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Start-up Share : Jeder Riegel eine Spende

Sebastian Stricker im Mai 2018 in Liberia Bild: Stathis Klotsikas

Sebastian Stricker wurde vom Berater zum Entwicklungshelfer – und gründete dann ein Unternehmen, das Konsum und Hilfe für Menschen in Not vereinen soll. Das gelingt dank mächtiger Partner.

          Auf den ersten Blick sieht das Büro des Start-Ups Share aus, wie eine hippe Gründerbude heutzutage eben so aussieht: Ein rotes Backsteingebäude in Berlin Kreuzberg, ein großer, luftiger Raum in den ein paar Schreibtische gestreut wurden, und mitten drin eine Tischtennisplatte, die dem Besucher vermitteln soll: Hier bei Share haben wir Spaß bei der Arbeit. Doch dann zeigt Gründer Sebastian Stricker auf ein kleines Holzregal und schon wird klar, dass es hier um eine ernste Sache geht. Die Gegenstände, die darin liegen, erzählen von einer anderen, einer traurigen Welt, fernab der pulsierenden Berliner Gründerszene: Es sind Hilfsgüter für Menschen in akuter Hungersnot. Stricker nimmt eine Packung mit der Aufschrift „High energy biscuits“ in die Hand: „Die haben 462 Kalorien pro Packung mit 100 Gramm“, liest er das Kleingedruckte vor – maximal viel Energie also, um einen Menschen vor dem unmittelbaren Hungerstod zu bewahren.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Stricker kennt die in bunter Folie verpackten Kalorienbomben genau. Sie sind die Standardware der Hilfsorganisationen, um stark unterernährten Menschen schnell zu helfen. Der 36-Jährige hat sie selbst schon verteilt, als er nach zwei Jahren als Berater bei der Boston Consulting Group für die Clinton Stiftung in Afrika unterwegs war. Später arbeitete der gebürtige Wiener für die Vereinten Nationen (UN) in Rom und entwickelte die App Share the Meal, die mittlerweile zum UN-Welternährungsprogramm gehört. Auch heute noch bringen Stricker und sein Team dringend benötigte Mahlzeiten, Wasser und Hygiene-Produkte in Krisenregionen.

          Die Vision: Eine soziale Alternative für jedes Produkt

          Doch steckt dahinter keine Non-Profit-Organisation mehr, sondern ein Konsumgüterunternehmen, das Stricker gemeinsam mit Iris Braun, Ben Unterkofler und Tobias Reiner gegründet hat: Es heißt Share und folgt einem ähnlichen Prinzip wie die so erfolgreiche App: Menschen, die viel haben, teilen mit anderen, die weniger haben – ohne großen Aufwand in Form von kleinen Beträgen an der Supermarktkasse. „40 Cent reichen, um ein Kind einen Tag lang zu ernähren“, sagt Stricker und klingt dabei so, als würde er nicht glauben können, dass trotzdem 800 Millionen Menschen auf der Welt hungern müssen.

          Gründer Sebastian Stricker mit den Share-Produkten im Berliner Büro des Start-ups

          Seit März 2018 verkauft Share, das den sozialen Zweck in seinen Statuten festgeschrieben hat, in Deutschland und der EU produzierte Produkte nach dem 1+1-Prinzip: Für jeden verkauften Artikel verspricht Share, mit einem gleichwertigen Produkt oder Service zu helfen. Der Kauf eines Bio-Nussriegels zum Beispiel versorgt ein Kind in der Republik Kongo mit einer Schulmahlzeit, wer das im Allgäu in zu 100 Prozent recycelten Plastikflaschen abgefüllte Wasser kauft, finanziert einen Tag Trinkwasser in Liberia, Äthiopien oder Kambodscha. Verteilt werden die Hilfsgüter von Partnerorganisationen wie zum Beispiel der Welthungerhilfe. Etwa ein Drittel der Spenden landet über die Tafeln in Deutschland. Über einen Barcode auf jedem einzelnen Produkt können Kunden nachvollziehen, wo ihre Spende ankommt. Insgesamt hätten Share-Kunden auf diesem Weg schon 56 Brunnen, 2,67 Millionen Mahlzeiten und 1,1, Millionen Seifen finanziert und damit 375.000 Menschen in Not erreicht.

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