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Staubsauger : Hat Bosch betrogen wie VW?

James Dyson Bild: APN

Der Staubsaugerhersteller Dyson wirft seinem Rivalen Bosch Tricks bei Energiespartests vor. Die Staubsauger von Bosch hätten in Wirklichkeit einen höheren Stromverbrauch.

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          Der britische Staubsaugerhersteller Dyson wirft seinem deutschen Konkurrenten Bosch technische Manipulationen vor, die mit dem Skandal bei Volkswagen vergleichbar seien. Der Stuttgarter Rivale habe in einigen seiner Staubsauger Elektronik installiert, die einen geringeren Stromverbrauch vortäusche. Bosch erschwindle sich damit Energiespar-Gütesiegel der EU für Haushaltsgeräte. „Ihr Verhalten ähnelt demjenigen im Volkswagen-Skandal“, sagte der Unternehmensgründer James Dyson. In einem Gespräch mit der Londoner Zeitung „Daily Telegraph“ warf der Brite dem Wettbewerber „eine schwerwiegende Irreführung der Kunden“ vor. Dyson hat deshalb nach eigenen Angaben in Deutschland, Belgien und den Niederlanden Klagen gegen Bosch eingereicht.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Bosch weist die Manipulationsvorwürfe kategorisch zurück: Alle Staubsauger würden im Einklang mit den Anforderungen der EU-Ökodesignrichtlinie für Staubsauger geprüft, sagte ein Sprecher der Hausgerätesparte BSH auf Anfrage. Die EU-Richtlinie für Staubsauger gebe standardisierte Messverfahren bindend vor. Die Werte des Energielabels, die im Labor gemessen werden, könnten gleichermaßen auch beim Kunden zuhause erzielt werden. Bosch behalte sich vor, wegen der falschen Anschuldigungen rechtliche Schritte gegen Dyson einzuleiten, sagte der Sprecher.

          Dyson-Staubsauger
          Dyson-Staubsauger : Bild: Frank Röth

          Es wäre nicht der erste juristische Clinch zwischen Dyson und Bosch: Vor drei Jahren verklagten die Briten den Konkurrenten wegen angeblicher Industriespionage. Ein Mitarbeiter in der streng abgeschirmten Entwicklungsabteilung von Dyson habe ohne Wissen des Unternehmens parallel einen Beratervertrag mit Bosch abgeschlossen. Der deutsche Konzern habe so von wertvollen technischen Informationen über einen von Dyson mit hohem Aufwand entwickelten Elektromotor profitiert.

          Dyson: Die Energiespartests sind wirklichkeitsfremd

          In seiner neuen Fehde mit Bosch wirft Dyson auch den staatlichen Aufsichtsbehörden Augenwischerei vor. Denn ihre Energiespartests seien wirklichkeitsfremd. Ähnlich wie bei den Abgastests von Autos ergibt sich allein aus dem Versuchsaufbau eine Abweichung zwischen normalem Gebrauch und Testergebnis. Während ein Testzyklus für Autoabgase niemals den alltäglichen Autoverkehr simulieren kann, findet auch der Energieverbrauchstest für Staubsauger unter definitiv unrealistischen Umständen statt: mit leerem Staubsaugerbeutel. Begründet wird das mit der Vergleichbarkeit des Tests.

          Im Haushalt freilich füllt sich der Beutel im Staubsauger im Nu – und damit muss die Luft quasi durch einen immer größeren Widerstand gesaugt werden. Logische Konsequenz wäre eine nachlassende Saugleistung. Einige Modelle der Marken Bosch und Siemens haben seit 2013 eine Motorsteuerung eingebaut, die dieses Problem beseitigt: „Die Steuerung sorgt dafür, dass die Saugleistung immer optimal ist, egal wie voll der Beutel ist“, heißt es bei Bosch. Dadurch steigt der Energieverbrauch tatsächlich an – in diesem Zustand wäre eine Energieeffizienz im A-Bereich kaum gegeben. Allerdings gibt man bei Bosch auch zu bedenken, dass ohne diese Steuerung länger gesaugt werden müsste, sodass die insgesamt benötigte Energie dann zumindest gleich groß, vielleicht sogar größer wäre.

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