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Start-up Unternehmen : Billig-Carsharing soll das Ruhrgebiet erobern

  • -Aktualisiert am

Günstige Mietautos für verarmte Städte: Sonnenuntergang an der A 40 in Essen Bild: dpa

Bochum, Duisburg, Essen und Dortmund: Im Herbst will Citeecar mit seinem günstigen Tarifmodell das Carsharing in den vier Städten aufmischen. Immer mehr junge Leute sind potentielle Kunden.

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          Selten ist schneller aus einer Geschäftsidee ein veritables Unternehmen geworden. „Im Januar 2012 existierte Citeecar nur in Form einer Power-Point-Präsentation“, erzählt Bill Jones, der Gründer, Vorstandsvorsitzende und Miteigentümer des Luxemburger Carsharing-Unternehmens Citeecar. Damals arbeitete der Vertriebsmanager für die Luxemburger Wagniskapitalgesellschaft Mangrove. Er beriet die Geldgeber im Investment in Carsharing-Betriebe, bis er auf die Idee kam, selbst ein Carsharing-Konzept zu entwerfen.

          Das Besondere an Citeecar im Vergleich zur großen Schar der Konkurrenten wie Car-2-go, Flinkster oder Cambio: Die Autos werden weitaus billiger und meist nur kurz vermietet – für Gelegenheiten wie den großen Lebensmittelwocheneinkauf, die Fahrt zum Flughafen, den Tag bei Ikea oder den Familienausflug. „Wir haben von den Billigfluggesellschaften abgeguckt und gelernt“, sagt Jones – ein Mittfünfziger im Anzug, aber ohne Krawatte und dafür mit Goldkettchen. Untergestellt werden die Mietautos bei so genannten Hosts (Gastgebern), die über eine Garage oder einen Parkplatz samt Anwohnerausweis verfügen.

          Citeecar ist sehr schnell gewachsen. Inzwischen ist das Unternehmen schon 23 Millionen Euro wert, wie sich bei einer Finanzierungsrunde im Frühling zeigte, bei der Mangrove Anteile an neue Eigentümer weiterreichte. Rund 20 Prozent der Aktien gingen an den im Dunstkreis der Familien Piëch und Porsche operierenden Investor Bscope.

          Der nächste große Expansionsschritt

          Anfangs hatte Citeecar seine Autos in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt für die Kurzzeitmiete bereitgestellt. Jetzt erfolgt der nächste große Expansionsschritt: Nach Informationen wird Citeecar Anfang September mit seinem günstigen Tarifmodell gleich in vier Städten des Ruhrgebiets starten: in Bochum, Duisburg, Essen und Dortmund. Bis zum Jahresende 2014 soll sich die Flotte auf fast 1000 Fahrzeuge verdoppeln. Von 2015 an ist die Expansion in andere europäische Länder geplant.

          Da die Autos während der meisten Werktage überwiegend ungenutzt herumstehen, weil sie vor allem morgens, abends und am Wochenende gebraucht werden, sollen nun verstärkt gewerbliche Kunden angesprochen werden. Unternehmen könnten einen Parkplatz für ein Auto von Citeecar bereitstellen und hätten damit preiswert ein Auto für ihre Angestellten zur Verfügung, wenn diese kleinere Stadtfahrten machen müssen.

          „Unser Modell funktioniert am besten dort, wo die Stadtverwaltungen das Carsharing grundsätzlich unterstützen“, sagt Jones. Die Hilfe der Kommunen benötigt er beispielsweise, weil die Behörden die Führerscheine neuer Mitglieder prüfen müssen. Erst wenn das geschehen ist, können die Kunden eine RFID-Karte erhalten, die ihnen den Zutritt zu den Autos ermöglicht.

          Der Trend hin zum Carsharing

          Citeecar ist derzeit einer der erfolgreichsten Vorreiter für einen breiten Trend: Immer mehr Stadtbewohner verzichten auf ein eigenes Auto und wollen stattdessen nur noch gelegentlich ein Fahrzeug nutzen können. Nach den Daten des Bundesverbands Carsharing setzen mittlerweile mehr als 750000 Fahrberechtigte auf das Prinzip „Nutzen statt Besitzen“ auf deutschen Straßen. Damit dauerte der seit Jahren beobachtete Trend 2013 an. Mehr als 1,1 Prozent der Bevölkerung Deutschlands über 17 Jahre nehmen inzwischen am Carsharing teil.

          Nach einer Umfrage von Citeecar unter 900 der eigenen Mitglieder ist der typische Carsharing-Nutzer jung, gut ausgebildet, ledig und kinderlos. Es gebe aber auch klare Anzeichen dafür, dass mehr über 50-Jährige häufiger als bisher Nutzer würden. Drei Viertel der Nutzer sind Männer, zwei Drittel unverheiratet und die Hälfte zwischen 26 und 40 Jahre alt.

          Bei Citeecar zählt Unternehmensgründer Jones inzwischen 12000 registrierte Nutzer. Jeden Monat erfolgen fast 10000 Buchungen. Die Autos werden 50000 Stunden im Monat gemietet und fahren 300000 Kilometer im Monat. Am Anfang verlangte Citeecar noch eine monatliche Grundgebühr von 5 Euro von jedem Kunden. Das wollten die Leute nicht, deshalb wurde die Gebühr abgeschafft. Jetzt wird nur noch der Tarif von 2 Euro je Stunde zuzüglich 24 Cent Gebühr je Kilometer gezahlt. Nachts – zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens – ist es sogar nur 1 Euro je Stunde. Wer eine Vollkaskoversicherung wünscht, zahlt noch einmal 75 Cent je Stunde. Ansonsten gilt eine Selbstbeteiligung von 1000 Euro bei Unfallschäden. Der Preisvergleich mit Wettbewerbern fällt dem Anschein nach eindeutig aus: Ein dreistündiger Einkauf mit 15 Kilometern Fahrt kostet mit Citeecar 6 Euro – mit der Tochtergesellschaft von Daimler, Car-2-go, dagegen fast 39 Euro. Das Start-up wirbt deshalb damit, billigster Carsharing-Anbieter der Welt zu sein.

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