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Software-Anbieter Celonis : Der große Sprung des bayerischen Einhorns

Alexander Rinke, Bastian Nominacher und Martin Klenk Bild: Julian Baumann/Celonis

Im Sommer 2018 erreichte das Start-up einen Unternehmenswert von 1 Milliarde Dollar. Nach der dritten Finanzierungsrunde ist der Wert nun auf das Zweieinhalbfache angestiegen. Das Geld ist schon verplant.

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          Im Juni 2018 schaffte Celonis es zum Einhorn – private Start-ups, die mehr als 1 Milliarde Dollar wert sind. In Deutschland sind Einhörner eine Rarität: Nach derzeitigem Stand gibt es elf, von etwa 500 in der Welt. Seit seinem Aufstieg in die Oberklasse der Start-up-Szene hat der Software-Anbieter aus München seinen Unternehmenswert mit nun 2,5 Milliarden Dollar auf das Zweieinhalbfache gesteigert. Am Donnerstag hat das 2011 gegründete Unternehmen seine dritte Finanzierungsrunde abgeschlossen und weitere 290 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt. Daraus ergibt sich der Sprung in der Bewertung.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Celonis entwickelt Systeme, die Prozesse wie Bestellvorgänge, Logistik, Rechnungsabläufe oder Kundenmanagement, Informationstechnik und Finanzwesen in Unternehmen analysieren. Dabei spielt der Einsatz von künstlicher Intelligenz eine wesentliche Rolle; sie kann über Algorithmen Abläufe verbessern, wo nach der Datenanalyse Schwachstellen erkannt wurden. Das im Fachjargon genannte „Process Mining“ soll kostenträchtige und auch geschäftsbehindernde Ineffizienzen in einem Unternehmen ausmerzen. Wer schon einmal online bestellt hat und eine von der Rechnungsadresse abweichende Lieferadresse nicht eingeben kann, weiß ein Lied von derlei Missständen zu singen, die es zuhauf gibt.

          Arena als neuer Investor

          Das Geschäftsmodell scheint so erfolgreich zu sein, dass in der dritten Finanzierungsrunde (C-Serie) nun mit Arena Holdings ein neuer, großer Investor hinzugekommen ist. Er führt eine Gruppe von etablierten Unternehmern, die bereits profitable und  wachstumsstarke Neugründungen aufgebaut haben. Dazu gehören Investoren wie Ryan Smith, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Qualtrics, sowie Tooey Courtemanche, Gründer und Vorstandschef von Procore. An der dritten Runde haben sich auch wieder Accel und 83North beteiligt, die in den ersten beiden Finanzierungen führend gewesen sind.

          Insgesamt hat Celonis seit 2016 in den drei Runden 367,5 Millionen Dollar als Risikokapital eingesammelt. Die ersten fünf Jahre des Aufbaus haben die drei Gründer Alexander Rinke, Bastian Nominacher und Martin Klenk – Informatiker, Mathematiker und Wirtschaftsinformatiker von der Technischen Universität München – in ihrer Studentenbude mit eigenen Mitteln finanziert. Angefangen haben sie mit zunächst eher klassischen Analysemethoden als Berater beim Bayerischen Rundfunk. Dadurch kamen sie auf die Idee, Prozesse über intelligente Software zu optimieren.

          Marktanteil von 95 Prozent

          Viel Konkurrenz haben sie noch nicht bekommen. Bastian Nominacher spricht von einem Marktanteil von 95 Prozent. Derzeit ist Celonis in etwa 30 Ländern präsent. Zu den 650 Kunden gehören Konzerne wie Deutsche Telekom, L'Oréal, Lufthansa, Nestlé, Siemens, 3M, Airbus, Danaher, BMW und Uber. Die angebotenen Systeme können nahtlos auf die bestehende IT-Infrastruktur der Kunden aufgesetzt werden und bieten über Echtzeitkontrolle Optimierungsmöglichkeiten an.

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