein Herzblut und sein Geld.

Er betont das auch deshalb, weil er um die Vorbehalte weiß, die einem Erben seiner Kragenweite entgegenschlagen. Stellt er sich Fremden vor, kann er förmlich hören, wie es klackt, wie der Schalter umkippt: Aha, Millionärssohn. Der bekommt ein wenig Spielgeld, um sich auszuprobieren. Es kränkt den Manager Piëch, wenn ihm der kaufmännische Ernst abgesprochen wird. „Ich stehe für dieses Unternehmen. Damit es funktioniert, muss ich auch Rendite erwirtschaften.“ Nicht mit Sportwagen, sondern im Filmgeschäft. Was ihn mindestens ebenso inspiriert.

„Im Kopf hatte ich Lars von Triers Dogma-Filme“

Schon als Knabe hat er mit der Kamera hantiert. Begeisterter Fotograf ist er bis heute, so gerne, wie er in der Freizeit malt. Beruflich verbindet ihn mit der PS-Branche nicht mehr als eine Episode als Rallyefahrer, außerdem mehrere Praktika in Frankreich und Japan; Hyundai, Chrysler, Mitsubishi hießen die Stationen, sowie Porsche France - so nahe durfte Piëch dem Familienkonzern kommen.

Studiert hat er in Schottland, weil nur dort eine Kombination aus Kino und Kaufmännischem angeboten wurde. Es folgte ein beachteter wissenschaftlicher Aufsatz über die Privatisierung der tschechischen Filmindustrie sowie die Dissertation an der Universität Klagenfurt, eine „kommunikationstheoretische Analyse der Filmindustrie“. So viel zum theoretischen Überbau.

Nach Deutschland kam der Mann mit dem österreichischen Pass schließlich aufgrund persönlicher Kontakte und der simplen Tatsache, derentwegen so viele seiner Landsleute hier landen: In Österreich gibt es keine nennenswerte Filmindustrie. Als er in München, in der hitzigen Endphase der New Economy, seine ersten Schritte in der Branche tut, trägt er noch den Idealismus der Hochschule in sich: „Im Kopf hatte ich Lars von Triers Dogma-Filme und ein bisschen Rainer Werner Fassbinder.“ Schnell wundert er sich über die Aufschneider und Hallodris, die in dem Gewerbe unterwegs sind.

„Wir sind eigentlich ein Start-up

Seine jetzige Firma hat er vor drei Jahren kurz vor der Pleite erstanden. Die Deutsche Bank als wichtiger Gläubiger von RTV hatte sie ihm angetragen. Piëch wollte das Investment als Aufsichtsrat begleiten. Den Plan musste er ändern, als die Firma Richtung Abgrund taumelte. Er entließ den Vorstandschef und machte sich selbst zum Nachfolger. Wie groß die Not war, lässt sich schon daran ablesen, dass die Abfindung für den Ex-Vorstand in 5000-Euro-Raten abgestottert wurde. Piëch selbst arbeitete anfangs ohne Gehalt, jetzt verdient er 124.000 Euro im Jahr. Ein Witz, verglichen mit dem 60-Millionen-Salär des obersten Angestellten seiner Familie, Wendelin Wiedeking. Der freilich hat aus dem damaligen Pleitekandidaten Porsche einen Börsenstar gemacht. Bis dahin ist der Weg für Stefan Piëch weit.

Mühsam kämpft er um das Vertrauen der Investoren in seine Firma. Analysten loben zwar seine weltweit vermarktbaren Titel und Lizenzen, die Märkte gieren aber nicht nach Fix & Foxi. Piëchs Aktie notiert hartnäckig unter zwei Euro, die Firma ist im Moment gerade zehn Millionen Euro wert. Es waren schon mehr Nullen, damals, als die Vorgängerfirma tönte, sie sei auf dem Weg, „Europas führender TV-Produzent“ zu werden. Damals hat man Büros in London, Sydney und Amsterdam eröffnet, in Australien ein Trickfilm-Studio gekauft. „Das liegt jetzt verpackt in 60 Kisten in Garching“, sagt Stefan Piëch. „Wir sind eigentlich ein Start-up.“

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