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Delivery Hero & Co. : Deutsche Start-ups erhalten so viel Geld wie nie

  • -Aktualisiert am

Der Lieferdienst „Foodora“ gehört zu „Delivery Hero“. Bild: dpa

Internationale Investoren interessieren sich kaum für die Ideen aufstrebender deutscher Jungunternehmer? Von wegen! Das Geld fließt vor allem in eine Stadt.

          2 Min.

          Es ist eine der häufigsten Klagen deutscher Start-ups in den vergangenen Jahren gewesen: Internationale Investoren würden sich für sie kaum interessieren, nur selten Kapital für das weitere Wachstum investieren. Doch das hat sich im vergangenen Jahr deutlich geändert, wie eine bislang unveröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft EY zeigt.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Demnach hatten die 100 größten deutschen Start-ups seit ihrer Gründung bis Ende 2016 erst rund 5,9 Milliarden Dollar an Wagniskapital eingesammelt. Im vergangenen Jahr aber kamen noch einmal 2,6 Milliarden Dollar dazu. Das war ein Anstieg um 44 Prozent.

          Softbank und Temasek

          Der Begriff Wagniskapital wird für jenes Geld verwendet, das etwa Banken, aber auch Industriekonzerne in neu gegründete Unternehmen stecken – in der Hoffnung auf große Wertsteigerungen, aber auch mit dem Risiko, am Ende alles zu verlieren. EY weist in der Studie alle Beträge in Dollar aus, weil das Kapital in den meisten Fällen nicht aus Europa kommt.

          Am Essenslieferdienst Delivery Hero zum Beispiel beteiligte sich unlängst der südafrikanische Medienkonzern Naspers, die Auto-Plattform Auto1 bekam Geld von mehreren amerikanischen Banken und dem japanischen Softbank-Konzern. Am Musikdienst Soundcloud wiederum ist Temasek beteiligt, der Staatsfonds aus Singapur.

          Interessant an der Studie sind nicht nur die gestiegenen Summen, sondern auch die Frage, wohin das Geld fließt: in aller Regel nach Berlin. Knapp 70 Prozent des gesamten bisherigen Investitionsvolumens – 5,9 von 8,5 Milliarden Dollar – konnten Gründer aus der Hauptstadt für sich verbuchen. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Hamburg und München mit einem Anteil von jeweils 8 Prozent. Start-ups aus Frankfurt kommen dagegen nur auf 0,6 Prozent und liegen damit noch hinter denen aus Karlsruhe.

          „Wir sehen in Deutschland deutlich mehr große Finanzierungsrunden als früher“, sagt Thomas Prüver, Partner der Beratungsgesellschaft. Für die größten deutschen Start-ups sind Beträge im dreistelligen Millionenbereich mittlerweile keine Ausnahme mehr, sondern eher die Regel. Den Investoren macht dabei offenbar Mut, dass mehreren deutschen Start-ups zuletzt der Sprung an die Börse gelang.

          Beispiel Delivery Hero: Während die Aktie zu ihrem Börsendebüt am 30. Juni noch mit einem Ausgabekurs von 25,50 Euro startete, pendelt sie derzeit um einen Wert von 35 Euro. Auch der Wettbewerber Hello Fresh schlägt sich an der Börse wacker: Seit der Erstnotiz im November hat die Aktie rund ein Viertel an Wert gewonnen. Überhaupt erfreuen sich Start-ups rund ums Essen offenbar großer Beliebtheit. Sie konnten bislang mit Abstand das meiste Wagniskapital auf sich vereinen: rund 2,3 Milliarden Dollar.

          Glaubt man der Studie, dürfte der jüngste Finanzierungsschub kein vorübergehendes Phänomen sein. Allein im vergangenen Jahr hätten die Wagniskapitalgeber knapp 8 Milliarden Dollar eingesammelt, die sie jetzt vor allem im deutschen Markt investieren wollten, sagt Prüver. Er wertete dies als ein Zeichen dafür, dass die deutsche Start-up-Szene erwachsen geworden sei. Nur wenn es um stark technikgetriebene Unternehmen gehe, etwa im Bereich Künstliche Intelligenz oder Blockchain, hielten sich die Investoren hierzulande noch zurück. „Mit dem notwendigen politischen Rückenwind“, so Prüver, könnte sich aber auch das noch ändern.

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