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Das Unternehmergespräch : „Für innovative Software ist keine große Firma nötig“

Osman Dumbuya, Geschäftsführer von Incari, arbeitet schon an seinem zweiten Start-up. Wie beim ersten Mal liefert er spezielle Software für die Autobranche. Bild: Jens Gyarmaty

Der Berliner Informatiker Osman Dumbuya arbeitet schon am zweiten Start-up, auch dieses Mal im Rahmen der Autobranche. Für Software sind aus seiner Sicht nicht viele Leute, sondern vor allem Genies gefragt.

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          Bei der zweiten Erfahrung als Unternehmensgründer ist manches anders als beim ersten Mal, sagt Osman Dumbuya: „Zuerst war ich aufgewachsen mit einer Generation, in der von vorneherein klar war: Wenn wir unser Start-up weit genug entwickelt und ausreichend Sichtbarkeit bekommen haben, wird es irgendwann an einen amerikanischen Interessenten verkauft.“ Heute stellt er an sich und an sein neues Unternehmen Incari höhere Ansprüche. Wer beim zweiten Mal nicht unbedingt auf Geld für den Lebensunterhalt angewiesen sei, der wolle dann „etwas erschaffen, das eine Veränderung und eine Innovation in die Welt bringt, mit einem Unternehmen, das auch langfristig bestehen bleibt“.

          Tobias Piller
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Informatiker hatte 2006 im Alter von 29 Jahren mit einem Freund sein erstes Unternehmen gegründet und dann 2012 für rund 50 Millionen Euro an den amerikanischen Branchenführer der Sparte verkauft. Drei Jahre später startete er mit der Firma Incari ein neues Projekt, wieder im Rahmen der Autobranche. Dahinter stehen aber viel weiter reichende Ambitionen: Dumbuya strebt danach, die nach seinen Worten „vor 40 Jahren geplanten und vor 30 Jahren realisierten“ Betriebssysteme heutiger Computer durch neue Architekturen zu ersetzen. „Wir sehen an etlichen Stellen enormes Verbesserungspotential für Sicherheit und Leistung“, sagt Dumbuya. Mit modernerer Architektur könnten Betrieb und Kommunikation auf den heutigen Computern mehr als dreimal so schnell laufen.

          Schnittstelle zwischen Menschen und Auto

          Sehr viel überschaubarer, konkreter und auch weiter vorangeschritten sind vorerst die Projekte bei Incari. Auch damit steckt Dumbuya aber mitten in den Herausforderungen, mit denen sich im Moment die großen Autokonzerne in ihren neuen Softwarehäusern herumschlagen müssen. „HMI“ oder „Human Machine Interface“ heißt das Spezialgebiet von Incari im Jargon der Techniker. Es geht um die Schnittstelle zwischen dem Menschen und dem Auto. Die war bis vor Kurzem eher einfach, mit Tachometer, ein paar Hebeln und Knöpfen oder einem Radio, bis dann immer mehr dazukam, von der Navigation bis zur Sprachsteuerung.

          Die traditionellen Autohersteller sahen sich lange Zeit mehr als Integratoren dieser vielfältigen Systeme, nicht so sehr als Entwickler aller Details, bis diese Koordinationsaufgaben unterschiedlicher Steuerungseinheiten und Software immer komplizierter wurden. Dann wollte Tesla-Gründer Elon Musk eine zentrale Steuerung und Software für alles. Damit künftige – elektrische und zum Teil sogar selbstfahrende – Autos zu rollenden Wohnzimmern werden können, arbeiten die deutschen Hersteller nun alle mit Hochdruck an neuen, umfassenden und eigenen Betriebssystemen für ihre Autos.

          Die deutsche Mentalität ist Fluch und Segen zugleich

          Osman Dumbuya will den Autobauern dagegen die Arbeit an einer Stelle entscheidend vereinfachen: Seine Firma Incari bietet für alles, was im Auto auf Bildschirmen gezeigt und eingegeben wird, eine Entwicklungsplattform an, mit der Autoentwickler ohne Kenntnisse im Programmieren schneller zum Ziel kommen. Denn damit lassen sich Anzeigen oder Strukturen für Eingabekommandos der Fahrer schnell komplett umstellen, ohne dass die Entwickler sich im entferntesten mit der zugrunde liegenden Software auseinandersetzen müssen. Als Demonstrationsobjekt für seine Entwicklungsplattform diente Dumbuya im vergangenen Jahr ein Prototyp von Anton Piëch, der als Spross der Porsche-Dynastie gerade unter eigenem Namen neue Autos entwickelt.

          „Der Anspruch an die Kommunikationsmöglichkeiten im Auto ist heute nicht geringer als der an das eigene Smartphone oder ein Tablet“, sagt Dumbuya. Die Kunden erwarteten, dass Funktionen, die auf dem Mobiltelefon oder zu Hause selbstverständlich sind, künftig auch im Auto integriert werden. Doch die Lebensdauer eines Autos sei mit vielleicht zehn Jahren viel länger als die eines Mobiltelefons, für das schon bald keine Updates mehr zur Verfügung stünden.

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