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Neue Atom-Entwicklungen : 300 Millionen Euro für Atomneuheit

Atommüll recyceln: Ein Start-up wagt die Innovation. Bild: dapd

Newcleo nutzt abgebrannte Brennstäbe in neuartigen kleinen Reaktoren. Jetzt hat es Geld für Pilotprojekte in England und Frankreich eingesammelt.

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          Das Start-up-Unternehmen Newcleo hat von Investoren 300 Millionen Euro für neue Kernenergieprojekte eingesammelt. Newcleo will mit kleinen, sogenannten schnellen bleigekühlten Reaktoren die Entwicklungs- und Produktionskosten für Atomstrom senken. Diese Reaktoren, die mit einer Blei-Bismut-Legierung zur Wärmeabfuhr und bei niedrigem Druck funktionieren, können mit Atommüll herkömmlicher Kernkraftwerke betrieben werden.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Derzeit plant Newcleo Pilotprojekte mit 30-Megawatt-Minireaktoren. Dafür hat es in Frankreich und Großbritannien mehrere Anträge für Bau- und Betriebsgenehmigungen gestellt. Später sollen sie auf 200 Megawatt vergrößert werden. Zu den Geldgebern gehören Investoren vor allem aus Italien, darunter die Holding Exor der Industriellenfamilie Agnelli.

          „Der Appetit des Kapitalmarkts ist groß“

          Newcleo-Chef Stefano Buono zeigte sich zuversichtlich, dass die Entwicklung günstiger sei als jene herkömmlicher Kernkraftwerke. Die größeren bleigekühlten Reaktoren sollen etwa 1 Milliarde Euro kosten und günstiger als Druckwasserreaktoren Strom produzieren.

          Frankreich und Großbritannien haben sich entschieden, ihren alternden Kernkraftwerksbestand zu erneuen. Daneben treibt London die Entwicklung sogenannter SMR-Kleinkraftwerke (Small Modular Reactors) voran, die der Industriekonzern Rolls-Royce baut.

          Newcleo, 2021 gegründet, errichtete Anfang Juni eine französische Tochtergesellschaft, die den Bau einer Fabrik zur Produktion von Mischoxid-Brennelementen (MOX) vorbereitet. Diese Uran-Plutonium-Mischoxide sind aus abgebrannten Brennstäben herstellbar. Damit wird Atommüll zur Energiegewinnung wiederverwendet. „Der Appetit des Kapitalmarkts ist groß“, sagte Buono. „Jetzt ist die richtige Zeit, um das Paradigma der Kernenergie in Richtung neue Technologie zu verändern, die die Hauptsorgen unserer Industrie – Kosten, Sicherheit und Abfälle – nachhaltig angehen kann.“

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